Syrien-Exkursion: Werden, Sein, Vergehen

Syrien-Exkursion: Werden, Sein, Vergehen

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Unternehmer Würth auf der Grabungsstätte von Qatna

Der Unternehmer und Kunstsammler Reinhold Würth in der alten syrischen Königsstadt Qatna – eine archäologische Exkursion.

Wie der Jüngere den Älteren stützt und den steilen Korridor hinunterführt zu einer schmalen Öffnung, die den Blick freigibt in einen Felsschacht, könnte man beide fast für Vater und Sohn halten: Peter Pfälzner, den 49-jährigen Tübinger Archäologen, der hier, in Qatna, Ende November 2002 auf eine ungeplünderte Königsgruft stieß, und Reinhold Würth, den 75-jährigen Unternehmenspatriarchen und "Schraubenkönig" aus Künzelsau, Chef des Weltmarktführers in der Befestigungs- und Montagetechnik, südwestdeutscher Wirtschaftswundermann, Kunstsammler, Mäzen und Sponsor der schönen Dinge des Lebens.

"Wahnsinn", entfährt es dem sonst eher nüchtern gestimmten Unternehmer, als er hinunterblickt zum Portal der Königsgruft, "was für ein Glück."

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Würth weiß, was die Gruft für Pfälzner bedeutet: Sie ist ein Volltreffer für den Archäologen.

Vom 17. Oktober 2009 an zeigt das Landesmuseum Württemberg in Stuttgart unter dem Titel "Schätze des Alten Syrien – Die Entdeckung des Königreichs Qatna" mehr als 400 Exponate der ehemals blühenden bronzezeitlichen Handelsmetropole. Es wird die größte Schau syrischer Altertümer außerhalb Syriens sein.

Dann wird der Unternehmer den Forscher stützen, mit Plakaten und Katalogen, auf denen das Logo der Würth-Gruppe neben dem Landeswappen von Baden-Württemberg prangt.

Warum Reinhold Würth nicht aufhört, Kunst zu sammeln und zu fördern?

Der Unternehmer selber wiederum erkennt den Wert für sein Unternehmen.

"Die Kataloge stehen 100 Jahre in den Regalen", sagt Reinhold Würth, "eine ziemlich langfristige PR." Würth ist der sogenannte Premiumsponsor der Ausstellung – trotz globaler Rezession.

Die Krise hat auch das Erfolgsunternehmen erwischt. 1954 übernahm der 19-jährige Reinhold Würth die Firma nach dem Tod des Vaters. Seitdem wuchs sie im Schnitt um 24 Prozent. Nun ist im ersten Halbjahr der Umsatz um 16 Prozent gesunken. Zum ersten Mal seit 15 Jahren fällt dieses Jahr in Künzelsau das Open-Air-Konzert aus, und in den 14Museen und Kunstkabinetten der Würth-Gruppe wird die Dauer der laufenden Ausstellungen bis zu zwei Monaten verlängert, und die Öffnungszeiten werden gekürzt. "Optimierung der Kostenblöcke" heißt die Devise in Künzelsau und anderswo, ob bei der Deutschen Bank, bei E.On oder VW.

Das Sponsoring für die Stuttgarter Ausstellung bleibt davon unberührt. Reinhold Würth ist Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung des Landesmuseums, die um Mitglieder und Sponsoren wirbt.

Das ist noch schwieriger in Krisenzeiten, weil die Marketingabteilungen der Unternehmen wählerischer werden. Warum Reinhold Würth nicht aufhört, Kunst zu sammeln und zu fördern? Weil er Artikel 14 des Grundgesetzes ernst nehme, sagt er, in dem von der Sozialpflichtigkeit des Eigentums die Rede ist. Weil er die Kunst liebe und die Freude, die man durch Kunst gibt, nach dem Sprichwort, das er gern zitiert, "ins eigene Herz zurückkehrt".

Würth sieht sich keineswegs als selbstlosen Mäzen

Die Verurteilung wegen Steuerhinterziehung im vergangenen Jahr hat bei Würth, wie er sagt, keine Rachegelüste hinterlassen.

Er vertrete schlicht seine Interessen, vor allem die der 60.000 Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze er über seine Zeit hinaus sichern möchte. Würth sieht sich keineswegs als selbstlosen Mäzen, er hat mit seinen Museen und Sponsoringaktivitäten immer auch seine Firma im Visier. Dass er die Stuttgarter Ausstellung zum Anlass nimmt, selber nach Syrien zu fliegen, wie fast immer in solchen Fällen am Steuer des firmeneigenen Jets, zeigt nicht nur, dass er sich als Hauptsponsor persönlich ein Bild machen möchte von den Ausgrabungen in Qatna. Nebenbei will er einen Eindruck gewinnen vom Land Syrien, wo es, anders als in Israel oder Dubai, noch keine Würth-Niederlassung gibt.

Im Passagierraum sitzen seine Frau Carmen, die Tochter Marion, die Direktorin des Landesmuseums Württemberg Cornelia Ewigleben und Bernd Engler, Rektor der Uni Tübingen. Nach vier Stunden der Anflug auf Damaskus, ein kurzes Rütteln der Maschine, dann eine butterweiche Landung, Begrüßungstrunk in der Lounge zu Häupten des Staatschefs Assad, Gepäckkontrolle, Shuttle Richtung Innenstadt und Führung durch den Suk von Damaskus – im Gravitationszentrum der Gruppe: Reinhold Würth, der Mann mit dem Panama und der Kamera im Anschlag.

Zehntausende Fotos lagern mittlerweile in seinem Archiv. Seine Lieblingsmotive in der Altstadt von Damaskus: das Gewimmel des Suks, die Karawansereien, die prachtvolle Omayadenmoschee, deren Innenhof ihn mit seinen Türmen, Bogengängen und vergoldeten Wand- und Deckenmosaiken an den Markusplatz in Venedig erinnert, und natürlich die Menschen: schwarz gewandete schiitische Pilgerinnen, die das Grab des Prophetenenkels Hussein besuchen, Kinder, die auf den Stufen der Brunnenhäuser spielen, und immer wieder seine Frau Carmen.

Er sei "ein neugieriger Mensch", sagt Würth, habe sich "immer für sein Umfeld" interessiert. Doch darin steckt mehr: Erfahrungshunger, Liebe zur Welt, die gesehen, gehört, gerochen und geschmeckt werden will. Würth kostet vom Damaszener Eis mit Pistazien. Er ist der Einzige in der Gruppe, der sich das traut. Zwei Tage später kriecht er in der Ruinenstadt Palmyra rücklings unter den Torso eines herabgestürzten Architravs, um den Reliefschmuck mit der Kamera festzuhalten. Und am Assad-Staudamm kann ihn nur der Hinweis, dass es sich um militärisches Sperrgebiet handelt, davon abbringen, ein Bad zu nehmen.

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