Syrienexkursion mit Reinhold Würth: "Dolch – Geschenk für Schwiegermutter!"

Syrienexkursion mit Reinhold Würth: "Dolch – Geschenk für Schwiegermutter!"

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WirtschaftsWoche-Reporter Christopher Schwarz hat mit dem Unternehmer Reinhold Würth die Ausgrabungen von Qatna besichtigt

Der schwäbische Kunstsammler, Kultursponsor und Schraubenfabrikant Reinhold Würth ist in Syrien unterwegs. Dort macht er sich ein Bild von Ausgrabungen, deren bisherige Entdeckungen im Herbst in Stuttgart gezeigt werden. WirtschaftsWoche-Reporter Christopher Schwarz hat den Unternehmer begleitet. Am letzten Tag erfährt er, warum Schwiegermütter auch in Syrien nicht bei jedem beliebt sind.

Von Aleppo zurück nach Stuttgart, 22. Juli, 8.30 Uhr: Am Fuß der Zitadelle von Aleppo, der zweitgrößten Stadt Syriens: Der Blick hinauf zur Festung, die um 1200 nach Christus von der Dynastie der Ayubiden auf einem Bergkegel errichtet wurde, mitten in der Stadt. Ein wuchtiger Kubus, steil aufragend, drohend, scheinbar uneinnehmbar. Nur die Mongolen, erzählt Peter Pfälzner auf dem Weg zum Tor, haben es geschafft, die Burg zu erobern, im Jahr 1260. Carmen Würth ist nicht wohl bei dem Gedanken an die Kette der Gewalt und Verwüstung, die sich durch die Geschichte zieht. „Aufbauen und Zerstören“, erwidert Pfälzner, „davon leben nun mal die Archäologen“ - auch auf der Zitadelle findet sich ein Grabungsfeld deutscher und syrischer Archäologen, es gilt dem Tempel des Wettergottes von Aleppo.

Der verwinkelte Torgang, der einst potentielle Angreifer aufhalten sollte, führt die deutschen Touristen erst im Zickzack hinauf zum Palastbau mit dem typischen, schwarz-weiß geschichteten Mauerwerk, dann am zugedeckten Grabungsfeld vorbei zur Terrasse der Zitadelle: ein Riesenpanorama der zweitgrößten Stadt Syriens, in der Hochhäuser, Kuppeln, Kirchtürme und Minarette ihre Zeichen setzen.

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Von mehr als vierhundert Moscheen und etlichen christlichen Kirchen, von zwölf muslimischen, sechs christlichen und drei heidnischen Glaubensgemeinschaften in Aleppo spricht der Guide - Syrien: das „Land der ethnischen und religiösen Vielfalt“ – und führt die Gäste hernach zum Suk zu Füßen der Zitadelle, einem über zwölf  Kilometer verzweigten, katakombenartigen System von Ladenzeilen, wo es alles gibt, vom Dromedarkopf bis zur berühmten Aleppo-Seife aus Olive- und Lorbeeröl, die am Eingang von einem Jungen angepriesen wird, der die Herkunft der Gäste sofort erkennt: „Es lebe Deutschland!“. „Dolch – Geschenk für Schwiegermutter!“, ruft ein anderer.

Zehntausende Reisefotos in Würths Archiv

Einkaufstour im Basar Quelle: Andreas Körner für WirtschaftsWoche

Einkaufstour im Basar

Bild: Andreas Körner für WirtschaftsWoche

Oder einfach „Tischdecke!“ Reinhold Würth fotografiert in alle Richtungen. Zehntausende von Reisefotos lagern in seinem Archiv. Zu seinen liebsten Motiven gehört seine Frau Carmen, mit der er seit 52 Jahren verheiratet ist Sie zeigt auf mehrere dicke Lappen Fett, die an einem Haken vor einer Metzgerei herabhängen: „Fett vom Dromedarhöcker“, vermutet sie. Oder auf einen Haufen undefinierbarer Fleischstücke: „Wahrscheinlich Zungen, vielleicht vom Schaf.“

Carmen Würth liebt Lebensart, Kunst und Architektur der arabischen Welt, vor allem die Poesie der Alhambra in Granada. Ihre Tochter Marion ist im Herzen sowieso halbe Araberin. Im Suk von Aleppo kaufen sie Kleider: zwei Jacken „aus Beduinenseide“, wie der glückliche Händler beteuert, der gleich noch ein paar Geschenke in die Tüte steckt. „Mit dem Preis muss er noch ein bisschen runtergehen“, sagt Reinhold Würth dem Guide, „inschallah“ – so Gott will.

14.30 Uhr: Transfer zum Fughafen. Um 15 Uhr Rückflug. Pilot: Reinhold Würth. Ankunft in Stuttgart: Etwa 17.45 Uhr. Zeit, um mit Cornelia Ewigleben, der Leiterin des Landesmuseums Württemberg, noch einmal über das Konzept der Stuttgarter Ausstellung „Die Entdeckung des Königreichs Qatna“ zu sprechen, die, wie ihr in Syrien versichert wurde, die „größte Schau syrischer Altertümer außerhalb Syriens“ sein wird: 400 Objekte aus Syrien, die noch nie im Ensemble gezeigt wurden, Waffen, Goldschmuck, Keilschrifttafeln, Keramik und Stoffe, dazu Leihgaben aus dem Louvre, dem British Museum und dem Vorderasiatischen Museum Berlin.

Drei-D-Animationen von Palast mit Thronsaal

Am Eingang der Ausstellung werden die Portalsfiguren der Königsgruft den Besucher in die Welt des Alten Syrien führen, man wird den monumentalen Siedlungswall sehen, in Drei-D-Animationen den Palast mit dem Thronsaal und den Zedernsäulen, ebenso den Korridor zu den Grabkammern und – virtuell - die Zerstörung der Königsstadt Qatna durch die Hethiter. Die Menschen, glaubt Cornelia Ewigleben, haben heute ein Bedürfnis, in die Tiefe der Vergangenheit geführt zu werden, Kulturen zu begegnen, die weit weg sind, doch deren Leistungen, wie etwa die Handelsstrukturen der damaligen Welt zeigen, den Blick auf unsere eigene Welt relativieren. Überdies wird der altsyrische Totenkult die Besucher auf ihren eigenen Umgang mit dem Tod verweisen, auf die Frage nach dem Jenseits. Und nicht zuletzt die Preziosen aus Gold werden die Menschen faszinieren.  

16.30 Uhr: Der Fotograf Andreas Körner lädt zur „Dia-Show“: Stuttgart, 19. Juli, 8 Uhr: Abflug der Falcon 900 am Stuttgarter Flughafen, im Cockpit Flugkapitän Reinhold Würth, Gründer des Weltmarktführers in der Befestigungs- und Montagetechnik Würth. Ziel: der Flughafen von Damaskus …

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