Streik bei Germanwings: Was die Lufthansa nun tun muss

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KommentarStreik bei Germanwings: Was die Lufthansa nun tun muss

, aktualisiert 28. August 2014, 13:45 Uhr
von Rüdiger Kiani-Kreß

Der Pilotenstreik bei der Lufthansa-Tochter Germanwings ist überzogen, aber unvermeidlich. Am Ende muss die Fluglinie ihren wichtigsten Angestellten nicht mehr nur bezahlen. Konzernchef Carsten Spohr muss ihnen auch den Ernst der Lage vermitteln.

Wer diese Woche mit Flugexperten, Airlinern und Arbeitsrechtlern über drohende Streiks der rund 5400 Lufthansa-Piloten geredet hat, bekam einen bunte Strauß von Erklärungen von der Besitzstandswahrung über fehlende Zusammenarbeit im Konzern bis zum tumben "Piloten seien halt so". Dabei ist die Sache am Ende für manchen Insider noch viel einfacher: "Die Piloten streiken, weil sie es können", so ein Kenner der Pilotenpsyche. "Und weil sie halt keinen Grund sehen, es sein zu lassen."

Der erste Grund ist leicht einsehbar. Die wegen ihrer vier Ringe auf dem Uniformärmel intern "Streifenhörnchen" genannten Elitearbeitnehmer haben mit der VC abgekürzten Vereinigung Cockpit nicht nur eine eigene Gewerkschaft. Sie sind auch kaum zu ersetzen. Das liegt nicht nur an ihrer anspruchsvollen Ausbildung. Ihnen gönnen Fluglinien ein schwer vermittelbares Privileg namens Seniorität, das ein wenig an das mittelalterliche Zunftwesen erinnert.

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Danach müssen selbst Neulinge, die anderswo bereits einen Jumbojet pilotiert haben, im Gehaltsgefüge ganz unten als Co-Pilot in Minimaschinen anfangen und dürfen erst dann auf den linken Pilotensessel oder größere Maschinen wechseln, wenn genug ältere Kollegen ausgeschieden sind.

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Germanwings plant Streik. Quelle: dpa

Das hat offiziell mit der Sicherheit und Erfahrung zu tun. Doch es ist nicht bekannt, dass Airlines ohne Seniorität wie die Golflinien weniger sicher wären. Doch es sorgt dafür, dass die am längsten dienenden Piloten ihren Job nicht gefährden, weil sie den selbst bei einem Schrumpfkurs behalten, wogegen als erstes die Neulinge gehen müssen.

An dem System kann Lufthansa nichts ändern. An der Einsicht ihrer Piloten wohl schon. Zumal auch die Fluglinien an der Sturheit ihrer Streifenhörnchen Schuld sind. Es ist Teil der Ausbildung, dass sich Flugzeugführer im Alltag kompromisslos um Sicherheit kümmern und bestenfalls begrenzt um Kosten und Wirtschaftlichkeit.

"Darum sind den Damen und Herren Piloten die Gewinn- und Verlustrechnungen auch in Tarifverhandlungen nicht so wichtig", sagt ein Pilot. "Die Lufthansa ist ja kein Pleitekandidat, sondern will mit Sparmaßnahmen nur eine höhere Dividende finanzieren." Da ist es für die Piloten kein Argument, dass Fluglinien sich Geld für Investitionen borgen müssen und im Gegensatz zu den goldenen Zeiten als Staatslinie Zinsen zahlen müssen.

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