Stuttgart 21: Bahn-Vorstand hat Glaubwürdigkeit verspielt

KommentarStuttgart 21: Bahn-Vorstand hat Glaubwürdigkeit verspielt

von Christian Schlesiger

Die Deutsche Bahn muss eingestehen, dass der Tiefbahnhof deutlich teurer wird. Selbst wenn der Konzern einen Großteil der Kosten übernimmt: Wer kann sich sicher sein, dass die jetzigen Planungszahlen realistisch sind?

Nun also doch. Mindestens 1,1 Milliarden Euro kostet der neue Bahnhof in Stuttgart zusätzlich. Nur ein Jahr nach dem Ende des Schlichtungsverfahrens muss die Deutsche Bahn zugeben, dass der geplante Finanzierungsrahmen in Höhe von 4,5 Milliarden Euro nicht mehr zu halten ist. Das Unternehmen und der Vorstand haben ihre Glaubwürdigkeit verloren. Sie haben Aufsichtsräte, Projektgegner und Öffentlichkeit in die Irre geführt.

1. Unglaubwürdige Wirtschaftlichkeitsrechnung

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So ließ Bahnchef Rüdiger Grube gleich nach seinem Amtsantritt die Kosten für den neuen Bahnhof in Stuttgart noch einmal überprüfen. Die Summe von 4,5 Milliarden Euro galt seitdem als Höchstgrenze, quasi als Sollbruchstelle. Jeder Euro mehr würde das Kosten-Nutzen-Verhältnis kippen, hieß es damals. Grube hätte das Projekt stoppen können, doch die Bahn ging nicht von Mehrkosten aus. Nun lässt Technik-Vorstand verlauten, die Wirtschaftlichkeit des Projekts gehe zwar wegen der Kosten in Höhe von 5,6 Milliarden Euro in die Knie, bleibe aber weiterhin positiv. Es scheint, als seien frühere Argumente heute nichts mehr wert.

2. Lückenhafte Planung

Die Deutsche Bahn nannte Stuttgart 21 einmal das „bestgeplante Projekt“. Davon ist der Konzern inzwischen abgerückt – aus gutem Grund. Wer in die heutige Präsentation von Technik-Vorstand Kefer schaut, fragt sich, wie man allen Ernstes überhaupt auf die Idee kommen kann, von einem gut geplanten Projekt zu sprechen. In der Kostenkalkulation von 2009 gab es „nicht untersuchte Leitungen“, „nicht budgetierte Planungskosten“, „nicht komplett geplante Bauzustände“ und „abweichende Annahmen in technischer Ausführung“, um nur einige Posten zu nennen, die jetzt zu den Mehrkosten in Höhe von 1,1 Milliarden Euro führen. Das Projekt schien also in Teilen überhaupt nicht geplant worden zu sein.

3. Geschönte Kommunikation

Im März dieses Jahres ließ Kefer per Pressemitteilung verlauten: S21 liege im „prognostizierten Kostenrahmen“. Insgesamt seien rund 50 Prozent des gesamten Bauvolumens und 90 Prozent der Tunnelbauwerke für Stuttgart 21 vergeben. „Die Kostensituation für das Projekt hat sich weiter stabilisiert", so Kefer. Mit solchen Worten  hat der Bahn-Vorstand die tatsächliche Situation vernebelt. Mag sein, dass die Kostenexplosion zu dem Zeitpunkt nicht exakt absehbar war, doch selbst die Staatssekretäre im Verkehrs-, Wirtschafts- und Finanzministerium zeigen sich über die irreführende Kommunikation der Bahn empört, wie das Handelsblatt in der heutigen Ausgabe berichtet. Selbst im Juni war offiziell noch alles im Plan.

Die Bahn macht das einzig Richtige

Die Deutsche Bahn dürfte damit nicht nur die Gegner, sondern auch viele Freunde von S21 gegen sich aufbringen. Die Ankündigungen der Vergangenheit entpuppen sich als falsch, Stuttgart 21 wird teurer als geplant. Wer kann sich eigentlich sicher sein, dass die jetzigen Planungszahlen annähernd realistisch sind?

Die Deutsche Bahn macht jetzt das einzig Richtige, indem sie die Zusatzkosten auf die eigene Kappe nimmt. Der Vorstand schlägt dem Aufsichtsrat vor, die Kosten in Höhe von 1,1 Milliarden Euro zu übernehmen, zur „Befriedung des Projektes“ und um „das Projekt uneingeschränkt“ fortzuführen. Es bleiben aber noch Risiken, die sich „auf mehrere Hundert Millionen Euro summieren“ können, heißt es offiziell. Die Landesregierung in Baden-Württemberg und der Bund lehnen die Übernahme weiterer Kosten ab. Es scheint, als müsse die Bahn auch dann noch mal tief in die Tasche greifen. Es würde ihre Glaubwürdigkeit erhöhen.

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