Streik bei Germanwings: Piloten setzen ihren Streik fort

Streik bei Germanwings: Piloten setzen ihren Streik fort

Bei der Fluggesellschaft Germanwings haben die Piloten am Freitagmorgen ihren Streik fortgesetzt. Bis zum Abend sollten bundesweit rund 180 Flüge ausfallen.

Schon gestern blieben 338 Flieger der Lufthansa-Tochter Germanwings am Boden. Und auch am Freitagmorgen streiken die Piloten weiter. Bis zum Abend sollten bundesweit rund 180 Flüge ausfallen. Der zweitägige Ausstand endet um Mitternacht. „Dann geben wir der Lufthansa Zeit, sich vielleicht mit einem Angebot bei uns zu melden, das dann endlich einmal verhandlungsfähig sein sollte“, sagte ein Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit. Die meisten Passagiere sollen nach Angaben der Lufthansa-Tochter mit Umbuchungen auf die Bahn und andere Airlines ihre Ziele erreichen. Insgesamt hatte Germanwings für Donnerstag und Freitag vorsorglich knapp 340 von rund 900 geplanten Flügen abgesagt.

Welche Rechte Fluggäste bei Streik haben

  • Hinweise der Verbraucherschützer

    Die Verbraucherzentrale NRW erklärt, welche Rechte betroffene Fluggäste haben.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (1)

    Die Airline muss laut EU-Verordnung einen Ersatzflug zum nächstmöglichen Zeitpunkt anbieten. Alternativ können Fluggäste bei Annullierung des Flugs vom Luftbeförderungsvertrag zurücktreten und sich den Flugpreis erstatten lassen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (2)

    Bei Ausgleichszahlungen ist die Lage strittig. Nach bislang überwiegender Ansicht gelten Streiks als "außergewöhnliche Umstände", und dann braucht die Fluggesellschaft nicht zu zahlen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (3)

    Findet der Flug verspätet statt, sichert die europäische Fluggastrechte-Verordnung folgende Rechte zu: Anspruch auf kostenlose Betreuung besteht ab zwei Stunden Verzögerung bei Kurzstrecken (bis 1500 km), ab drei Stunden bei Mittelstrecken (bis 3500 km) und ab vier Stunden bei Langstrecken. Die Airline muss dann für Mahlzeiten, Erfrischungen, zwei Telefongespräche, Telexe, Faxe oder E-Mails sowie eventuell notwendige Hotelübernachtungen (falls sich der Flug um einen Tag verschiebt) samt Transfer sorgen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (4)

    Wollen die Fluggäste die Reise bei einer mehr als fünfstündigen Verspätung nicht mehr antreten, können sie ihr Geld zurückverlangen.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (1)

    Der Reiseveranstalter ist der erste Ansprechpartner, wenn der ausfallende Flug Teil einer Pauschalreise ist. Auch der Veranstalter hat die Pflicht, schnellstmöglich für eine Ersatzbeförderung zu sorgen.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (2)

    Erst, wenn der Flieger mehr als vier Stunden verspätet ist, kann je nach Flugstrecke ein Reisemangel vorliegen. Dann können für jede weitere Verspätungsstunde fünf Prozent des Tagesreisepreises vom Veranstalter zurückverlangt werden.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (3)

    Wenn durch den Streik Reiseleistungen ausgefallen sind, haben Urlauber die Möglichkeit, nach ihrer Rückkehr den Preis der Reise zu mindern.

Die Vereinigung Cockpit hatte im vergangenen Jahr bei den Gesellschaften Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings bereits zu elf Streiks aufgerufen, nur einmal sagte sie den Arbeitskampf kurzfristig ab. Vordergründiger Streikanlass ist die umstrittene Übergangsversorgung der Piloten bis zur gesetzlichen Rente. Es ist aber ein Vielzahl weiterer Tarifthemen ungelöst und es gibt einen heftigen Streit über den künftigen Kurs des Dax-Konzerns.

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Lufthansa hatte den Schaden durch die bisherigen Streiks auf rund 200 Millionen Euro beziffert. Rund 7400 Flüge fielen bislang aus, 850.000 Passagiere waren betroffen. Auch bei der jüngsten Streikwelle ist laut Germanwings wieder ein Schaden in zweistelliger Millionenhöhe entstanden. Am Donnerstag waren sämtliche große Germanwings-Standorte betroffen - das sind die Flughäfen Berlin, Köln/Bonn, Düsseldorf, Hannover, Hamburg und Stuttgart. An den Schaltern sei es aber sehr ruhig geblieben, weil die Kunden schon im Vorfeld gut informiert worden seien, hieß es.

Aufforderung zur Streikschlichtung

Germanwings-Chef Thomas Winkelmann forderte die Gewerkschaft auf, der Schlichtung zur Frage der Übergangsrenten zuzustimmen. „Wir haben keinerlei Verständnis für den neuerlichen Streik, gerade angesichts der aktuellen schwierigen wirtschaftlichen Situation. Niemand versteht, warum ein junger Copilot jetzt das Recht beansprucht, arbeitgeberfinanziert in etwa 30 Jahren zu unverhältnismäßig hohen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den Vorruhestand gehen zu können“, erklärte Winkelmann.

Die Gewerkschaft zeigte sich mit dem aktuellen Streikverlauf zufrieden. Es habe eine gute Beteiligung der Kollegen gegeben, sagte Cockpit-Sprecher Markus Wahl in Frankfurt. Dass Germanwings einen großen Teil des Flugplans aufrechterhalten könne, liege an den nichtbestreikten Flügen der Lufthansa-Tochter Eurowings und den zugecharterten Maschinen.

Kritik an den Piloten kam von Verdi, der größten Gewerkschaft im Lufthansa-Konzern. Mit Blick auf die Forderungen der Piloten sagte Verdi-Chef Frank Bsirske dem SWR, die „verteidigen im Grunde da eine richtig luxuriöse Alterssicherungsregelung in einer Situation, wo der Konzern wirklich schwierig eingeklemmt ist zwischen Billigfliegern wie Ryanair und Easyjet auf der einen und den Golf-Fliegern wie Emirates auf der anderen Seite.“

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Von dem Streik waren sämtliche große Germanwings-Standorte in Deutschland betroffen, nämlich Berlin, Köln/Bonn, Düsseldorf, Hannover, Hamburg und Stuttgart. Von hier aus fielen am Donnerstag knapp 160 Flüge zu innerdeutschen und europäischen Zielen aus. Der Restflugplan sei sauber abgeflogen worden, so das Unternehmen.

An den Schaltern sei es sehr ruhig geblieben, weil die Kunden schon im Vorfeld gut informiert worden seien, berichteten Unternehmen und Flughäfen übereinstimmend. In Frankfurt und München hatte der Streik keine Auswirkungen, weil Germanwings diese Drehkreuze der Lufthansa planmäßig kaum anfliegt.

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