Tarifkonflikt bei der Post eskaliert : Jetzt streikt auch noch die Deutsche Post

Tarifkonflikt bei der Post eskaliert : Jetzt streikt auch noch die Deutsche Post

Bild vergrößern

Kommende Woche wird die Post bestreikt.

Nach den Lokführern und Erziehern legen nun auch die Postmitarbeiter die Arbeit nieder. Die Verhandlungen mit Verdi seien am Samstag abgebrochen worden. Die Gewerkschaft kündigte bundesweite Streiks an.

Viele Postkunden in Deutschland werden sich in der kommenden Woche erneut auf Verzögerungen bei der Zustellung von Briefen und Paketen einstellen müssen. Nach dem Abbruch der vierten Tarifrunde über kürzere Arbeitszeiten am Samstag kündigte die Gewerkschaft Verdi bundesweite Streikmaßnahmen an. „Die Zeichen stehen auf Sturm“, erklärte Verhandlungsführerin Andrea Kocsis. Damit geraten möglicherweise immer mehr Postkunden durch verspätete Zustellungen in den Strudel des Arbeitskampfes. Den genauen Zeitpunkt von Streiks will Verdi kurzfristig mitteilen.

In der vierten Tarifrunde lehnte die Gewerkschaft ein neues Angebot der Arbeitgeber als unzureichend ab. Das Unternehmen sei nicht bereit, die Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich zu verkürzen. „Mit ihrem Angebot verschärft die Post den Tarifkonflikt. Das werden die Beschäftigten nicht hinnehmen“, sagte Kocsis. Über den weiteren Fortgang der Tarifauseinandersetzungen soll jetzt die Tarifkommission entscheiden. Wird das Scheitern der Verhandlungen erklärt, sind Urabstimmung und mehrtägige Streiks nicht mehr ausgeschlossen.

Anzeige

Was die Post mit ihrer Strategie 2020 erreichen will

  • Bessere Umweltbilanz

    Auch der Kohlenstoffdioxid-Ausstoß soll verringert werden: Bis 2020 will die Post ihre Energie-Effizenz um 30 Prozent verbessern. Vor kurzem kaufte der Dax-Konzern zum Beispiel den deutschen Elektroauto-Entwickler Streetscooter auf.

  • Erste Wahl für Aktionäre

    Die Aktie Gelb soll weiter steigen: Post-Chef Frank Appel möchte zur ersten Wahl für Anleger werden. Zwischen 40 und 60 Prozent des Nettogewinns sollen die Aktionäre jährlich als Dividende ausgeschüttet bekommen.

  • Glückliche Kunden

    Auch die Kundenzufriedenheit soll steigen - auf über 80 Prozent. Nach Recherchen der WirtschaftsWoche beschwerten sich allerdings vor allem deutsche Großkunden zuletzt über die Briefzustellung.

  • Mehr Gewinn

    Der Gewinn ist die wichtigste Ziellinie in der Strategie 2020: Bis zum Ablauf der Frist will Appel fünf Milliarden Euro Plus machen. Dazu müsste er pro Jahr den Gewinn um acht Prozent steigern. Die Brief- und Paketsparte, die ihren Umsatz vor allem in Deutschland macht, soll drei Prozent Gewinnsteigerung pro Jahr dazu beisteuern - das Expressgeschäft, die Logistik- und Speditionssparten müssen zehn Prozent mehr im Jahr verdienen.

    Kein anderer Dax-Konzern hat so konkrete und zugleich so ehrgeizige Ziele.

  • Wachstum in Schwellenländern

    In Deutschland hat der durch den Onlinehandel ausgelöste Paketboom die Deutsche Post weit nach vorne getrieben. Jetzt will der Bonner Konzern diesen Effekt auch in den Schwellenländern mitnehmen: Bis 2020 soll sich der Marktanteil in diesen Regionen von 22 auf 30 Prozent erhöhen. Der Fokus liegt dabei auf Brasilien, Indien, China, Russland und Mexiko.

  • Zufriedene Mitarbeiter

    Auch bei den Mitarbeitern möchte die Post die erste Wahl sein. Ziel des Vorstand ist es, in den Mitarbeiterbefragung eine Zustimmungsquote von über 80 Prozent zu erlangen. Zuletzt lag die Quote bei ungefähr 70 Prozent.

Mit Unverständnis reagierte unterdessen die Post auf die ablehnende Haltung der Gewerkschaft. „Wir haben aus unserer Sicht ein sehr solides Angebot vorgelegt und sind enttäuscht, dass dieses in Bausch und Bogen zurückgewiesen wurde“, sagte die Personalchefin des Konzerns, Melanie Kreis, der Deutschen Presse-Agentur. Das Management hatte unter anderem angeboten, den Kündigungsschutz um drei Jahre bis Ende 2018 zu verlängern und den 24. und 31. Dezember wieder als arbeitsfreie Tage einzuführen. Daraus ergebe sich insgesamt eine Stunde weniger Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich.

Die Gewerkschaft fordert eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 38,5 auf 36 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Die Post lehne es ab, zu einer Einigung im Gesamtpaket zu kommen, erklärte Kocsis. So soll es im kommenden Jahr keinen Schutz mehr gegeben vor Fremdvergabe bei der Zustellung. Mittelfristig wolle das Unternehmen so die Voraussetzungen dafür schaffen, den Konzern „in Billiggesellschaften zu zerlegen“. Diese Einschätzung wies Kreis entschieden zurück. Die Aussagen von Verdi seien irreführend. „Wir wollen Sicherheit und Schutz für die Postmitarbeiter stärken“, sagte sie der „Bild“-Zeitung (Montag) und sprach von „absurd hohen Forderungen“.

Das sind Post-Gebühren für Privatkunden ab 2015

  • Brief

    Der Brief wird ab 2015 teurer. Die Post hebt die Portogebühren für den Standardbrief zum Jahreswechsel – und das nicht zum ersten Mal. In den vergangenen drei Jahren hat die Deutsche Post die Preise erst von 55 auf 58 Cent, dann auf 60 Cent, und nun sogar auf 62 Cent erhöht.

  • Päckchen XS

    Schon in der Vorweihnachtszeit bieten Post und DHL Privatkunden ein neues Angebot für kleinere Sendungen: Päckchen bis 1 Kilogramm (max Größe 30 x 30 x 15 cm) können ab dem 15. November für 3,79 Euro verschickt werden. Der Haken an der Sache: Das Angebot gilt erstmal nur für Kunden, die die DHL Online Frankierung auf der Unternehmenswebsite nutzen. Ab dem 1. Januar 2015 ist das Angebot auch in den Postfilialen und DHL Paketshops verfügbar – kostet dann aber 3,95 Euro.

  • Päckchen und Paket S

    Ab Januar 2015 kostet das DHL Päckchen bis 2 Kilogramm (max Größe 60 x 30 x 15 cm) online 4,29 Euro, statt bisher 3,99 Euro. Beim Kauf in der Filiale werden künftig 4,40 Euro fällig, statt bisher 4,10 Euro. Wer ein Paket gleicher Größe verschicken will, zahlt 4,99 Euro.

  • Paket M

    DHL führt neben dem neuen Päckchen zum 1. Januar auch eine neue Gewichtsstufe für Pakete bis 5 Kilogramm (max Größe 120 x 60 x 60 cm) ein. Der Preis liegt bei 5,99 Euro in der Online Frankierung und 6,99 Euro in der Filiale.

  • Paket L

    Pakete bis 10 Kilogramm (max Größe 120 x 60 x 60 cm) können ab einem Preis von 7,49 Euro versendet werden (Online-Frankierung). In der Filiale kostet der Versand 8,49 Euro.

  • Paket XL

    Das Schwergewicht: Pakete bis 31,5 Kilogramm (max Größe 120 x 60 x 60 cm) kosten künftig ab 13,99 Euro. Wer auf die Online-Frankierung verzichtet und in die Filiale geht, zahlt einen Euro mehr. Die Gewichtsstufe bis 20 Kilogramm entfällt für den privaten Paketversand übrigens völlig.

Hintergrund ist die Gründung von 49 regionalen Gesellschaften in der Paketzustellung. Die Post beschäftigt in diesen Unternehmen Kreis zufolge bereits mehr als 6000 Menschen. Bezahlt werden sie aber nicht nach dem Haustarif, sondern nach den niedrigeren regionalen Tarifen des Speditions- und Logistikgewerbes. Verdi sieht in dem Aufbau eines zweiten Paketzustellernetzes einen Verstoß gegen tarifvertragliche Vereinbarungen, was die Post strikt zurückweist. Mit Blick auf die nun anstehenden Warnstreiks forderte Kreis die Gewerkschaft auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

In der vierten Tarifrunde hatte Verdi zudem ihre Vorstellungen zu den Entgelten des ebenfalls neu zu verhandelnden Haustarifvertrages auf den Tisch gelegt. Dabei sorgte die Forderung von 5,5 Prozent mehr Geld für die 140.000 Beschäftigten für weiteren Zündstoff in dem Tarifkonflikt. Die Post wies die Forderungen prompt als realitätsfern und unfinanzierbar zurück. Über diesen Tarifkomplex wollen Post und Verdi nun am 20. und 21. Mai in Bonn verhandeln. Ob dabei auch das Thema Arbeitszeitverkürzung erneut auf den Tisch kommt oder ausgeklammert bleibt, ist nicht klar.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%