Steuergesetze: "Wir brauchen ein neues Steuerrecht"

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InterviewSteuergesetze: "Wir brauchen ein neues Steuerrecht"

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PwC-Chef Nally erklärt, warum in Europa ein neues Steuerrecht benötigt wird

von Mark Fehr

Der Chef des weltgrößten Wirtschaftsprüfers PwC fordert modernere Steuergesetze für das digitale Zeitalter. Sein Unternehmen macht wegen des Luxemburger Steuerskandals Negativschlagzeilen.

Als die WirtschaftsWoche das Interview mit PwC-Weltchef Dennis Nally führte, war der Luxemburger Steuerskandal noch nicht öffentlich bekannt. Trotzdem drehte sich ein wichtiger Teil des Gesprächs um die Steuertricks großer Konzerne, internationale Steueroasen und die Rolle von PwC bei diesem Spiel. Im Nachhinein wollte Nally jedoch keine Fragen zu den Luxemburg-Leaks beantworten. PwC erklärt dazu: „Unsere Beratung und Unterstützung steht stets im Einklang mit den jeweils geltenden nationalen, europäischen und internationalen Steuergesetzen und Vereinbarungen.“ Die Medienberichte zur steuerlichen Beratung in Luxemburg, koordiniert vom International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ), beziehen sich nach Ansicht von PwC auf unvollständige, illegal erlangte Informationen, die vier Jahre und älter seien.

 

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PwC-Chef Dennis Nally Quelle: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche

PwC-Chef Dennis Nally

Bild: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche

Herr Nally, Sie leiten PwC von New York aus. Mögen Sie Deutschland?

Ich bin gern hier, es ist das Zentrum der europäischen Wirtschaft.

Nicht jedes unserer Nachbarländer mag das.

Wettbewerb ist doch etwas Gutes. Da schneiden Länder wie Deutschland besser ab, die sich Reformen unterzogen haben oder ein gutes Rechtssystem haben. Die anderen müssen aufholen. So funktioniert die globale Wirtschaft.

Zur Person

  • Dennis Nally

    Nally,62, steht seit 2009 an der Spitze von PricewaterhouseCoopers (PwC), dem weltgrößten Netzwerk aus Wirtschafts­prüfern und Steuerberatern.

Im internationalen Wettbewerb machen Internetkonzerne wie Google oder Amazon Negativschlagzeilen mit aggressiver Steuergestaltung über Grenzen hinweg. Muss der Fiskus eingreifen?

Vor allem muss er das Steuerrecht modernisieren. Es stammt aus Zeiten, als die Wirtschaft dominiert war von industrieller Produktion und dem Export von Waren. Die aggressive Steuerplanung zeigt auch, dass das Steuerrecht nicht mehr passt in eine Wirtschaft, bei der Dienstleistungen und digitale Kommunikation immer wichtiger werden. Die digitalisierte Welt braucht ein neues Steuerrecht.

Und wie sollte das aussehen?

Internationale Organisationen wie die OECD oder der Zusammenschluss von Industrie- und Entwicklungsländern G20 arbeiten daran. Es geht etwa um neue Regeln für die Besteuerung von Gewinnen aus Lizenzen für die Nutzung bekannter Marken oder innovativer Patente. Entscheidend ist, festzustellen, in welchem Land Unternehmen ihren Mehrwert schaffen und diesen dort zu besteuern. Das ist bei Industriekonzernen leicht zu sehen, nämlich meist dort, wo die Fabriken stehen. Bei Internetfirmen ist das schwieriger. Sie können ihre Kunden überall auf der Welt bedienen, egal wo ihre Büros und Server stehen.

Sind internationale Konzerne zu aggressiv gegenüber dem Fiskus? Warum zeigen Berater wie PwC ihren Mandanten nicht die rote Linie auf?

Wir reden mit unseren Mandanten oft über dieses Thema. Staaten instrumentalisieren die Steuerpolitik bewusst im globalen Wettbewerb und bieten günstige Konditionen, um Unternehmen anzulocken. Und die CEOs müssen Steuern sparen, das sind sie Eigentümern und Mitarbeitern schuldig. Steuerliche Gestaltung muss legal sein, aber sie sollte auch die Wirkung auf das Unternehmens-Image in Betracht ziehen.

Berät PwC auch die Steuerfuchser Google und Amazon?

Das möchte ich so direkt nicht kommentieren, aber ich würde mich wundern, wenn dem nicht so wäre. Schließlich ist PwC ein globales Netzwerk.

In der Tat. Mitgliedsfirmen und Büros von PwC sitzen sogar in Steueroasen wie den karibischen Cayman Islands, den britischen Kanalinseln oder Malta im Mittelmeer? Was tun die da?

PwC ist überall dort, wo Unternehmen sind. In unseren Netzwerkgesellschaften arbeiten mehr als 195 000 Experten in 157 Ländern auf der ganzen Welt.

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