Taxi-Konkurrent: Warum Uber überall Ärger hat

Taxi-Konkurrent: Warum Uber überall Ärger hat

von Christof KerkmannQuelle:Handelsblatt Online

Klagen, Proteste, Verbote: Uber steht derzeit mächtig unter Druck. Behörden in immer mehr Ländern verbieten dem Taxi-Konkurrenten den Dienst. Warum das Unternehmen überall aneckt.

Wer Jurist ist, gerne international arbeitet und einen herausfordernden Job sucht, sollte sich vielleicht bei Uber bewerben. Der Fahrdienst-Vermittler aus dem Silicon Valley trägt derzeit in aller Welt Rechtsstreitigkeiten aus. Allein in dieser Woche haben Behörden in Indien, Thailand, Spanien, den Niederlanden und den USA einen Dienst des Unternehmens verboten oder zumindest damit gedroht – teils in einzelnen Städten, teils im ganzen Land. Die schnelle Expansion droht ins Stocken zu geraten.

Uber bietet mehrere Dienste an. Uber Black vermittelt beispielsweise Limousinen, Uber Taxi Fahrer mit Lizenz. Der Streit entzündet sich an Uber Pop: Diese App ermöglicht Privatleuten in weltweit mehr als 250 Städten, Fahrgäste zu finden und in ihren eigenen Autos mitzunehmen. Behörden in zahlreichen Ländern monieren jedoch, dass die Fahrer keine Erlaubnis zur Personenbeförderung haben (eine Übersicht der Fälle hat das Technologieblog Venturebeat zusammengetragen).

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Selbst in Kalifornien, der Heimat des Unternehmens, gibt es Probleme. Staatsanwälte werfen dem Unternehmen vor, Kunden mit Angaben über Sicherheitschecks der Fahrer hinters Licht geführt zu haben. Auch sei die Smartphone-App nicht von den Behörden zertifiziert worden. Und nicht zuletzt habe Uber den Aufschlag für Flughafenfahrten kassiert, aber nicht an die Airports weitergereicht. Die Zulassung in einigen US-Staaten fällt da nicht besonders ins Gewicht.

Warum hat Uber überall Ärger, von Neu Delhi bis San Francisco?

Das Taxi-Geschäft ist vielen Regeln unterworfen, die teils die Verbraucher schützen, teils die angestammten Anbieter. So müssen Fahrer Prüfungen und Sehtests ablegen, die Autos technisch einwandfrei und speziell versichert sein. Vielerorts gilt eine Beförderungspflicht. Zudem schränken nicht wenige Städte die Größe des Marktes über Konzessionen ein – in New York kann eine Lizenz durchaus mehr als eine Million Dollar kosten.

In diesen regulierten Markt platzt nun Uber mit seinem Dienst. Rechtsbrüche gehören zum Kalkül – das Ziel ist es, möglichst schnell möglichst groß zu werden, fast um jeden Preis. Denn im Geschäft der Vermittlungsdienste ist Größe entscheidend: Wer viele Fahrer gewinnt, kann einen reibungslosen Dienst bieten, was viele Passagiere anlockt. Die Aussicht auf viel Betrieb lockt wiederum neue Fahrer an. Dass in vielen Städten die Taxifahrer protestieren, verbucht das Unternehmen allenfalls als kostenlose Werbung.

Warum Uber so umstritten ist

  • Was ist Uber überhaupt?

    Uber startete vor rund vier Jahren in San Francisco als Alternative zu Taxis, die in der kalifornischen Metropole notorisch schwer zu kriegen sind. Anfangs ging es nur darum, für etwas mehr Geld einen Chauffeur-Service mit Oberklasse-Wagen anzubieten. Inzwischen nutzt Uber seine Vermittlungsplattform auch für Dienste, bei denen Privatleute Fahrgäste mit ihren eigenen Autos mitnehmen können. Vor allem um solche Angebote entzünden sich die Streitigkeiten mit Taxi-Gewerbe und Behörden in verschiedenen Ländern.

  • Wie funktioniert Uber?

    Es ist eine Smartphone-App, wie man sie auch von den Taxi-Anwendungen kennt. Der Abholort wird automatisch ermittelt, der Kunde sieht die Uber-Fahzeuge in der Nähe. Der Fahrweg wird mit Hilfe von GPS berechnet, die Wagen kommen daher ohne Taxameter aus. Der Bezahlvorgang entfällt: Es wird einfach die bei Uber hinterlegte Kreditkarte belastet.

  • Was stört die Taxifahrer?

    Das Taxi-Geschäft überall ist vielen Regeln unterworfen. Es gibt Vorschriften für die technische Kontrolle der Fahrzeuge, die Überprüfung des Gesundheitszustands der Fahrer, spezielle Versicherungen und die Beförderungspflicht. Außerdem wird die Größe des Marktes über die Vergabe von Konzessionen eingeschränkt. So kann eine Taxi-Lizenz in New York mehr als eine Million Dollar kosten. Uber platzt mit seinen Dienstes in dieses über Jahrzehnte gewachsene Geflecht von Regeln und wirtschaftlichen Interessen.

  • Wie will Uber den Taxis Kunden abjagen?

    Beim ursprünglichen Chaufferdienst UberBLACK waren die Argumente vor allem der Komfort einer Smartphone-App, ein schickes Auto und die automatische Abrechnung. Bei den Mitfahrdiensten in Privatautos ist Uber aber auch günstiger als herkömmliche Taxis. So kostet der Service UberPOP in Hamburg einen Euro pro Kilometer bzw. 25 Cent pro Minute. Laut Hamburger Taxentarif zahlt man dagegen jeweils 2,20 Euro für die ersten vier Kilometer, je 1,90 für die nächsten fünf Kilometer und 1,40 ab dem 10. Kilometer.

  • Wie stehen deutsche Behörden zu Uber?

    Behörden und auch Landesregierungen sehen den Dienst skeptisch. In Berlin und Hamburg erließen die Behörden Unterlassungsverfügung gegen Uber. Gerichte erlaubtem dem Fahrdienst aber vorläufig die Weiterfahrt. In NRW erklärte ein Sprecher des Verkehrsministeriums zu Uber: "Nach den vorliegenden Informationen handelt es sich bei den Fahrten um genehmigungspflichtige Personenbeförderungen." Über eine solche Genehmigung verfügen die Uber-Fahrer aber offenbar nicht. Das Verkehrsministerium warnt deshalb vor hohen Bußgeldern.

Dabei geht es nicht nur um Taxifahrten: Mit seiner Plattform kann Uber Transportmöglichkeiten aller Art vermitteln, etwa für Pakete oder Essensbestellungen. In der US-Hauptstadt Washington versucht sich die Firma bereits mit einem Lieferdienst. Die Hoffnung, in die Logistikbranche einzudringen, dürfte bei der äußerst optimistischen Firmenbewertung von knapp 40 Milliarden Dollar eine wichtige Rolle gespielt haben – die Investoren, die Uber jüngst 1,2 Milliarden Dollar gaben, halten das Start-up damit für wertvoller als etwa den Mietwagenverleiher Hertz.

Der Ärger über Uber hat aber auch andere Gründe. Das Unternehmen kämpft mit harten Bandagen. Das beginnt mit der aggressiven Rhetorik: Uber-Chef Travis Kalanick bezeichnete die Vertreter der Taxi-Branche schon mal als Arschlöcher. Mit dem Erzrivalen Lyft liefert es sich eine Schlammschlacht um Fahrer und Kunden. Und ein Top-Manager hatte mit Gedankenspielen über Schmutzkampagnen gegen kritische Journalisten für Empörung gesorgt.

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Wie sich all das auf die wirtschaftlichen Perspektiven auswirkt, lässt sich schwer sagen. Die Verbraucher verzeihen Unternehmen meist ein gewisses Maß Chuzpe, wenn Produkt und Preis stimmen – Facebook etwa hat seine Nutzer schon öfter mit Änderungen an den Privatsphäre-Einstellungen verärgert, ohne sie dauerhaft zu vertreiben. Auch Billigfluglinien sind mit ihrem mäßigen Service erfolgreich.

Die Probleme mit den Regulierungsbehörden könnten dagegen schwerwiegender sein: Wenn Uber einem dauerhaften Verbot von Uber Pop entgehen will, müssen sich die Fahrer womöglich den strikten Vorgaben unterwerfen – und das hätte Folgen. Wenn die niedrigeren Preise daraus resultierten, dass Uber die Fahrer nur unzureichend überprüfe und keine teuren Taxi-Versicherungen abschließe, sei der Vorteil gegenüber der Konkurrenz nicht nachhaltig, sagte der Ökonomie-Professor Erik Gordon von der Universität Michigan der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Folge: Die hohe Bewertung könnte in sich zusammenbrechen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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