Stellenabbau bei DB Schenker Rail : Das Versagen des Managements

KommentarStellenabbau bei DB Schenker Rail : Das Versagen des Managements

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Ein Güterzug der DB Schenker Rail.

von Christian Schlesiger

Die Deutsche Bahn streicht bei Schenker Rail radikal Stellen. Grund ist Missmanagement. Und es gibt noch keinen Plan, wie es bei der Güterbahn besser werden kann.

Es klingt, als sei ein Schuldiger gefunden. Im Interview mit der „Welt am Sonntag“ (WamS) sagte Konzernchef Rüdiger Grube, nach den Streiks der Lokführer seien acht bis zehn Prozent der Kunden bei der Güterbahntochter nicht mehr zurückgekehrt. Die Deutsche Bahn streicht nun Stellen. Die Gewerkschaften gehen von bis zu 5000 Jobs aus - das wären knapp 16 Prozent der Belegschaft bei Schenker Rail. 

Die Lokführer wären nach dieser Lesart also die Buhmänner. Monatelang haben sie den Personen- und Güterverkehr malträtiert. Nun folgt die Quittung: Die Güterbahn schreibt in diesem Jahr Verluste. 

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Doch die Wahrheit ist eine andere: Die Probleme bei Schenker Rail sind hausgemacht, besser: managementgemacht. Dass jeder zehnte Unternehmenskunde nicht mehr zurück kommt, liegt nicht an den vorübergehenden Auszeiten durch die Lokführerstreiks, sondern an der miserablen Qualität der Güterbahntochter des Staatskonzerns. Die Pünktlichkeit der Güterzüge der Deutschen Bahn lag im vergangenen Jahr bei 68 Prozent.

Seit Jahren fährt die Konzernsparte planlos in die Zukunft. Und dafür ist vor allem das Management verantwortlich. Der Spartenvorstand rühmt sich zwar seit Jahren damit, die einzige Güterbahn in Europa zu sein, die annähernd an die schwarzen Zahlen heranfahre. Der europäische Marktanteil liegt bei 24 Prozent. Doch Wachstum und eine positive Entwicklung ist nicht erkennbar, wurde allenfalls blümerant angekündigt, aber nie eingehalten.

Im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn brodelt es deshalb schon seit Jahren. Vor zwei Jahren bereits zürnten die Kontrolleure, die Sparte zeichne sich vor allem durch eines aus: Planzahlen in aller Regelmäßigkeit zu verfehlen. Jedes Jahr wurden Gewinne in Aussicht gestellt und jedes Jahr wurden sie gerissen. Oft lagen Plan- und Ist-Zahlen im zweistelligen Prozentbereich auseinander. Das war „Management by Wolkenkuckucksheim“.

Die wichtigsten Firmenübernahmen der deutschen Bahn

  • Stinnes/Schenker

    Sparte: Spedition

    Deutschland 2002

    Wert: 2500 Mio. Euro

  • BAX Global

    Sparte: Spedition

    USA 2006

    Wert: 1300 Mio. Euro

  • EWS

    Sparte: Schienenverkehr

    Großbritannien 2007

    Wert: 370 Mio. Euro

  • Transfesa

    Sparte: Schienenverkehr

    Spanien 2007

    Wert: 130 Mio. Euro

  • Spain-Tir

    Sparte: Personenverkehr

    Spanien 2007

    Wert: 150 Mio. Euro

  • Laing Rail

    Sparte: Spedition

    Großbritannien 2008

    Wert: 170 Mio. Euro

  • Romtrans

    Sparte: Spedition

    Rumänien 2009

    Wert: 100 Mio. Euro

  • PCC Logistik

    Sparte: Schienenverkehr

    Polen 2009

    Wert: 450 Mio. Euro

  • Arriva

    Sparte: Personenverkehr

    Großbritannien 2010

    Wert: 3000 Mio. Euro

    Quelle: Deutsche Bahn

Die Unzufriedenheit über die Konzeptlosigkeit auf der Führungsebene setzt sich bis heute fort. Der Aufsichtsrat hat seit langem keine Mittelfristplanung mehr erhalten, in der die Bahn normalerweise ihre Ziele für die nächsten fünf Jahre skizziert. Ein Grund dafür sind die rigoros verpassten Prognosen der Güterbahntochter. „Die Unruhe im Aufsichtsrat wächst", sagt eine Kontrolleurin. 

Eine Strategie für die Güterbahntochter ist die Deutsche Bahn bis heute schuldig geblieben. Der Transport von Waren und Schuttgütern gehört zum Kerngeschäft der Eisenbahn, er erwirtschaftet rund 4,9 Milliarden Euro pro Jahr. Doch die Fixkosten laufen hier gnadenlos aus dem Ruder. Grube verwies in dem WamS-Interview auf den Zusammenhang, dass 20 Prozent der Verladestationen nur ein Prozent des Umsatzes generieren. „Wir stellen derzeit das Geschäftsmodell des Schienengüterverkehrs explizit auf den Prüfstand.“.

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