Spekulationen um Fifa-Chef: Plant Blatter den Rücktritt vom Rücktritt?

Spekulationen um Fifa-Chef: Plant Blatter den Rücktritt vom Rücktritt?

, aktualisiert 15. Juni 2015, 06:50 Uhr

Der umstrittene FIFA-Chef Joseph Blatter beschäftigt weiter die Fußball-Welt. Jetzt gibt es Meldungen, wonach der Machtmensch seinen Rücktritt vom Rücktritt plane. Der DFB fordert eine schnelle Ablösung ein.

Rücktritt vom Rücktritt oder doch nur ein Blatter-typisches Manöver gegen seine schärfsten Kritiker: Der Kampf um den Fifa-Chefsessel könnte eine überraschende Wendung nehmen. Der umstrittene Präsident Joseph Blatter soll einem Medienbericht zufolge doch wieder über einen Verbleib im Amt nachdenken und hat damit deutliche Reaktionen hervorgerufen.

Die Zeitung „Schweiz am Sonntag“ berichtet unter Berufung auf das Umfeld des Fußball-Weltverbandschefs, Verbände aus Asien und Afrika wollten den angekündigten Rückzug des 79-Jährigen verhindern. Blatter wiederum fühle sich dadurch geehrt und schließe nicht aus, weiter an der Spitze des skandalgeschüttelten Verbands zu bleiben.

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Die Fakten zum FIFA-Skandal

  • Die Vorwürfe

    Mehr als zehn Personen werden im neuen Fußball-Skandal um den Weltverband FIFA vom US-Justizministerium beschuldigt. Ihnen wird unter anderem organisiertes Verbrechen, Überweisungsbetrug und verschwörerische Geldwäsche und die Teilnahme an Korruption im internationalen Fußball zur Selbstbereicherung zur Last gelegt.

  • Die Ermittlerin

    Loretta E. Lynch steht schon seit ihrer Zeit als New Yorker Staatsanwältin an der Spitze der Ermittlungen in den USA gegen die verdächtigten FIFA-Mitglieder. Die 55-Jährige ist mittlerweile Justizministerin der Vereinigten Staaten. Sie hat den Posten erst im vergangenen Monat übernommen, war am 27. April vereidigt worden. Lynch, im November vergangenen Jahres von US-Präsident Barack Obama vorgeschlagen, ist die erste Afroamerikanerin in diesem Amt.

  • Die FIFA

    Die Fédération Internationale de Football Association - kurz FIFA - wurde 1904 in Paris gegründet. Mittlerweile ist die FIFA auf 209 Mitglieder aus sechs Kontinental-Konföderationen angewachsen. Größte Einnahmequelle ist die alle vier Jahre ausgerichtete Fußball-WM mit einem Umsatz von rund fünf Milliarden Dollar. Höchstes Gremium ist der jährliche Kongress, die Vollversammlung aller Mitgliedsverbände. Der Kongress wählt alle vier Jahre den Präsidenten. Künftig bestimmt der Kongress auch den WM-Gastgeber - eine Folge der Korruptionsvorwürfe rund um die WM-Vergabe an Russland 2018 und Katar 2022. Bislang war das Exekutivkomitee dafür verantwortlich. Es ist die sogenannte Regierung der FIFA.

Der Deutsche Fußball-Bund und Domenico Scala als Vorsitzender der Fifa-Compliance-Kommission erteilten dem möglichen Ansinnen Blatters gleich eine Absage. „Wir kennen auch nur die Medienberichte aus der Schweiz, die uns in unserer klaren Haltung bestärken: Der von Blatter selbst angekündigte Rücktritt muss jetzt so schnell wie möglich formal vollzogen werden“, sagte DFB-Mediendirektor Ralf Köttker und Scala betonte: „Für mich sind die Reformen das zentrale Thema. Deshalb halte ich es für klar unverzichtbar, den eingeleiteten Prozess des Präsidiumswechsels wie angekündigt umzusetzen.“

Auch Bundestrainer Joachim Löw forderte Blatter auf, bei seinem ursprünglichen Plan zu bleiben. „Die Fifa muss, soweit mir das zusteht als Trainer, sagen, dass neu strukturiert und neu geordnet und ein gewisser Neubeginn gemacht werden muss, weil es dem Fußball alles sehr geschadet hat - und das war gefährlich. Ich denke, einen Rücktritt von einem Rücktritt darf es normalerweise nicht geben“, sagte Löw am Sonntag dem TV-Sender Sky.

Potenzielle Kandidaten für die Blatter-Nachfolge

  • Issa Hayatou

    Der Kameruner steht seit 1988 dem afrikanischen Fußballverband vor. Seit 1990 sitzt Hayatou im Fifa-Exekutivkomitee - und ist damit das am zweitlängsten amtierende Mitglied des Gremiums. 2002 versuchte er Blatter als Fifa-Präsident zu entthronen, verlor jedoch mit 56 zu 139 Stimmen.
    Ein Jahr zuvor wurde Hayatou Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees IOC. 2011 rüffelte ihn das Gremium, weil er 20.000 Dollar Bargeld von dem früheren Fifa-Marketingpartner ISL annahm. Hayatou stritt jegliches Fehlverhalten ab, doch das IOC warf ihm einen Interessenskonflikt vor.
    Im Juni 2014 berichtete die „Sunday Times“, der inzwischen gesperrte katarische Ex-Funktionär Mohammed bin Hammam habe Haytou und andere afrikanische Fußballentscheider mit Geld, Luxusreisen und anderen Gefälligkeiten um den Finger gewickelt, um deren Unterstützung für die letztlich erfolgreiche WM-Bewerbung des Golfstaats zu sichern. Hayatou hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Um die Gesundheit des früheren Fußballers, Läufers und Basketballspielers scheint es nicht allzu gut bestellt zu sein: Der 68-Jährige unterzieht sich wegen Nierenproblemen einer Dialyse.

  • Michel Platini

    Er galt schon lange als heißer Anwärter auf den Topjob in der Welt des Fußballs, doch verkündete die französische Fußballlegende im vergangenen August: „Meine ist Zeit ist noch nicht gekommen.“ Vor dem Fifa-Kongress in Zürich vergangene Woche versuchte er Blatter zum Rücktritt zu bewegen. Will Platini diesmal Fifa-Präsident werden, müsste sich der Uefa-Präsident als geschickter Netzwerker erweisen: Europa verfügt nur über ein Viertel der Stimmen, weswegen er verlässliche Allianzen für einen Sieg schmieden müsste.

    Platini führte die französische Nationalmannschaft 1984 als Kapitän zum EM-Titel und gewann ein Jahr später mit Juventus Turin den Europapokal der Landesmeister (heute Champions League). Im Januar 2007 setzte sich der 59-Jährige bei der Wahl des Präsidenten des europäischen Fußballverbands gegen den Schweden Lennart Johansson durch, der seit 1990 amtiert hatte.

    Als Uefa-Chef war Platini maßgeblich für die Aufstockung der Zahl der EM-Teilnehmerländer von 16 auf 24 beim nächsten Turnier in Frankreich verantwortlich. Zudem drang er darauf, dass die EM 2020 nicht wie bisher nur in einem Land ausgetragen wird, sondern auf 13 Städte in ganz Europa verteilt wird. Als Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees votierte Platini für eine Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 an Katar. Dass der reiche Golfstaat den Zuschlag bekam, sorgt jedoch noch immer für massive Kritik. Denn es halten sich Vorwürfe, Katar habe sich die erfolgreiche Bewerbung mit Geld erschlichen. Das Land weist dies vehement zurück.

  • Prinz Ali Bin Al-Hussein

    Falls der 39-jährige Jordanier an die Spitze der Fifa rückt, würde er einen Generationswechsel einläuten. Ausgebildet wurde der Prinz an der Königlichen Militärakademie im südenglischen Berkshire und an der US-Eliteuniversität Princeton. 1994 diente er als Offizier in der jordanischen Armee, wo ihm eine Medaille für einen Einsatz in Brunei verliehen wurde.
    Seit 1999 ist er Präsident des jordanischen Fußballverbands, von 2011 bis vergangene Woche saß er im Fifa-Exekutivkomitee. Am vergangenen Freitag unterlag als er Gegenkandidat noch Blatter beim Fifa-Kongress. Der Portugiese Luis Figo und Michael van Praag aus den Niederlanden hatten ihre Kandiatur für das Präsidentenamt zuvor zurückgezogen. Für den Fall seiner Wahl hat Prinz Ali eine Aufstockung der WM-Teilnehmerländer von derzeit 32 auf 36 Nationen versprochen.

  • Michael van Praag

    Der Holländer war von 1989 bis 2003 Vorsitzender von Ajax Amsterdam. Den Posten hatte van Praag nach seinem Vater Jaap übernommen, der das Amt von 1964 bis 1978 innehatte. Im Jahr 2008 wurde van Praag Chef des niederländischen Fußballverbands, ein Jahr später rückte er ins Exekutivkomitee der Uefa.

    Der einstige Schiedsrichter wurde als Kandidat für die Nachfolge Blatters ins Rennen geschickt, stieg jedoch eine Woche vor der Wahl aus und unterstützte Prinz Ali. Im Wahlkampf hatte van Praag Anfang des Jahres Blatter einen Beraterjob in Aussicht gestellt, sollte dieser sein Amt aufgeben. Zudem sollte der Schweizer als Chef einer „Sepp-Blatter-Stiftung“ benachteiligten Kindern helfen.

Der Schweizer Rechtsprofessor Mark Pieth, der als Anti-Korruptions-Experte der Fifa mit seinen Reformvorschlägen gescheitert war, geht sogar weiter. Blatter müsse sofort gehen. „Blatter kann sich nicht als lame duck für Monate an seinen Job klammern. Es macht keinen Sinn, weiter Zeit zu verschwenden mit politischen Machtspielen.“

Genau darin ist Blatter aber ein Meister seines Fachs. Zu den Spekulationen wollte sich der Machtmensch nicht äußern, seine Tochter Corinne schließt im Gespräch mit der Schweizer Zeitung „Blick“ eine Kehrtwendung aus: „In Anbetracht der Ankündigung meines Vaters vom 2. Juni erübrigt sich jeder weitere Kommentar.“

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