Stollen im Ruhrgebiet: Das Dilemma mit dem Essener Bahnhof

KommentarStollen im Ruhrgebiet: Das Dilemma mit dem Essener Bahnhof

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Wegen eines Bergbauschadens unter den Gleisen kommt es zu Behinderungen auf den Zugstrecken im Raum Essen.

von Andreas Wildhagen

Das Ruhrgebiet wird von seiner Vergangenheit eingeholt: Unter den Gleisen von Essen befinden sich verlassene Stollen. Dennoch profitieren Reisende vom Vorteil des vernetzten Ballungsraums. Doch Essener leben gefährlich.

Über ein Jahrhundert blieben sie im wahrsten Sinn des Wortes im Dunklen: Die verlassenen Gänge von uralten Bergwerken, 20 Meter unter dem Ruhrgebiet. Zum Beispiel auch unter dem Gleisbett der Bahnstrecke kurz vor dem Essener Hauptbahnhof. Einen verlassenen Stollen nennen Bergleute „Toter Mann“. Mehrere solcher toter Männer fand nun ein Bohr-Team auf einer Baustelle ganz in der Nähe des Gleiskörpers. Bis mindestens 31. Dezember sollen die Züge an Essen und Bochum vorbei geleitet werden, da bis dahin die Hohlräume mit Beton gefüllt werden müssen. Noch herrscht akute Einsturzgefahr.

Die größte Stadt des Ruhrgebiets bleibt damit abgeschnitten vom Regional- und Fernbahnnetz, zumindest unmittelbar. Das ist kein Pappenstiel: Essen ist eine Stadt, so groß wie Frankfurt am Main. In der gefühlten Hauptstadt des Ruhrgebiets residieren Dax-Konzerne wie ThyssenKrupp und RWE, aber auch der Spezialchemiehersteller Evonik. Auch Karstadt hat in Essen seine Konzernzentrale. Diese Unternehmen sind nun schwerer zu erreichen, da Essen auch nicht über einen eigenen Airport von nennenswerter Größe verfügt. Die nächste Abflugmöglichkeit für Fernreisen befindet sich in Düsseldorf, und auch die Landeshauptstadt ist ohne Bahnverkehr für Essener nun nicht mehr so problemlos zu erreichen.

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Schienengüterverkehr - Planzahlen und Kennziffern

  • Wunsch und Wirklichkeit

    Wie die Kennziffern im Schienengüterverkehr der Deutschen Bahn von den Planzahlen abweichen (in Prozent, Werte sind gerundet)

    Quelle der Werte: Deutsche Bahn

  • Verkehrsleistung

    2012

    Plan 2012: 121,1 Milliarden Tonnenkilometer

    Ist 2012: 105,9 Milliarden Tonnenkilometer (-13 Prozent gegenüber dem Plan)

    2013

    Plan Januar - April 2013: 35,7 Milliarden Tonnenkilometer

    Ist Januar - April 2013: 34,2 Milliarden Tonnenkilometer (- 4 Prozent) gegenüber dem Plan)

  • Umsatz

    2012

    Plan 2012: 5,29 Milliarden Euro

    Ist 2012: 4,93 Milliarden Euro (-7 Prozent gegenüber dem Plan)

    2013

    Plan Januar - April 2013: 1,76 Milliarden Euro

    Ist Januar - April 2013: 1,61 Milliarden Euro (-9 Prozent gegenüber dem Plan)

  • Gewinn vor Zinsen und Steuern

    Plan 2012: 161 Millionen Euro (Ebit)

    Ist 2012: 87 Millionen Euro (Ebit) (-46 Prozent gegenüber dem Plan)

    ...davon in Osteuropa:

    2012

    Plan 2012: 21 Millionen Euro (Ebit)

    Ist 2012: 8 Millionen Euro (Ebit) (-62 Prozent gegenüber dem Plan)

    2013

    Plan Januar - April 2013: 45 Millionen Euro (Ebit)

    Ist Januar - April 2013: -30 Millionen Euro (Ebit) (-166 Prozent gegenüber dem Plan)

  • Operatives Ergebnis nach Zinsen

    Plan 2012: 58 Millionen Euro

    Ist 2012: 1 Millionen Euro (-98 Prozent gegenüber dem Plan)

  • Nettoinvestitionen

    Plan 2012: 288 Millionen Euro

    Ist 2012: 371 Millionen Euro (+29 Prozent gegenüber dem Plan)

  • Mittelzufluss

    Operativer freier Cash-Flow

    Plan 2012: 200 Millionen Euro

    Ist 2012: 31 Millionen Euro (-85 Prozent gegenüber dem Plan)

  • Nettofinanzschulden

    Plan 2012: 1,04 Milliarden Euro

    Ist 2012: 1,83 Milliarden Euro (+76 Prozent gegenüber dem Plan)

Ein Desaster? Das Ruhrgebiet, viel geschmäht wegen seiner industriellen Rückständigkeit, seines im Bundesdurchschnitt vergleichsweise geringen Bildungsniveaus und schlechter Luft (letzteres entspricht einem alten Klischee und stimmt nicht mehr), ist anderen Ballungsräumen in Deutschland in einer Sache eben doch überlegen. Der Raum, in dem zehn Millionen Menschen leben, ist so dicht vernetzt, dass der Ausfall von zwei Großstadtbahnhöfen zu Ärgerlichkeiten, aber keineswegs ins Chaos führt. Das Hochwasser an der Elbe vom Sommer war für den Bahnverkehr wesentlich katastrophaler. Monatelang kam es zu Verspätungen. Berlin war von Nordwestdeutschland aus praktisch nicht mehr ungehindert erreichbar. Erst vor zwei Wochen war der ICE-Verkehr zwischen Berlin und Hannover wieder geregelt.

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