Spiegel Magazin: Aus für die Doppelspitze

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KommentarSpiegel Magazin: Aus für die Doppelspitze

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Die bisherigen Spiegel-Chefredakteure Mathias Müller von Blumencron (l) und Georg Mascolo.

von Peter Steinkirchner

Nach der unwürdigen Trennung von beiden Chefredakteuren sind beim „Spiegel“ klare Weichenstellungen nötig.

Eins ist klar: Alles andere als die Nachricht vom frühen Dienstagmittag wäre nach dem Bohei der vergangenen Tage eine Überraschung gewesen. Die erwartete Botschaft lautete: Der „Spiegel“ setzt nach etwas mehr als fünf Jahren seine beiden Chefredakteure Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron vor die Tür. Das Ganze mit „sofortiger Wirkung“, wegen „unterschiedlicher Auffassungen zur strategischen Ausrichtung“, „abberufen und beurlaubt“. Strich drunter, fertig. Fertig? Nicht wirklich.

Denn zum einen lief die Trennung von den beiden in der Branche anerkannten Journalisten ziemlich schräg ab. Nach einem Bericht im „Hamburger Abendblatt“ vom vergangenen Freitagabend brauchte die Verlagsspitze von Deutschlands größtem Nachrichtenmagazin bis Montagvormittag, um vor den eigenen Leuten ein Statement abzugeben, das eigentlich keines war, sondern im Gegenteil Gerüchte und Fragen weiter befeuerte. Müssen sie jetzt tatsächlich gehen? Müssen beide gehen? Wer will eigentlich, dass sie gehen? Und: Wer treibt den Abschied von Mascolo und Müller von Blumencron wirklich voran?

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Zum anderen geht der wohl schon länger erwogene, nun aber abrupt vollzogene Wechsel an der „Spiegel“-Spitze über die reinen Personalien weit hinaus. Denn er verweist auf den tiefer liegenden Konflikt, der die gesamte Printbranche umtreibt: Wie lässt sich anspruchsvoller Journalismus refinanzieren, wenn Inhalte im Internet vorzugsweise gratis verbreitet und gelesen werden, gleichzeitig aber Auflagen und Werbe-Einnahmen vieler Print-Ausgaben sinken? Wie funktioniert die Zusammenarbeit von Online und Print? Was überzeugt Leser davon, am Ende auch für Online-Artikel zu bezahlen, nachdem es für jeden Kunden logisch ist, für sein Magazin am Kiosk oder im Abonnement Geld zu bezahlen?

Mascolo war für Bezahlschranken, Blumencron dagegen

Beim „Spiegel“ hat man sich für eine getrennte Verantwortung für Online und Print entschieden. Mascolo war der Print-Mann, Blumencron stand für Spiegel Online, neben „Bild“ das erfolgreichste journalistische Angebot im deutschsprachigen Web. Blöd nur, dass sich die beiden bis zum Schluss, trotz Arbeitsgruppen und Strategiepapieren, ganz offensichtlich nicht auf einen gemeinsamen Weg einigen konnten – Mascolo war angeblich für die Einführung früher Bezahlschranken, Blumencron dagegen.

Blumencron hat seine Vorstellung zu Paid Content-Modellen einmal in ein Bild gefasst: Der Weg vom kostenlos lesbaren, nach dem Privat-TV-Modell durch Werbung refinanzierten Artikel auf Spiegel Online bis zum Bezahlangebot, das dem Abo des „Spiegel“ entspricht und mindestens 200 Euro im Jahr kostet, ist ziemlich weit.

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Um den Leser auf diesem Weg voran zu lotsen, sagte Blumencron, wolle der „Spiegel“ viele bunte Pflanzen aufstellen, einzelne Bezahl-Pakete, Themen-Bündel etwa, um den Gang hübscher zu machen, und den Leser zu locken und zu halten. Klingt eigentlich ganz gut. Doch auf der Strecke haben sich Mascolo und Blumencron nun offenbar verlaufen, und mit ihnen der ganze Verlag. Denn statt selbst eine klare Richtungsentscheidung zu treffen, ließen Verlagsspitze und Gesellschafter den Konflikt zu lange gären.

Die Aufgabe, unter diesen Voraussetzungen jetzt einen neuen Chefredakteur zu benennen, der jetzt am besten mal eben die Machete zückt, den Dschungel planiert und das Unternehmen zu ungeahnten neuen fetten Weidegründen schleppt, ist mindestens sportlich.

Der Job als „Spiegel“-Chef ist eh schon einer der schwersten, den die Branche zu bieten hat. Wer ihn antritt, sollte mindestens ein paar schicke Zaubertricks auf Lager haben.

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