Strafzinsen für Unternehmen: Kein flächendeckendes Phänomen

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KommentarStrafzinsen für Unternehmen: Kein flächendeckendes Phänomen

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Die Skyline der Bankenstadt in Frankfurt. Einige Banken verlangen Strafzinsen für Einlagen von Unternehmen.

von Cornelius Welp

Einzelne Banken verlangen Strafzinsen für Einlagen von Unternehmen. Betroffene sollten möglichst rasch das Institut wechseln.

Banken sind Herdentiere, meistens grasen sie alle zur selben Zeit auf der gleichen Wiese. Seit ein paar Jahren umgarnen sie besonders eifrig die deutschen Unternehmen, vor allem den gehobenen Mittelstand. Sie locken ihn wahlweise mit günstigen Konditionen, mit ihrer internationalen Präsenz und stellen sich in aufwändigen Medienkampagnen als verlässliche Finanzpartner dar. Dabei ist ein nahezu ruinöser Wettbewerb entbrannt. 

Dazu passt es wenig, wenn Banken die derart Umworbenen verschrecken, indem sie von ihnen Gebühren dafür fordern, dass sie ihr Geld überhaupt annehmen. In Einzelfällen passiert das jedoch: So berichtet laut "FAZ" der Finanzvorstand der Baumarktkette Hornbach, Roland Pelka, dass Unternehmen für kurzfristige Einlagen bei einigen Instituten Strafzinsen zahlen müssten. Damit gäben die Institute die negativen Einlagenzinsen weiter, die sie selbst an die EZB zahlen müssen, wenn sie dort Geld parken. 

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Ein flächendeckendes Phänomen ist das nicht. "Die Firmenkunden der HypoVereinsbank zahlen derzeit keine negativen Zinsen auf Sichteinlagen", heißt es bei dem Institut in München. "Die Deutsche Bank plant derzeit nicht, im breiten Kundengeschäft Gebühren für Einlagen einzuführen", lautet eine Auskunft in Frankfurt.

"Selbstverständlich haben Banken und Sparkassen ein hohes Interesse an einer langfristigen, stabilen Beziehung mit ihren Firmenkunden", lassen die einzelnen Branchenverbände unter dem Dach der Deutschen Kreditwirtschaft verkünden. Um zu ergänzen, dass "insbesondere am Geldmarkt aktive Institute aufgrund der EZB-Zinspolitik objektiv unter Druck stehen." Letztlich bleiben die Konditionen jedem einzelnen Institut überlassen.

In Ausnahmefällen, so heißt es in der Branche, kommen Strafzinsen allerdings tatsächlich vor. Für die betroffenen Unternehmen ist das ein Signal, möglichst rasch die Bank zu wechseln.  Denn die Politik der EZB macht das Geschäft für Banken zwar schwierig. Letztlich demonstriert ein Institut, das die Konditionen einfach weitergibt, damit aber eindrucksvoll, dass es seine Kunden nicht versteht und sie auch nicht beraten kann, was sie mit dem Geld Sinnvolleres anfangen können. Die Konkurrenz ist groß, ein anderer Anbieter dürfte sich schnell finden.

Deshalb dürften auch Privatkunden auf absehbare Zeit kein Geld dafür zahlen müssen, dass Banken ihr Geld verwahren, ist kaum vorstellbar. Der Imageschaden für das erste Institut, das sich mit einer solchen Initiative vorwagt, wäre kaum reparabel. Massenabhebungen wären umgehend die Folge.

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Stattdessen werden Banken versuchen auf ihre Kosten zu kommen, indem sie etwa Gebühren anheben. Und sie werden Kunden verstärkt zu anderen Anlagen als dem Tagesgeldkonto raten. Solange ihm bewusst ist, dass diese immer mit einem gewissen Risiko verbunden ist, spricht nichts dagegen. Am aktuellen Zinsumfeld jedenfalls dürfte sich auf absehbare Zeit nichts ändern.

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