Tarifverhandlungen bei der Bahn: Das Gute am Gewerkschaftskrieg

Tarifverhandlungen bei der Bahn: Das Gute am Gewerkschaftskrieg

von Christian Schlesiger

Die Harmoniebemühungen der Deutschen Bahn sind gescheitert. Zwei Gewerkschaften kämpfen nun gegen- statt miteinander. Den Fahrgästen muss das nicht schaden.

Nun stehen die Zeichen endgültig auf Streik. Der Versuch, die beiden Bahngewerkschaften doch noch zueinander zu bringen, sind gestern endgültig gescheitert. Eine Tarifpartnerschaft, wie von Deutsche Bahn und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG befürwortet, wird es nicht geben. Ab nun gilt: Jeder gegen jeden.

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Die Bahnreisenden werden sich in den kommenden Monaten auf Streiks einstellen müssen. Vor allem die kleinere und aggressive Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer (GDL) wird zeigen wollen, dass sie die erfolgreichere der beiden Gewerkschaften ist. Neben den Lokführern will sie in Zukunft das gesamte Zugpersonal vertreten, also auch Zugbegleiter und Servicekräfte in den Bordrestaurants. Bislang durfte dies nur die konkurrierende EVG.

Bis zuletzt hatte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber versucht, die Arbeitnehmervertreter an einen Tisch zu holen. Die Gewerkschaften sollten sich bei den künftigen Tarifverhandlungen um Gehalt und Arbeitsbedingungen abstimmen - unter Federführung der GDL, wenn es um die Lokführer ging, und ansonsten in der Hauptverantwortung der EVG. Jede Gewerkschaft sollte immer ein Mindestmaß an Mitspracherechten erhalten. Doch dazu war die GDL nicht bereit. Sie wollte lediglich allgemeine Personalangelegenheiten im Tarifverbund besprechen, keinesfalls aber konkrete Forderungen für Lokführer und Zugbegleiter.

Für die Deutsche Bahn ist das Ergebnis ein Fiasko. Sie muss nun parallel Gespräche mit zwei Gewerkschaften führen. Schwierig wird das, wenn es um Arbeitszeiten und Dienstpläne geht. Schichtpläne lassen sich nur schwer aufeinander abstimmen, wenn ein Mitarbeiter im Bordrestaurant nach EVG-Vertrag etwa 38 Stunden die Woche arbeiten darf, sein Kollege mit GDL-Vertrag aber nur weniger oder mehr.

Einigung geplatzt Bahn steht vor neuem Tarifstreit

Schon im Vorfeld der Tarif-Verhandlungen mit der Deutschen Bahn kommt es zu Chaos: Die Gewerkschaften GDL und EVG liefern sich einen Machtkampf darum, wer mit der Bahn verhandeln wird. Es drohen erneute Streiks.

Es geht um rund 140.000 Beschäftigte: Die Gewerkschaften GDL und EVG wollen sie beide in den Tarif-Verhandlungen vertreten. Quelle: dpa

Weber bezeichnete die Entwicklung daher als "beispiellosen Rückschritt". Statt Verhandeln auf Augenhöhe hätten die Machtverhältnisse der Gewerkschaften im Mittelpunkt gestanden. Eine Verständigung auf eine neue Form der Partnerschaft sei aber der "einzig gangbare Weg". Der Frust ist nachvollziehbar.

Für die Kunden wirkt der Bruder-Zwist zunächst ebenfalls wie ein Rückschritt. Sollte es zu Streiks kommen, könnte mal wieder der gesamte Zugbetrieb lahm liegen. Spartengewerkschaften wie die GDL können großen Schaden anrichten - möglicherweise noch in diesem Jahr. Die GDL forderte rund fünf Prozent mehr Gehalt und zwei Stunden weniger Arbeitszeit. Die Deutsche Bahn lehnt das Angebot als "nicht erfüllbar" ab. Schon allein um Stärke zu demonstrieren, wird auch die EVG den Arbeitskampf als Mittel in die engere Wahl einbeziehen.

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