Start der neuen Germanwings: Lufthansa muss auf billig machen

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Start der neuen Germanwings: Lufthansa muss auf billig machen

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Markenwechsel spart Kosten: 53 Lufthansa- werden zu Germanwings-Maschinen

von Rüdiger Kiani-Kreß

Ab dem 1. Juli überträgt die Lufthansa die meisten ihrer Kurz- und Mittelstreckenverbindungen an Germanwings. Die Umwidmung ist die letzte Hoffnung der Kranichlinie im Kampf gegen Billigflieger.

Kein Teil der Lufthansa bereitet Konzernchef Christoph Franz mehr Probleme als die Flüge innerhalb Europas, die Billigflieger wie Easyjet oder Ryanair dominieren. 2010 erwirtschaftete die Lufthansa in dem Segment über 300 Millionen Euro Miese und 2012 immer noch geschätzte 250 Millionen Euro Verlust.

Das soll jetzt anders werden. Vom 1. Juli an übernimmt die konzerneigene Billigflugtochter Germanwings den „dezentralen Verkehr“ der Lufthansa. Auf gut Deutsch: Alle Lufthansa-Flüge abseits der Drehkreuze Frankfurt und München mit 53 Flugzeugen firmieren demnächst unter Germanwings. 16 Millionen Lufthansa-Kunden, die etwa von Stuttgart nach Berlin oder von Hamburg nach Zürich fliegen, steigen nicht mehr in die Maschinen mit dem blauem Kranich, sondern in die mit dem neuen Germanwings-Design: breite Heckstreifen und Schrift sind laut Lufthansa „brombeer“.

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Das ändert sich für Passagiere

  • Diese Strecken werden umgestellt

    Stuttgart wurde bereits im vergangenen Jahr umgestellt; seit Ende März läuft die Umstellung auch in Hamburg. Berlin und Düsseldorf sollen noch folgen. Bis Herbst 2014 sollen fast alle Lufthansalinien innerhalb Deutschlands und Europas von Germanwings übernommen werden. Nur München und Frankfurt werden dann noch von der Lufthansa bedient.

  • Das ändert sich bei Germanwings

    Germanwings bekommt einen neuen Markenauftritt: Der bisherige Brombeer-Farbton bleibt erhalten, allerdings wird der Schriftzug der Lufthansa angepasst. Auch die Crew bekommt neue Uniformen.

  • Der Preisunterschied

    33 Euro kostet ein Ticket im "Basic"-Tarif, 20 Euro teurer ist ein Ticket der Mittelklasse. Deutlich teurer ist die Premium-Variante, in der bis zu 259 Euro pro Strecke fällig werden.

  • Die Unterschiede zwischen den Klassen

    Kunden des "Best"-Tarif haben unter anderem einen großzügigem Sitzabstand von 81,2 Zentimetern und einem freien Mittelsitz. Außerdem soll ein Bord-Menü à la Carte im Preis enthalten sein. Im "Smart"-Tarif, der Mittelklasse, sitzt man mit genauso viel Beinfreiheit wie im "Best"-Tarif. Servicemäßig sind 23 Kilo Freigepäck enthalten, ein kostenloser Snack und alkoholfreie Getränke. Nur in der Holzklasse ist dies nicht enthalten - hier zählt es nur so billig wie möglich zu reisen.

  • Warum Businesskunden Germanwings nutzen sollen

    Germanwings bekommt nicht nur ein neues Markenkonzept, sondern auch eine neue Tarifstruktur: Die Linie soll dann Passagiere mit unterschiedlichen Ansprüchen bedienen und nicht nur für Billigflieger attraktiv bleiben. Dazu wird es drei Arten von Tickets geben.

  • Die Gültigkeit der neuen Tarifstruktur

    Ab 1. Juli gelten die neuen Tarife, die allerdings schon seit Mitte April gebucht werden können. Die Tickets behalten auch seine Gültigkeit, wenn ein Flug der Lufthansa von Germanwings durchgeführt wird. Er wird automatisch umgebucht.

  • Das Bonusprogramm

    Die Meilenprogramme von Lufthansa und Germanwings bleiben erhalten. Die einzige Neuerung: Kunden können in Zukunft entscheiden, in welchem Programm sie ihre Meilen gutschreiben lassen wollen.

  • Die Lounges

    Business-Vielflieger im "HON-Circle" und Vielflieger mit Senator-Status können auch mit Germanwings-Bordkarte die Senator- und Business Lounges der Lufthansa aufsuchen. Der ursprüngliche Plan war, dass sich sogenannte "Frequent Traveller" einen Zugang zur Business-Lounges für 25 Euro kaufen können - dagegen regte sich Widerstand. Nun hat diese Gruppe auch Zugang zu den Business Lounges und den Miles&More-Partnerlounges.

Mindestens eine Viertelmilliarde Euro pro Jahr soll das konzerninterne Ausflaggen sparen. Der Strategieschwenk ist wohl der dramatischste im Sanierungsprogramm Score, mit dem Franz den Gewinn um mindestens 1,5 Milliarden Euro steigern will.

Ein Flop der Aktion wäre ein Desaster. „Bei Germanwings muss sich jede Strecke rechnen. Die Größe des Streckennetzes hängt also von der nachhaltigen Profitabilität ab“, warnt Germanwings-Chef Thomas Winkelmann. Im Klartext: Gelingt die Wende nicht, dürfte die Lufthansa das Geschäft entweder wie Ryanair oder Norwegian auf Billigtöchter etwa in Osteuropa übertragen. Oder sie gibt solche Flüge auf und beschränkt sich wie British Airways auf Fernstrecken und Zubringerdienste.

Grafik "Europas größte Billigflieger"

Für eine größere Ansicht bitte auf die Grafik klicken.

Um das zu verhindern, muss Winkelmann die Kosten gegenüber dem Lufthansa-Niveau fast halbieren, ohne dadurch Kunden zu verlieren. Dafür hat er den Service umgestaltet. „Wer mehr zahlt, bekommt auch mehr“, erklärt der Brombeer-Boss sein neues Drei-Klassen-Prinzip, bei dem anspruchsvoll, durchschnittlich und spartanisch Reisende im selben Jet fliegen.

In den ersten drei Reihen vorn sitzen die Passagiere mit dem sogenannten Best-Tarif, der den gewohnten Businessclass-Service wie bei der Lufthansa verspricht. Best-Passagiere dürfen die Lounge nutzen, können gratis zwei Koffer sowie zwei Stücke Handgepäck mitnehmen und kostenlos umbuchen. Selbst im Vergleich zur Lufthansa-Businessclass haben sie fünf Zentimeter mehr Abstand zum Vordersitz sowie Gratisessen mit breiterer Auswahl.

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