Tarifkonflikt bei Lufthansa: Kein Ende des Streiks in Sicht

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Tarifkonflikt bei Lufthansa: Kein Ende des Streiks in Sicht

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Lufthansa-Piloten weiten Streik auf Donnerstag aus

Am Mittwoch kündigte die Vereinigung Cockpit weitere Arbeitsniederlegungen an, sofern die Lufthansa zu keinem Kompromiss bei der Vorruhestandsregelung bereit sei. Der Tarifstreit bei der Lufthansa nimmt kein Ende.

Im Tarifkonflikt der Lufthansa mit ihren Piloten ist ein Ende der Streiks nicht absehbar. Die Vereinigung Cockpit (VC) kündigte am Mittwoch weitere Arbeitsniederlegungen für den Fall an, dass die Fluglinie zu keinem Kompromiss bei der Vorruhestandsregelung für junge Piloten bereit sei. "Wir werden sicherlich nicht am Stück wochenlang streiken, aber wir werden den Druck auf das Management erhöhen müssen", sagte ein Gewerkschaftssprecher am Mittwoch. Die Airline warf der Pilotenvereinigung ihrerseits mangelnde Kompromissbereitschaft vor. Nach einem deutschlandweiten Ausstand auf der Kurz- und Mittelstrecke am Mittwoch sollen am Donnerstag die Langstreckenflüge sowie Frachtflüge von Lufthansa Cargo bestreikt werden.

Die Lufthansa nannte die Ausweitung der Streiks vollends unverständlich. "Anstatt an tragfähigen Lösungen zu arbeiten, fügt die VC nun weltweit unseren Kunden Schaden zu", sagte ein Sprecher. Allein wegen des um Mitternacht begonnenen Streiks bei den Kurz- und Mittelstrecken fielen der Lufthansa zufolge am Mittwoch rund die Hälfte der 1400 geplanten Flüge aus, etwa 80.000 Passagiere seien betroffen.

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Die Lufthansa forderte die Gewerkschaft erneut auf, unverzüglich an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Pilotenvereinigung verlangte ihrerseits ein konkretes Angebot von der Lufthansa. Es handele sich um eine Grundsatz-Auseinandersetzung. "Wir sind nicht bereit, eine Tarifpolitik nach Gutsherrenart zu akzeptieren", sagte der Gewerkschaftssprecher. Einen neuen Gesprächstermin gibt es laut VC nicht.

Die Sparprogramme der Lufthansa

  • Programm 1993 (1993)

    Nach dem Golfkrieg Anfang der neunziger Jahre brach der Luftverkehr ein und die Lufthansa rutschte wegen zu hoher Kosten und Überkapazitäten an den Rand der Pleite. So startete der 1991 zum Vorstandschef gewählte Jürgen Webers sein erstes Sparprogramm, bei dem er mit Zustimmung der Gewerkschaften 8000 Stellen abbaute. Das Programm war ein Erfolg, nicht zuletzt, weil es die Lufthansa zur Schicksalsgemeinschaft machte und die Arbeit im Sparteam die späteren Konzernchefs Wolfgang Mayrhuber und Christoph Franz zu engen Vertrauten machte.

  • Programm 15 (1996)

    Trotz der Erfolge der Sanierung knickte der Lufthansa-Gewinn 1996 wieder ein. Die nach wie vor zu hohen Kosten sollte das Programm 15 drücken, von 17 Pfennigen um einen Passagier einen Kilometer weit zu transportieren auf höchstens 15, was einer Einsparung von einer Milliarde Mark oder fünf Prozent des Umsatzes entsprach. Das Programm erreichte das Sparziel eine Milliarde, doch am Ende scheiterte es, weil andere Kosten die Lufthansa wieder zu einem der teuersten Anbieter der Branche machte.

  • Operational Excellence (1999)

    Trotz boomender Wirtschaft sanken Ende der neunziger Jahre die Lufthansa-Gewinne, nicht zuletzt wegen der wachsenden Konkurrenz durch Billigflieger. Darum sollte Operational Excellence nicht nur die Kosten senken, sondern auch die Qualität und besonders die Pünktlichkeit steigern, damit die Lufthansa ihre höheren Preise rechtfertigen konnte. In Sachen Pünktlichkeit half das Programm. Doch zum Qualitätsführer machte es Lufthansa nicht, nicht zuletzt, weil der Bordservice trotz hoher Investitionen unter dem Branchenstandard blieb.

  • D-Check / D-Check akut (2001)

    Noch vor dem Ende des New Economy-Booms sackte 2000 der Lufthansa-Gewinn. Weil bisherige Sparprogramme kaum langfristig wirkten, wollte Konzernchef-Jürgen Weber mit D-Check – benannt nach der Generalüberholung eines Flugzeugs – die Arbeitsweise des Unternehmen verändern und die Kosten nachhaltig um eine Milliarde Euro senken. Nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 kam D-Check akut und wurde dank Streckenstreichungen und Lohnzugeständnissen von gut 200 Millionen Euro mit fast 1,5 Milliarden Euro Ersparnis das einzige erfolgreiche Sparprogramm des Jahrzehnts.

  • Aktionsplan (2004)

    Kaum im Amt musste der neue Konzernchef Wolfgang Mayrhuber nach Krisen wie dem Nachfrageeinbruch durch die Lungenseuche Sars in China für das Jahr 2003 einen erneuten Gewinneinbruch verkünden und wollte mit dem Aktionsplan die Kosten um 1,2 Milliarden Euro senken. Parallel dazu versuchte die Lufthansa ihren Europaverkehr im Rahmen von „Zukunft Kont“ neu und effizienter zu organisieren. Am Ende fehlte dem Programm die klare Linie und weil Flughäfen und anderen Lieferanten kaum Sparbeiträge lieferten, blieb es unter den Erwartungen.

  • Upgrade (2007)

    Nach dem wenig erfolgreichen Aktionsplan rückte die Lufthansa in der nächsten Effizienzrunde wieder die Qualitätsverbesserung nach vorne. Doch das komplette „Upgrade to Industrie Leadership“ genannte Programm verpuffte, nicht zuletzt, weil in der 2008 beginnenden Finanzkrise den Kunden und besonders Geschäftsreisenden Qualität weniger wichtig war als ein guter Preis. Darunter litt besonders die Lufthansa, deren Service besonders im Vergleich zu Wettbewerbern wie Emirates eher dürftig ausfällt.

  • Climb 2011 (2009)

    Nach dem Misserfolg des Qualitätsprogramm Upgrade startete Christoph Franz seine Zeit als Chef das Fluggeschäfts mit einem klassischen Sparprogramm. Auch weil es erstmals Entlassungen androhte und einen – Hochverrats verdächtigen - Umbau der Europaflüge in Richtung der Billigflieger vorschlug, musste Franz zurück rudern. Doch weil der Spardruck bleib und der Versuch den Einkauf im Konzern zu zentralisieren, grandios scheiterte,  bleib am Ende eine magere Ersparnis von gut 600 Millionen - und an der unzeitgemäß aufwändigen Arbeitsweise änderte sich nichts.

  • Score (2012)

    Kaum Konzernchef, kündigte Christoph Franz den in drei wirkungslosen Sparrunden vermiedenen Komplettumbau an: mit zuvor unvorstellbaren Dingen wie Entlassungen, Entmachtung der Konzerntöchter zu Gunsten der Zentrale und dem Übergang der tiefroten Europafliegerei zur Billigtochter Germanwings. Die Aussichten sind gut, weil Franz Erfolge vorsichtig feiert, die Führung durch konzernfremde Manager ergänzte, der ganze Vorstand in Workshops für das Programm wirbt - und Franz beim Umbau der Tochter Austrian zeigte, dass er noch radikalere Dinge wie ein Ausflaggen nicht fürchtet.

Bei der Lufthansa sind derzeit sechs Tarifverträge offen, darunter die Frage der Vergütung und der Altersvorsorge. Kern des Konflikts ist aber die sogenannte Übergangsversorgung, die die Frühverrentung der Piloten regelt. Die Gewerkschaft hält der Lufthansa vor, sich im Kernpunkt ihrer Forderung, der Vorruhestandsregelung für neue Mitarbeiter, seit mehr als einen Jahr nicht bewegt zu haben. Die Fluglinie argumentiert damit, auch für künftige Mitarbeiter sei ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Flugdienst möglich. Allerdings will das Unternehmen die Kosten dafür nicht weiter tragen. Die Beiträge dafür sollen die neueingestellten Mitarbeiter selbst zurückstellen. Die Gewerkschaft sieht darin eine Spaltung der Belegschaft.

Auch bei der Frühverrentung der übrigen Piloten will die Lufthansa sparen. Bislang konnten die Flugzeugführer mit 55 Jahren aufhören und gingen im Schnitt mit 59 Jahren in Pension. Das Management der Kranich-Airline will dieses Alter auf 61 erhöhen. Die Gewerkschaft fordert die Beibehaltungen der alten Regelung für die 5400 Lufthansa-Flugzeugführer. Sie betont zugleich ihre Bereitschaft, den Kostensantieg zu bremsen. Die Pilotenvereinigung schlägt ein Schlichtungsverfahren für alle Streitthemen vor, die derzeit auf dem Tisch liegen.

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Der Streit tobt bereits seit April vergangenen Jahres, der Schaden durch Streiks betrug 2014 rund 230 Million Euro. Lufthansa-Chef Carsten Spohr zufolge kommt die Lufthansa allerdings zunehmend mit den Folgen des Konflikts zurecht. Analysten sehen dies - zumindest für den laufenden Ausstand - ebenso: "Die Lufthansa ist ziemlich gut vorbereitet für diese zwei Streiks, die Kosten sollten niedriger als letztes Jahr sein", sagte Jochen Rothenbacher von Equinet. Er betonte, es sei sehr wichtig für die Lufthansa, die Kosten zu senken, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Hinter den Kulissen tobt noch ein weiterer Konflikt. Denn die selbstbewussten Piloten stemmen sich gegen den Ausbau von Lufthansa-Billigfliegern unter der Marke Eurowings auf der Kurz- und Langstrecke. Mit einem Ausbau des Sparpreis-Ablegers will sich die Airline gegen die wachsende Konkurrenz von Billigfliegern wie easyJet und Ryanair wappnen.

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