Syrienexkursion mit Reinhold Würth : Der Blick des Archäologen

Syrienexkursion mit Reinhold Würth : Der Blick des Archäologen

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Der Unternehmer Reinhold Würth bei der Besichtigung der Ausgrabungen

Der schwäbische Kunstsammler, Kultursponsor und Schraubenfabrikant Reinhold Würth ist in Syrien unterwegs. Dort will er sich ein Bild von Ausgrabungen machen, deren bisherige Entdeckungen im Herbst in Stuttgart gezeigt werden. WirtschaftsWoche-Reporter Christopher Schwarz hat den Unternehmer begleitet. Am dritten Tag entdeckt er, was den Blick eines Archäologen ausmacht.

Aleppo, 22. Juli, früher Morgen. Der Blick des Archäologen ist anders. Wo der Laie nur Schutt, Steine und Scherben beobachtet, sieht der Archäologe zum Beispiel Strukturen eines Türsturzes aus Feuchtholz, Spuren von Mauerwerk mit Verputz, von Tongefäßen, die einem Tierkult gewidmet sein könnten oder Rückschlüsse geben auf das Ernährungsverhalten. Er sieht Schächte, die verhindern sollen, dass sich Feuchtigkeit in den Mauern ausbreitet, Raumfolgen, die einem ungeklärten, aber scheinbar durchgehenden architektonischen Plan folgen, Fußböden, deren Balkenkonstruktion, auf tiefer liegende Stockwerke verweist.

Der Blick des Archäologen hat das Ganze der Grabstelle im Auge und die Details. Er erfasst die Gesamtkonzeption einer Anlage und ist doch immer darauf gefasst, dass es Funde gibt, die seine Vermutungen korrigieren. Vor allem: Er führt die Spezialisten zusammen, Bauhistoriker, Biologen und Anthropologen.

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Rätselhafte Elefantenknochen

Mehr als 50 Mitarbeiter – Wissenschaftler, Studenten und Bauarbeiter – sind im syrischen Qatna im Einsatz, bei Temperaturen zwischen 35 und 45 Grad. Rund zehn Wochen wird in den Semesterferien gegraben. Die übrigen Monate dienen der Sichtung und Auswertung des Materials. Qatna ist für den Tübinger Archäologen Peter Pfälzner eine Lebensaufgabe geworden und wird es bleiben, womöglich bis zum Jahr 2018 – wenn die Gelder der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Zukunft weiter fließen und es auch in Zukunft Ausstellungen gibt, die dem Projekt in der Öffentlichkeit Renommee verschaffen.

Reinhold Würth, dem Hauptsponsor der Stuttgarter Ausstellung „Schätze des Alten Syrien – Die Entdeckung des Königreichs Qatna“, ist bei seinem Rundgang über die Grabungsstelle nicht entgangen, mit welcher Professionalität und Leidenschaft das von Peter Pfälzner – und seiner Frau Heike Dohmann-Pfälzner – geleitete Forschungsteam in Qatna bei der Sache ist. Am Nachmittag gibt Würth einem deutschen Fernsehsender, der an einem Film zur Ausstellung arbeitet, noch ein Interview. Danach steht eine kurze Besichtigung des Grabungshauses in Mishrife an, wo das Forschungsteam einquartiert ist und die Funde gelagert sind, auch die rätselhaften Elefantenknochen, auf die – zur Zeit der französischen Besetzung Syriens – schon der französische Forscher Robert Comte DuMesnil du Boisson in den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts gestoßen war, ohne sie zu erkennen.

Pfälzner öffnet zwei Holzkisten, in denen je ein Hüfttorso und ein Oberarm eines Elefanten liegen. Danach sichtet Reinhold Würth – auf dem Computermonitor – einige Objekte, die zu den Stuttgarter Ausstellungsstücken gehören werden: eine „Goldene Hand“ zum Darreichen von Opfergaben, ein goldenes Entenpaar mit gezacktem Schnabelrand, wahrscheinlich, wie Peter Pfälzner vermutet, der „Griff eines Schminkgefäßes“, eine Rosette aus Carniol und Lapislazuli, vielleicht eine Spange, und ein Löwenkopf aus Bernstein, der aus dem Baltikum über die Handelswege der Adria und Ägäis nach Syrien gekommen ist.

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