Streik bei der Post: Briefe und Päckchen bleiben wieder liegen

Streik bei der Post: Briefe und Päckchen bleiben wieder liegen

, aktualisiert 02. Mai 2015, 14:32 Uhr
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Briefe zur Auslieferung stapeln sich: Im Tarifkonflikt mit der Post erhöht Verdi mit Warnstreiks den Druck auf die Arbeitgeber.

Im Tarifkonflikt mit der Post erhöht Verdi mit Warnstreiks ein weiteres Mal den Druck auf den Arbeitgeber. Auch am ersten Maiwochenende bleiben viele Briefkästen leer. Nächste Woche steht die vierte Tarifrunde an.

Leere in vielen Briefkästen: Brief- und Paketzusteller der Post haben am Samstag in ganz Deutschland erneut die Arbeit niedergelegt. Die Gewerkschaft Verdi hatte rund 10.000 Beschäftigte der Deutschen Post AG zu Warnstreiks aufgerufen.

Nach Angaben des Unternehmens konnten dadurch zwei Millionen Briefe und 40.000 Pakete nicht ausgeliefert werden. Zum Vergleich: Jeden Tag transportiert das Unternehmen rund 65 Millionen Briefe und 3,5 Millionen Pakete.

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In einigen Briefzentren hätten die Arbeitsniederlegungen punktuell schon um Mitternacht begonnen, sagte eine Verdi-Sprecherin. Nach Angaben der Post beteiligten sich weniger als 3000 Mitarbeiter an dem Streik. Postkunden in ganz Deutschland seien betroffen gewesen, jedoch unterschiedlich stark, sagte ein Post-Sprecher. Einen Schwerpunkt des Streiks könne man nicht ausmachen. Zuletzt hatten die Zusteller am Donnerstag gestreikt.

Was die Post mit ihrer Strategie 2020 erreichen will

  • Bessere Umweltbilanz

    Auch der Kohlenstoffdioxid-Ausstoß soll verringert werden: Bis 2020 will die Post ihre Energie-Effizenz um 30 Prozent verbessern. Vor kurzem kaufte der Dax-Konzern zum Beispiel den deutschen Elektroauto-Entwickler Streetscooter auf.

  • Erste Wahl für Aktionäre

    Die Aktie Gelb soll weiter steigen: Post-Chef Frank Appel möchte zur ersten Wahl für Anleger werden. Zwischen 40 und 60 Prozent des Nettogewinns sollen die Aktionäre jährlich als Dividende ausgeschüttet bekommen.

  • Glückliche Kunden

    Auch die Kundenzufriedenheit soll steigen - auf über 80 Prozent. Nach Recherchen der WirtschaftsWoche beschwerten sich allerdings vor allem deutsche Großkunden zuletzt über die Briefzustellung.

  • Mehr Gewinn

    Der Gewinn ist die wichtigste Ziellinie in der Strategie 2020: Bis zum Ablauf der Frist will Appel fünf Milliarden Euro Plus machen. Dazu müsste er pro Jahr den Gewinn um acht Prozent steigern. Die Brief- und Paketsparte, die ihren Umsatz vor allem in Deutschland macht, soll drei Prozent Gewinnsteigerung pro Jahr dazu beisteuern - das Expressgeschäft, die Logistik- und Speditionssparten müssen zehn Prozent mehr im Jahr verdienen.

    Kein anderer Dax-Konzern hat so konkrete und zugleich so ehrgeizige Ziele.

  • Wachstum in Schwellenländern

    In Deutschland hat der durch den Onlinehandel ausgelöste Paketboom die Deutsche Post weit nach vorne getrieben. Jetzt will der Bonner Konzern diesen Effekt auch in den Schwellenländern mitnehmen: Bis 2020 soll sich der Marktanteil in diesen Regionen von 22 auf 30 Prozent erhöhen. Der Fokus liegt dabei auf Brasilien, Indien, China, Russland und Mexiko.

  • Zufriedene Mitarbeiter

    Auch bei den Mitarbeitern möchte die Post die erste Wahl sein. Ziel des Vorstand ist es, in den Mitarbeiterbefragung eine Zustimmungsquote von über 80 Prozent zu erlangen. Zuletzt lag die Quote bei ungefähr 70 Prozent.

Einen weiteren Stillstand der Verhandlungen werde man nicht hinnehmen, erklärte die stellvertretende Verdi-Bundesvorsitzende Andrea Koscis. Die Gewerkschaft fordert für die 140.000 Tarifkräfte des Unternehmens eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von 38,5 auf 36 Stunden bei vollem Lohnausgleich.

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Hintergrund des Streits ist die Gründung von 49 regionalen Gesellschaften in der Paketzustellung. Damit würde die Post gegen tarifliche Vereinbarungen über ein Verbot der Fremdvergabe an interne oder externe Unternehmen verstoßen. Als Ausgleich verlangt Verdi deshalb kürzere Arbeitszeiten. In den neuen Gesellschaften arbeiten nach Angaben der Post 6000 Zusteller - allerdings zu geringeren Löhnen als ihre Kollegen.

Die Post verwies auf den Kostendruck durch Wettbewerber. „Die Post hat doppelt so hohe Personalkosten wie der Wettbewerb“, sagte der Post-Sprecher. „Das kann niemand auf Dauer durchhalten.“ Die Forderung der Gewerkschaft entspreche hingegen einer Lohnerhöhung von rund sieben Prozent. Die vierte Verhandlungsrunde ist für den 8. und 9. Mai in Berlin angesetzt.

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