Taxi-Schreck Uber: Warum das Taxi-Monopol fallen muss

KommentarTaxi-Schreck Uber: Warum das Taxi-Monopol fallen muss

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Ein deregulierter Markt für die Personenbeförderung braucht Regeln, aber andere als die heutigen.

von Christian Schlesiger

Mit unlauteren Mitteln greift das US-Unternehmen Uber den regulierten Markt für die städtische Personenbeförderung an. Es ist Zeit, die Regeln an die Neuzeit anzupassen.

Neulich in Berlin. Ich brach zu einem Termin in Mitte auf. Der Veranstaltungsort lag keine zwei Kilometer von der Redaktion entfernt. Doch es regnete in Strömen. Zum Glück gibt es um die Ecke einen Taxistand, an dem mehrere Taxen warteten. Ich stieg in das erste in der Reihe ein und nannte dem Fahrer mein Ziel. Er schüttelte daraufhin den Kopf und raunte, dass sich die Fahrt nicht lohne. Ich entschuldigte mich. Die Fahrt dauerte nur wenige Minuten, doch ich fuhr mit schlechtem Gewissen. So weit ist es also schon gekommen. Der Kunde wird zum Sündenbock, weil der Fahrer nicht einverstanden ist.

Solche oder ähnliche Erfahrungen haben schon viele gemacht. Es ist die Folge eines regulierten Marktes, der keinen Wettbewerb zulässt. Das Taxi-Monopol gehört daher dringend abgeschafft.

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Uber ist ein Segen für den deutschen Markt der städtischen Personenbeförderung. Zugegeben: Das amerikanische Unternehmen geht mit rabiaten Methoden vor. Das Landgericht Frankfurt hat den Fahrdienst Uber Pop bundesweit verboten. Der Service zielt darauf ab, dass Privatleute mit ihrem eigenen Pkw Kunden ans Ziel bringen. Die Richter werfen der Firma „unlauteres Wettbewerbsverhalten“ vor. Uber will den Dienst weiter anbieten – und nimmt das Risiko von Ordnungsstrafen von bis zu 250.000 Euro in Kauf.

Die Richter haben Recht gesprochen. Sie haben sich an geltenden Gesetzen orientiert. Deshalb müssen diese geändert werden. Denn der Markteinstieg von Uber zeigt die Unzulänglichkeiten des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in Deutschland auf. Taxis sind ein Teil davon. Das Personenbeförderungsgesetz (PbefG) regelt, wer Taxi fahren darf und auch wo und wie.

Zahlreiche Regeln

Es gibt gute Gründe, den Transport von Personen zu regulieren. Das PbefG stellt etwa Anforderungen an die Sicherheit. Wer in ein Taxi steigt, sollte das gute Gefühl haben können, in ein ordentliches Fahrzeug zu steigen. Doch regelt das nicht automatisch die TÜV-Untersuchung, die jeder Inhaber eines Autos alle zwei Jahre erneuern muss? Uber verlangt übrigens, dass die genutzten Autos nicht älter als fünf Jahre alt sind. Mit Schrottkisten darf auch dort keiner unterwegs sein.

Online-Fahrdienst Uber will trotz Gerichtsverbots expandieren

Fahrdienst-Vermittler auf Konfrontationskurs: Die US-Plattform Uber bietet trotz eines gerichtlichen Verbots ihre Dienste an. Das Startup legt Widerspruch ein – und will den Taximarkt weiter aufmischen.

Die Taxi-App „Uber“ vermittelt Fahrten unter Privatleuten – und kassiert dafür Provision. Quelle: dpa

Das PbefG verlangt zudem Ortskenntnisse. Ein Taxifahrer darf dann in der Stadt fahren, in der er einen Taxischein abgelegt hat. Für die Prüfung muss er den richtigen Routenverlauf ermitteln, Taxihalteplätze angeben und die Adressen von Behörden, Krankenhäusern und Sehenswürdigkeiten nennen können. Doch sind diese Kenntnisse in Zeiten von Smartphone-Navigation nicht längst obsolet? Bei Uber besitzt jeder Fahrer ein ordentliches Smartphone, allein um schon die Fahrtanfragen anzunehmen.

Das PbefG stellt zudem Mindestanforderungen an die Charaktereigenschaften eines Taxi-Fahrers, etwa ein ärztliches Gutachten, das den Fahrer als „gesundheitlich geeignet“ ausweist. Das mag sinnvoll sein. Für den Taxischein muss er darüber hinaus nachweisen, dass er sich und andere sicher durch den Großstadtverkehr manövrieren kann. Doch hat er das nicht bereits getan, als er die Führerscheinprüfung abgelegt hat? Ein polizeiliches Führungszeugnis und den Punktestand in Flensburg müssen die Fahrer auch bei Uber vorlegen.

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11 Kommentare zu Taxi-Schreck Uber: Warum das Taxi-Monopol fallen muss

  • Kann Ihnen da nicht zustimmen.

    Wenn in Berlin ein Taxifahrer eine kurze Fahrt nur mürrisch angenommen hat, dann vermutlich deswegen, weil er insgesamt zu wenig verdient.

    Es gibt viel zu viele Taxis in Deutschland. Untereinander ist die Konkurrenz schon groß genug. Bin früher in München selbst für ein paar Jahre Taxi gefahren. Hat sich damals schon kaum gelohnt und ist heute noch viel schlechter.

    Und dann zusätzliche Konkurrenz durch Uber? Da wird es allen schlecht gehen, den Taxifahrern, den Uber-Fahrern und den Kunden.

    Nur die Uber-Investoren werden vermutlich profitieren. Und denen gönne ich gar nichts. Eine hyperaggressive Ami-Firma, Goldman Sachs, Google, Amazon etc. als Investoren im Hintergrund. Allein durch deren ekelhaften Stil sollte man sie boykottieren und zulassen schon gar nicht.

    Im übrigen empfehle ich:
    http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/sascha-lobo-sharing-economy-wie-bei-uber-ist-plattform-kapitalismus-a-989584.html

  • Man kann der Meinung sein, dass das Taxigewerbe sich einer Neuordnung nicht widersetzen sollte. Aber ob Uber die Lösung ist? Wird da nicht bloß ein lokales Monopol unter der Aufsicht der Landräte mit einem internationalen quasi-Monopol ohne jegliche durchgreifende Kontrollmöglichkeit getauscht? Übernimmt Uber irgendeine Verantwortung für die vermittelte Dienstleistung? Wenn nicht, dann ist es ein schlechter Tausch, denn dann sind die Regelkreise bei Minderleistungen einfach zu groß und zu umständlich. Da kommen die Kunden nicht zu ihrem Recht.
    Darüber hinaus kann man streiten, ob es volkswirtschaftlich sinnvoller ist, die Transaktionskosten vorhersehbar konstant zu halten, oder aber, wie bei Uber je nach nicht beeinflußbaren Faktoren zu variieren. Die Unübersichtlichkeit einer freien Preisgestaltung führt zu geringerer Vorhersehbarkeit der Leistung. Wollen wir wirklich jedes Mal, wenn wir ins Taxi steigen, den Preis neu verhandeln? Dann haben Vielfahrer einen Vorteil, und der Preis für Krankenfahrten dürfte in die Höhe schnellen.
    Ja, bislang subventionieren normale Fahrten andere Fahrten, die sich nicht lohnen. Aber nein! Das einfache Freigeben wird die Standardfahrt übers Jahr hinweg nicht günstiger machen. Wir würden nur die Berechenbarkeit des nicht übertriebenen Preises mit der Unwägbarkeit stark steigender Preise in Zeiten großer Nachfrage tauschen. Für Menschen, die auf diesen Service niemals angewiesen sind, mag es billiger werden, für alle anderen vermutlich sehr viel teurer. Wenn Uber die Preise steuert, wer verhindert dann, dass die Preise so erratisch werden wie die Benzinpreise? Wer kann dann noch Reisekostenabrechnungen auf Plausibilität prüfen? Die gesellschaftlichen Folgekosten wären eventuell erheblich höher, als der kleine Vorteil Vereinzelter.
    Und dennoch braucht es Veränderungen, denn die Regionalmonopole haben es verschlafen, ähnlich einfaches Bestellen einer Taxifahrt per Smartphone zu ermöglichen. Wo bleiben die Apps der Taxigenossenschaften?

  • Sehr geehrter Herr Schlesiger,

    als ein Wiwo Autor und Korrespondent sollten Sie über Themen, die Sie in der Wiwo schreiben und veröffentlichen besser recherchieren und informiert sein. Bei uber dürfen die Autos bis zu 10 Jahre alt sein und nicht nur 5, was Sie in Ihrem Artikel angegeben haben.
    Ausserdem sollten Sie mal über aktuelle Themen wie Mindestlohn und deren Auswirkungen auf das Taxigeschaeft informiert sein. Schon mit dem Mindestlohn werden sehr viele Taxiunternehmen ins Ruin getrieben, was zeigt dass in dieser Branche nicht so viel verdient wird, dass Mitarbeiter und Unternehmer davon reich werden. Diese können grade noch ihr Existenzminimum erwirtschaften und sich übers Wasser halten.
    Ausserdem sollten Sie wissen, dass circa 75% der Taxiunternehmer in Deutschland als Einzelunternehmer täglich sich selber ausbeuten, indem sie 16 Stunden Schichten fahren, um sich und ihre Familien zu ernähren. Wo ist bitte hier ein Monopol vorhanden? Es war vor Uber und myTaxi kein Taximonopolist da, der die deutsche oder europäische Personenbeförderung dominiert und alles diktiert. Es sind lediglich Kleinunternehmer bis kleine Mittelständler, die mit teuer erworbenen Konzessionen ihr Geschaeft aufgebaut haben und diese auch als ihre Altersversorgung sehen.
    Nun schreiben Sie über ein Taxi Monopol was gar nicht existiert einen sehr fragwürdigen Artikel, in dem Sie neoliberale agressive Unternehmen wie uber in Schutz nehmen.
    Was wird mit uber passieren. In nachfrageschwachen Zeiten werden die Kunden ein paar Prozent einsparen aber wenn Silvester kein Taxi oder uberpop Wagen zu bekommen ist, müssen sie 200€ für eine normalerweise 10€ Strecke bezahlen müssen. Glauben sie wirklich uber interessiert sich dafür, ob die Fahrer 8,50€ Mindestlohn in der Stunde verdienen können?
    Uber geht es nur um das schnelle Geld, das sie mit der Vermittlung machen können, um an der Börse schnell 100 Mrd. $ Börsenwert zu erreichen, damit Google, G. Sachs, J. Bezos und Co. Zufrieden sind.

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