Thomas Wagner: Unister-Gründer bewegt sich auf schmalem Grat

Thomas Wagner: Unister-Gründer bewegt sich auf schmalem Grat

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In der Defensive Unister-Gründer Wagner reizt das rechtlich Machbare oft aus. Die Anzahl seiner Kritiker wächst. Gegen Unister ermittelt die sächsische Generalstaatsanwaltschaft wegen illegaler Geschäftemacherei und Steuerhinterziehung.

von Christian Schlesiger

Thomas Wagner hat ein Imperium von Internet-Portalen aufgebaut. Interne E-Mails werfen nun die Frage auf, ob er beim Verkauf von Versicherungsprodukten das Erlaubte überdehnte.

Thomas Wagner sieht sich in der Opferrolle. „Wir wissen, dass schwere Sauereien in Arbeit sind, und richten uns darauf ein“, ließ der Chef des Leipziger Internet-Unternehmens Unister vergangene Woche per Pressemitteilung erklären. Es deute sich an, dass Wettbewerber „die Grenzen des Rechts erheblich überschreiten werden“. Konkreter wurde Wagner allerdings auch auf Nachfrage nicht.

Möglicherweise will Wagner durch die Pressemitteilung von den Vorwürfen gegen seine Person ablenken. Denn dem 34-jährigen Gründer des Portalbetreibers Unister weht ein eisiger Wind entgegen, der sich zu einem Orkan ausweiten könnte. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden ermittelt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Wagner betont seine Unschuld. Unternehmensinterne Dokumente, die der WirtschaftsWoche vorliegen, werfen aber die Frage auf, ob Wagner die rechtlichen Grenzen womöglich überschritten hat.

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Hat sich Wagner vielleicht verzockt?

Es wäre ein tiefer Fall. Als 23-Jähriger startete er 2002 eine Studententauschbörse, die er zu einer Internet-Macht ausbaute. Erster Streich war das Online-Reisebüro ab-in-den-urlaub.de. Es folgten weitere Reise-, Finanz- und Shopping-Domains. Geschätzter Umsatz mit 1900 Mitarbeitern: mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr. Die vermittelten Reiseumsätze etwa über ab- in-den-urlaub.de, fluege.de und reisen.de stiegen im Dezember 2012 um 17 Prozent.

Doch Unister arbeitet vor allem im Tourismusbereich mitunter mit fragwürdigen Methoden. Mit irreführenden Gütesiegeln, versteckten Kosten und Datenschutzlücken brachte Wagner Verbraucherschützer, Wettbewerber und Behörden gegen sich auf. Mehrmals überschritt er Grenzen zu weit.

Unisters Sündenregister

  • urlaubstours.de

    Datenschutzprobleme beim Reiseanbieter: Daten von Flugreisenden der Gesellschaft Ryanair waren vorübergehend einsehbar

  • travel24.com

    Verdacht des unerlaubten Vertriebs von Versicherungsprodukten

  • reisen.de

    Das Landgericht München verbietet irreführendes Gütesiegel namens „Holidaytest“, das mit „geprüften Gästemeinungen“ warb – nun heißt es nur noch „Gästemeinungen“

  • hotelreservierung.de

    Verdacht des unerlaubten Vertriebs von Versicherungsprodukten

  • fluege.de

    Der Bundesgerichtshof verurteilte Unister, den Endpreis sofort anzuzeigen, und verbot voreingestellte Versicherungspolicen; Verbraucherschützer nennen Gütesiegel irreführend

  • flights24.com

    Das US-Transportministerium verdonnert Unister zur Strafzahlung von 30.000 Dollar, weil Ticketpreise nicht sofort ersichtlich waren

  • ab-in-den-urlaub.de

    Verdacht des unerlaubten Vertriebs von Versicherungsprodukten

Möglicherweise verkalkulierte er sich auch dieses Mal. Der Vorwurf der Dresdner Staatsanwälte: unerlaubter Vertrieb von Versicherungsprodukten und Steuerhinterziehung in Höhe von einer Million Euro – „konservativ gerechnet“, so ein Sprecher.

Verwunderung über Stornoschutz

Unister verkaufte auf den Reiseportalen einen Stornoschutz, der die Stornierungskosten etwa bei Krankheit übernimmt – laut Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in Bonn eine Versicherung. Für deren Vertrieb braucht ein Reisevermittler eine Genehmigung, die laut BaFin nicht vorlag. Unister soll so die Zahlung von Versicherungsteuern umgangen haben. Vor Weihnachten durchsuchten Beamte von BaFin und Staatsanwaltschaft die Büroräume von Unister-Managern. Drei von ihnen mussten vorläufig in Untersuchungshaft – auch Wagner. Der zeigte sich über die Vorwürfe „verwundert“.

Doch in einer internen E-Mail vom August 2011, die der WirtschaftsWoche vorliegt, schrieb eine enge Mitarbeiterin von Wagner an Unister-Manager, Bezug nehmend auf ein Gespräch mit ihm: „Wir sollen uns eine Art Umbuchungsschutz ausdenken, so dass wir eine zusätzliche Servicegebühr auf allen internationalen Portalen erheben können.“ Weiter heißt es: „Das ganze soll allerdings nicht als Versicherung deklariert sein, um den damit verbundenen Auflagen zu entgehen.“ Einkopiert in der Mail ist auch eine Anweisung von Wagner: „Überlegt euch: Bedingungen, welche das Produkt nicht zu einer Versicherung machen.“

Mit dem Inhalt dieser E-Mail konfrontiert, antwortet der Sprecher von Unister: Die Rechtsabteilung von Unister habe „seit geraumer Zeit in Korrespondenz mit der BaFin“ gestanden. „Dabei wurden auch die gegenseitigen Rechtspositionen ausgetauscht.“ Im Übrigen seien andere Reiseveranstalter, Mietwagenfirmen oder Flugportale „von einer ähnlichen Rechtsauffassung ausgegangen“ und hätten bis vor Kurzem „sehr vergleichbare Produkte am Markt gehabt“.

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