Streiks bei Eurowings: Der Schachzug des Nicoley Baublies

Streiks bei Eurowings: Der Schachzug des Nicoley Baublies

, aktualisiert 26. Oktober 2016, 19:25 Uhr
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Der Tarifvorstand der Flugbegleitergewerkschaft Ufo fährt schwere Geschütze auf.

von Jens KoenenQuelle:Handelsblatt Online

Das Kabinenpersonal von Eurowings streikt am Donnerstag ganztägig. Die Ausweitung des Streiks auf Germanwings ist ein taktischer Schachzug der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo, der die gesamte Lufthansa-Tochter lähmt.

Nicoley Baublies holt die Bazooka raus: Der Tarifvorstand der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo hat am Mittwochabend überraschend den bereits für Eurowings angekündigten Streik am Donnerstag auf die Germanwings ausgeweitet. Damit erhöht Baublies den Druck auf das Management der neuen Billigplattform von Lufthansa gewaltig. Denn nun drohen massive Beeinträchtigungen bei Eurowings und das zu einer Zeit, in der in vielen Bundesländern die Herbstferien zu Ende gehen. Alleine in Düsseldorf sind für Donnerstag eigentlich 120 Flüge von Eurowings und 60 von Germanwings angesetzt.

Die Angelegenheit ist komplex: Bislang hatte in der Auseinandersetzung zwischen der Eurowings-Spitze und den Ufo-Funktionären ein offener Tarifvertrag der Eurowings GmbH im Mittelpunkt gestanden, in dem es um Entgelt und Arbeitsbedingungen geht. Hier hatte Ufo in den zurückliegenden Tagen bereits mehrfach zu Streiks aufgerufen, war aber nach neuen Angeboten seitens der Geschäftsleitung immer wieder an den Gesprächstisch zurückgekehrt. In der Nacht zu Mittwoch scheiterte aber ein erneuter Einigungsversuch. Mittwochmittag hatte Ufo deshalb Arbeitsniederlegungen bei der Eurowings GmbH für diesen Donnerstag in der Zeit von 0 Uhr bis 24 Uhr angekündigt.

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Der Haken bei der Sache: Diese Streiks dürften nur begrenzte Folgen haben. Denn zur Eurowings GmbH gehören nur 23 Flugzeuge der insgesamt gut 90 Flugzeuge des Billigablegers von Lufthansa. Zudem sind viele der Stewardessen und Stewards hier Mitglied der Gewerkschaft Verdi. Die verhandelt aktuell aber mit dem Management über einen Tarifvertrag, Streiks sind hier zunächst nicht geplant.

Eurowings und Germanwings Flugbegleiter wollen am Donnerstag streiken

Eurowings und die Kabinengewerkschaft Ufo können sich nicht einmal auf Regeln zu einer Schlichtung ihrer Tarifprobleme einigen. Nun wollen die Flugbegleiter streiken - und zwar bei der gesamten Fluglinie und Germanwings.

Bei der Lufthansa-Billigtochter Eurowings in Deutschland soll am Donnerstag von 00:00 bis 24:00 Uhr gestreikt werden. Quelle: dpa

Mit der Ausweitung auf Germanwings erreicht Baublies nun aber eine Lähmung der gesamten Eurowings. Denn 58 der Flugzeuge von Eurowings werden von Germanwings geflogen. Eurowings mietet Flugzeug und Crews, in Fachkreisen Wet Lease genannt. Zwar soll Germanwings mittelfristig ganz in Eurowings aufgehen. Doch aktuell hat das Kabinenpersonal der Germanwings gültige Tarifverträge für alle wichtigen Bereiche – bis auf eine Ausnahme.

Und genau die nutzt Ufo nun. Es ist ein offener Tarifvertrag, der die Möglichkeiten der Teilzeitarbeit regelt. Wohl bewusst hat Tarifvorstand Baublies die Gespräche über diesen Tarifvertrag erst recht spät am Mittwochnachmittag für gescheitert erklärt und auch bei Germanwings zu Streiks aufgerufen. So hat die Geschäftsleitung nur begrenzte Möglichkeiten gegenzusteuern, etwa mit dem Anheuern von Gerät und Mannschaft anderer Airlines. Zudem dürfte Ufo beim Germanwings-Personal deutlich mehr Mitglieder haben als bei der Eurowings GmbH.

Da Ufo für Forderungen eines offenen Tarifvertrags zu Arbeitsniederlegungen aufruft, dürfte der Streik rechtlich in diesem Punkt kaum angreifbar sein. Ein weiteres Kriterium für eine rechtliche Prüfung ist die Verhältnismäßigkeit des Streiks. Für Teilzeitregelungen weite Teile eines Flugbetriebs zu lähmen, erscheint zwar als durchaus maßlos. Allerdings haben die Arbeitsgerichte in der Vergangenheit nur äußerst selten Arbeitsniederlegungen wegen Unverhältnismäßigkeit gekippt. Ob das Eurowings-Management rechtlich gegen den Germanwings-Streik vorgehen wird, war bis zum Abend nicht bekannt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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