Studie der Verbraucherzentralen: Vergleichsportale helfen Nutzern kaum weiter

Studie der Verbraucherzentralen: Vergleichsportale helfen Nutzern kaum weiter

, aktualisiert 25. Februar 2016, 15:26 Uhr
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Vergleichsportale wie Check24 stehen derzeit in der Kritik.

von Niklas Hoyer

Vergleichsportale sollen Nutzern helfen, für Strom, Gas, Telefon, Internet oder Flüge weniger zu bezahlen. In der Praxis ist teilweise das Gegenteil der Fall, zeigt eine neue Studie der Verbraucherzentralen.

Es erscheint logisch: Vergleichsportale im Internet nehmen Verbrauchern die lästige Arbeit des Vergleichens von Konditionen und Preisen ab. So bekommen Nutzer den günstigsten Preis. 72 Prozent der Internetnutzer setzen laut einer Umfrage von TNS Infratest auf Buchungs- und Vergleichsportale, um Preise zu vergleichen. Die bekanntesten Portale in den Bereichen Telekommunikation und Energie sind Check24 und Verivox, bei Flugreisen sind es Expedia und Check24.

Doch in der Praxis bringt der Preisvergleich im Internet wenig. Teilweise zahlen Verbraucher sogar drauf - weil die Preise der Portale höher sind als die der Anbieter selbst. Das zeigt eine neue Studie der Verbraucherzentralen im Rahmen des Projektes "Marktwächter Digitale Welt", die in München vorgestellt wurde. Das Projekt wird unterstützt vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz.

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Die besten Stromanbieter 2015 im Ranking. Quelle: Getty Images, Montage

Zwischen Juni und September des vergangenen Jahres haben die Verbraucherschützer die Preise von 27 bekannten und beliebten Buchungs- und Vergleichsportalen untereinander und mit den Anbieterpreisen verglichen. Der Vergleich umfasst die Bereiche Energie (Strom und Gas), Telekommunikation (Telefon/Internet und Mobilfunk) und Flugreisen. Insgesamt dokumentierten die Verbraucherschützer 770 einzelne Preise. Sie wollten herausfinden, ob Verbraucher dank der Portale wirklich den günstigsten Preis für ein Produkt oder eine Dienstleistung bekommen. Außerdem überprüften sie das Gerücht, dass die Nutzer bestimmter Endgeräte, also zum Beispiel von iPhone oder iPad, höhere Preise als andere angezeigt bekommen, etwa weil ihre Markenwahl auf eine höhere Zahlungsbereitschaft hindeutet.

Die Ergebnisse der Untersuchung sollten Verbraucher aufmerken lassen: "Zur Identifikation des günstigsten Preises scheinen Buchungs- und Vergleichsportale nicht geeignet", schreiben die Autoren. So brächten die Portale "bei Telekommunikationstarifen und Flügen kaum einen relevanten Nutzen für das Auffinden des günstigsten Preises". Einzig im Energiebereich könnten Nutzer einen Vorteil haben.

Anbieter der Vergleichsportale wehren sich gegen die Kritik. „In der Untersuchung ist allgemein von Portalen die Rede und es wird sehr pauschal Kritik geübt“, sagt Daniel Friedheim vom Portal Check24. Die Studie gehe aber nicht auf die positiven Ergebnisse der Portale ein und verunsichere die Verbraucher so mehr, als dass sie Orientierung und Aufklärung biete.

Die Kritik der Studie beruht unter anderem darauf, dass Nutzer sich nie sicher sein könnten, auf einem einzelnen Portal den günstigsten Preis angezeigt zu bekommen. Denn bei Telekommunikation und Flügen schwankten die Preise schon sehr stark zwischen einzelnen Portalen.

Außerdem zeigten die Ergebnisse "dass die Preise auf den Anbieterseiten günstiger sein können oder sich im Falle der Flugportale während des Buchungsprozesses erheblich ändern", sagt Tatjana Halm, Teamleiterin Marktwächter Digitale Welt in der Verbraucherzentrale Bayern. So berücksichtigten angezeigte Preise von Flugreisen auf den Vergleichsportalen oft nicht alle Service- und Zahlungsgebühren. Damit müsste der Verbraucher erst jeden einzelnen, vermeintlich günstigen Preis auf der Seite der Fluggesellschaft überprüfen - wozu braucht er dann noch die Portale?

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Besonders erschreckend war das Ergebnis im Bereich Telekommunikation. "Bei den untersuchten Tarifen zeigt sich, dass der Weg über ein Portal sogar mit höherer Wahrscheinlichkeit zu einem höheren Preis führt als zu einem günstigeren. Die Suche auf einem Buchungs- und Vergleichsportal sicherte somit bei den vorliegenden Vergleichen nicht den günstigsten Preis, sondern erhöhte die Wahrscheinlichkeit, mehr zu bezahlen", heißt es in der Studie in aller Deutlichkeit.

Beispiel: Mobilfunk. Der Tarif "Magenta Mobil M" der Deutschen Telekom wurde auf den Portalen für 35,11 Euro bis 49,95 Euro im Monat gelistet. Bei der Telekom selbst mussten Neukunden 35,95 Euro zahlen. Die mögliche Ersparnis durch die Portale war also gering - nur Nutzer die durch Glück das richtige Portal nutzten, konnten maximal 0,84 Euro im Monat sparen. Wer auf dem Portal mit dem teuersten Angebot landete, zahlte hingegen 14 Euro drauf - jeden Monat. Ähnliche Ergebnisse zeigten sich auch bei den Mobilfunk-Tarifen anderer Anbieter.

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