Stiftungsunternehmen: Die Denkfabrik von Bertelsmann

Stiftungsunternehmen: Die Denkfabrik von Bertelsmann

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Bertelsmann zählt zu den größten Medienkonzernen der Welt - Und übt sogar Einfluss auf die Politik aus.

von Peter Steinkirchner

Die Stiftung Bertelsmann hält drei Viertel der Anteile an Europas größtem Medienkonzern. Sie gilt als eine der einflussreichsten Denkfabriken der Republik.

Die rote Laterne hatten sie selber mitgebracht. Landrat Friedel Heuwinkel trug sie in der rechten Hand, als er den Sitzungssaal des Detmolder Kreistags betrat. Grund für die Schlussbeleuchtung: Die Bertelsmann Stiftung hatte in ihrem vergangenen November veröffentlichten „Lernatlas“ die Ausbildungssituation in deutschen Städten und Kreisen miteinander verglichen. Und Heuwinkels Heimatkreis Lippe war unsanft auf Rang 144, dem letzten Platz, gelandet. Die Studie arbeite mit veralteten Zahlen, versuchte der Landrat den Eindruck zu relativieren, dass in seiner Region die Jugendlichen am schlechtesten lernten.

Gut vernetzt

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Messen, vergleichen, Ranglisten erstellen: Wenn die gemeinnützige Bertelsmann Stiftung eine Studie veröffentlicht, egal, ob über Lehrer, Behörden, Zahnärzte oder Staaten, stets ist ihr die Aufmerksamkeit gewiss. Mehr als 300 Mitarbeiter sowie enge Verbindungen zu Instituten wie dem Gütersloher Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) oder dem Münchner Centrum für angewandte Politikforschung (CAP) sorgen dafür, dass die Veröffentlichungen der Gütersloher Denkfabrik unter die Leute kommen. In Politik und Wirtschaft gut vernetzt, versteht es die Einrichtung so gut wie kaum einer ihrer Wettbewerber, sich in gesellschaftliche Entscheidungen einzumischen. Ihre Themenfelder reichen von Sozialpolitik der Kommunen über die Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik bis zur Außenpolitik. „Die Bertelsmann Stiftung ist in der breiten Öffentlichkeit etwas weniger bekannt als die Stiftung Warentest“, sagt Hans Fleisch vom Bundesverband Deutscher Stiftungen, „dafür kennt man sie als Thinktank in der Informationselite und vor allem in der Politik.“

Zahlen und Organisation der Bertelsmann-Stiftung im Überblick (zum Vergrößern bitte Bild anklicken).

Zahlen und Organisation der Bertelsmann-Stiftung im Überblick (zum Vergrößern bitte Bild anklicken).

Feudale Repräsentanz

Die Omnipräsenz ist manchem Beglückten sogar unheimlich. „Die Stiftung übt erheblichen Einfluss auf die Politik aus“, sagte die frühere Vizepräsidentin des Bundestages, die Grünen-Politikerin Antje Vollmer, „das ist nicht illegal, aber die Politik sollte sich dessen bewusst sein.“ Wohl wissend um die Brisanz seines Einflusses, wiegelte Stiftungsvorstandschef Gunter Thielen ab: „Wir sind keine heimliche Regierung“, sagte er dem „Handelsblatt“. „Das ist zu viel der Ehre.“

Finanziert wird die Stiftung in erster Linie von Europas größtem Medienkonzern, der Bertelsmann AG in Gütersloh, an deren Vorstandsspitze bis zu seinem 60. Geburtstag 1981 Reinhard Mohn stand.

Der im Oktober 2009 Verstorbene hatte Bertelsmann nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem Weltunternehmen geformt. Gut 51 Millionen Euro flossen etwa 2010 aus dem AG-Gewinn an die Stiftung. Diese ist mit mehr als drei Vierteln der Anteile größter Eigentümer des Medienkonzerns. Zu Bertelsmann gehören der in Luxemburg ansässige hochprofitable TV- und Radiokonzern RTL Group, mit Random House die größte Buchverlagsgruppe der Welt, der Logistikdienstleister und Callcenter-Betreiber Arvato sowie das Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr („Stern“, „Geo“).

Bertelsmann, Ende der Achtzigerjahre zeitweise der größte Medienkonzern der Welt, rangiert heute auf Rang sieben im Ranking der Riesen. 2011 lag der Konzernumsatz bei 15,3 Milliarden Euro. Der operative Gewinn vor Steuern betrug 1,7 Milliarden Euro. Wie viel die Sparten je dazu beitrugen, verkündet Vorstandschef Thomas Rabe Ende März in Bertelsmanns feudaler Repräsentanz in Berlin. Angesichts der Konzerngewinne bemängeln Kritiker wie der Hamburger Notar und Stiftungsexperte Peter Rawert seit Jahren, die Ausschüttung der AG an die Stiftung stehe in keinem realistischen Verhältnis zu deren Anteilsbesitz. Ein Vorwurf, den die Stiftung zurückweist: „Die Ausschüttungen der Bertelsmann AG orientieren sich an dem jeweiligen Geschäftsverlauf und gerade nicht an dem Verkehrswert der Beteiligung oder an einem festen Zinssatz wie etwa bei der Anlage von Festgeld“, sagt dagegen Stiftungsvorstand Thielen, der von 2002 bis 2007 an der AG-Spitze stand und heute sein Büro gegenüber der Zentrale in Gütersloh hat – getrennt durch einen Teich, auf dem Gänse und Schwäne in aller Ruhe ihre Runden drehen.

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