Stresstest für Unternehmen: Firmenchefs simulieren den Absturz

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Stresstest für Unternehmen: Firmenchefs simulieren den Absturz

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von Florian Zerfaß

Nach der Finanzkrise 2008/09 versuchen nun auch Unternehmen außerhalb der Geldbranche, einen möglichen Absturz durchzuspielen – auch wenn ihre Zahlen gut aussehen.

Sie sind in Banken und Versicherungen bestens bekannt, aber nicht sonderlich beliebt: die Stresstester, die im Auftrag der Aufsichtsbehörden einrücken, um die Standfestigkeit der Geschäftsmodelle in schlechten Zeiten abzuklopfen. Auslöser für solch inquisitorische Besuche, zuletzt während des EU-weiten Bankenstresstests im vergangenen Jahr, war die Finanzkrise vor gut sechs Jahren, die erst das Geldgewerbe und dann die komplette Weltwirtschaft in den Abgrund zu reißen drohte.

Plan in der Schublade

Diese Erfahrung bewegt nun Firmenchefs, ihr Unternehmen auf Stressresistenz zu testen. „Wir haben unsere Lektion von 2008/09 gelernt“, sagt Michael Wolff, Chef des Spanplattenherstellers Pfleiderer im bayrischen Neumarkt. Die Oberpfälzer mussten sogar Insolvenz anmelden. „Innerhalb von nur drei Monaten ist unser Umsatz während der Finanzkrise um 30 Prozent eingebrochen“, erinnert sich Wolff.

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Daraus hat der Pfleiderer-Chef für das Unternehmen die Konsequenz gezogen. „Wenn was passiert, ist Handeln angesagt und nicht Überlegen und Diskutieren. Wir haben einen Plan parat liegen, den wir schnell aktivieren und umsetzen können“, sagt Wolff. Die Basis dafür ist eine Mittelfristplanung für die kommenden zwei bis drei Jahre. Sodann stellt sich das Management die Frage: Was passiert, wenn das Unternehmensergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 5, 10, 20, 30 oder gar 40 Prozent verfehlt wird? Für jeden Fall werden die Auswirkungen auf die Finanzkraft des Unternehmens durchgespielt und mögliche Gegenmaßnahmen beschlossen.

„Unternehmen sind heute rasanten Veränderungen ausgesetzt, die dramatische Auswirkungen auf ihr Geschäftsmodell haben können“, sagt Horst Wildemann, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Technischen Universität München. „Stresstests sind ein Managementtool, um Firmen zukunftsfähig und zukunftsrobust zu machen.“

„Stresstest für Geschäftsmodelle“ ist denn auch das zentrale Thema des 22. Münchner Management Kolloquiums Mitte März (siehe Kasten). Denn nicht nur die Finanzkrise hat sich ins kollektive Gedächtnis der Manager eingebrannt. Auch der Absturz des einstigen Handy-Weltmarktführers Nokia durch das iPhone von Apple und die nachfolgenden Smartphones sind in den Chefetagen als Warnung angekommen, sich über mögliche Bedrohungen frühzeitig im Klaren zu werden und über Abhilfe nachzudenken. „Man bereitet sich vor, um im Krisenfall Zeit zu gewinnen“, sagt Wildemann.

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Gefährliche weiche Faktoren

Pfleiderer-Chef Wolff etwa verlangt von seinen Bereichsleitern, für jede der fünf Stufen beim Ebitda-Einbruchsszenario Pläne vorzulegen, wie sie darauf jeweils reagieren würden. Dazu zählt, bestimmte Ausgaben zu kürzen, Investitionen aufzuschieben, die Arbeitszeit zu flexibilisieren oder Kurzarbeit einzuführen. Im nächsten Schritt wird dann getestet, ob die Maßnahmen wohl wirken und ausreichen: Ist die Liquidität des Unternehmens durch die Gegenmaßnahmen gesichert?

„Einen großen Dampfer mitten in einer Krise in kürzester Zeit umzusteuern ist eine fast unmögliche Kraftanstrengung“, sagt Pfleiderer-Chef Wolff. Die Stresstests, die er nach seinem Amtsantritt 2013 initiiert hat, werden nun jedes Jahr durchgeführt. „Die Auseinandersetzung mit Negativszenarien hält uns vorbereitet und im Denken flexibel. Das ist ein Muss und gehört für mich zu guter Unternehmensplanung dazu.“

Einen ganz anderen Ansatz verfolgt Zeppelin. Der Münchner Baumaschinenhändler, Motoren- und Anlagenbauer legt besonderen Wert auf sogenannte weiche betriebswirtschaftliche Faktoren und will mit seinem Stresstest Führungsprinzipien und Unternehmenskultur hinterfragen. „Wir haben gemerkt: Selbst wenn die Zahlen zu stimmen scheinen und die klassischen Controllingelemente alle auf Grün stehen, kann trotzdem in kürzester Zeit ein Einbruch kommen“, sagt Peter Gerstmann, Chef des Zeppelin-Konzerns.

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