Sport: Thomas Bach ist neuer IOC-Präsident

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KommentarSport: Thomas Bach ist neuer IOC-Präsident

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Die Wahl von Thomas Bach ist höchst konservativ

von Peter Steinkirchner

Vor dem IOC türmt sich ein Berg von Herausforderungen. Der neue Ober-Olympionike Thomas Bach muss das Sport-Spektakel jetzt wettbewerbsfähig machen.

Mal ehrlich – dem normalen Fernsehzuschauer, der es sich alle vier Jahre vor der Kiste gemütlich macht, um Leichtathleten, Ruderern oder Turnerinnen beim Wettkampf um olympische Medaillen zuzusehen, ist es vermutlich ziemlich wurscht, wie der Ober-Olympier denn nun gerade heißt. Der gerade nach zwölf anstrengenden Jahren aus dem Amt verabschiedete Belgier Jacques Rogge etwa tauchte für die breitere Öffentlichkeit sichtbar allenfalls vergangenes Jahr auf, als er im Londoner Olympia-Stadion die Sommerspiele eröffnete. Weiter aufgefallen ist er dabei nicht. Bei einer Straßenumfrage würde aller Wahrscheinlichkeit nach den wenigsten spontan sein Name einfallen.

Das wird im Fall von Thomas Bach zumindest in Deutschland sicher anders aussehen – Berühmtheiten von Franz Beckenbauer bis Dirk Nowitzki wünschten dem umtriebigen Wirtschaftsanwalt aus Tauberbischofsheim Glück vor der Wahl des neuen IOC-Chefs, angeblich soll der "Kaiser“ gar für ihn gebetet haben; allein die Prominenz dieser Daumendrücker dürfte schon dafür sorgen, dass der Name des Fecht-Olympiasiegers von 1976 wenigstens kurz vor der Wahl dem einen oder anderen Sport-Fan etwas sagt. Mehr aber auch nicht, und das liegt vor allem daran, dass Bach augenscheinlich überhaupt keinen Wert darauf legte, inhaltlich klare Positionen zu beziehen. Niemand außerhalb der für Bach entscheidenden Kreise weiß wirklich, wofür der 59-Jährige eigentlich steht. Klar findet er auch, dass Doping doof ist, aber alles andere wäre die Nachricht. Programm? Fehlanzeige.

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Eine sehr konservative Wahl

Nach Aufbruch und Erneuerung riecht hier deshalb gar nichts. Im Gegenteil: Bei der Wahl seines Oberhaupts zeigte sich sogar der Vatikan progressiver als das IOC - mit Papst Franziskus zog ein Mann in Rom ein, der vom ersten Tag an klar machte, wie sehr sich sein Stil und Lebensthema unterscheidet von dem seines Vorgängers aus Deutschland. Von Bach wird und darf man ähnliches wohl nicht erwarten. Und das ist, bei allen guten Ansätzen Rogges, schade.

Denn vor dem IOC türmt sich ein Berg von Herausforderungen, und da wäre es spannend gewesen, einen Mann an der Spitze dieser alten Institution zu sehen, der sich traut, klare Position zu beziehen, so etwas wie eine Haltung zu zeigen. Hat etwa vor vier Jahren anlässlich der Spiele von Peking irgendjemand etwas von Bach gehört zum Thema Menschenrechte, Internetzensur  und Meinungsfreiheit, das über Gemeinplätze hinausging? Wie ist denn seine und die Position des IOC zum Anti-Homosexuellen-Gesetz in Russland, wo bald die Winterspiele 2014 von Sotschi steigen sollen? Muss er sich dazu erst ein Bild verschaffen, wie unangenehm den Olympia-Sponsoren das Thema werden könnte und wie sehr das womöglich deren Spendierlaune für die Sportsause beeinträchtigt oder traut sich das IOC auch einmal eine Meinung und eine Haltung zu? Es wäre regelrecht absurd, wenn Russland eigens für Olympia eine Regelung fürs Sportler-Völkchen träfe und im Rest des Riesen-Landes würde munter weiter diskriminiert und geprügelt. Dazu dürfte das IOC nicht seine Zustimmung geben, wollte es nicht seine Glaubwürdigkeit komplett ins olympische Feuer werfen. Denn noch immer trägt die Olympia-Bewegung hehre Ziele wie Standarten vor sich her: Völkerverständigung und Frieden auf Erden, drunter machen sie es nicht. Doch wenn es um die Nagelprobe geht, herrscht Schweigen. Es wird Zeit, sie mit Leben zu füllen.

Dabei hat das IOC einige gute Voraussetzungen: 2012 war London eine gute Wahl, ein Kandidat, der es schaffte, mit deutlich weniger Pomp als zuvor Peking dem Thema Olympia wieder Sympathie und Modernität zu verschaffen. Doch das lag eher am Witz der Briten und ihrem reichen Fundus an Pop-Kultur als am noch stets seltsam aus der Zeit gefallen wirkenden IOC.

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