Ticketpreise: Nahverkehr wird bundesweit teurer

Ticketpreise: Nahverkehr wird bundesweit teurer

Während ICE-Fahren dieses Jahr für die meisten nicht teurer wird, steigen die Preise für U-Bahn- und Busfahrkarten kräftig. Pendler müssen demnächst tiefer in die Tasche greifen.

Die tägliche Fahrt mit Bussen und Bahnen in Deutschlands Städten wird deutlich teurer. Als letzter der großen Verkehrsverbünde kündigte am Donnerstag der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) eine Erhöhung an. Fahrgäste von Bussen, Straßenbahnen, U- und S-Bahnen in der Hauptstadtregion müssen im nächsten Jahr durchschnittlich 2,3 Prozent mehr Geld für ihre Fahrkarten ausgeben.

Bundesweit steigen die Preise sogar deutlich stärker. „Im Schnitt liegen wir für dieses Jahr eher bei 3,5 Prozent“, sagte der Sprecher des Verbands der Verkehrsunternehmen, Lars Wagner, am Donnerstag. Der Branchenverband erwartet angesichts der knappen Kassen der Kommunen nicht, dass der Trend abflaut.

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So wird der ÖPNV finanziert

  • Viele Finanzierungstöpfe

    Unterschieden wird dabei grundsätzlich zwischen Schienenpersonennahverkehr (SPNV), also den von den Eisenbahnunternehmen wie der Deutschen Bahn befahrenen Strecken. Und dem Straßenpersonennahverkehr (ÖSPV) zu dem neben den Buslinien auch die Straßen- und U-Bahnen zählen. Die Übersicht zeigt die wichtigsten Bausteine.
    Quelle: Arbeitskreis Innovative Verkehrspolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung

  • Nutzerfinanzierung

    Der direkte Beitrag der Bürger ist der größte Baustein bei der Finanzierung des ÖPNV. Das meiste Geld wird dabei direkt über den Fahrkartenverkauf eingenommen. Hinzu kommen Erträge aus Werbe- und Pachteinnahmen. Der so eingenommen Betrag deckt oft aber nicht annähernd die tatsächlichen Kosten.

  • Tarifersatzleistungen

    Viele ÖPNV-Nutzer zahlen für ihre Fahrkarte nicht den vollen Preis. Dazu zählen unter anderem Schüler, Studenten und Besitzer von Sozialtickets. Die Differenz übernimmt die öffentliche Hand.

  • Steuerrechtliche Regelung

    Zusätzlich zu anderen Subventionen wir der ÖPNV auch steuerrechtlich begünstigt. So entfällt beispielsweise die Umsatzsteuer für Verkehrsverträge. Weil im Querverbund nichtversteuerte Gewinne aus lukrativen kommunalen Versorgungsunternehmen in den defizitären ÖPNV geschoben werden können, sparen die Kommunen so Steuern.

  • Investitionsförderung SPNV

    Für den Erhalt und Ausbau des Schienenpersonennahverkehrs ist bislang der Bund in zentraler Verantwortung. Er investiert in die Infrastruktur der Deutschen Bahn. Vielfach müssen sich jedoch auch die Länder und Kommunen an den Ausbaukosten beteiligen.

  • Investitionsförderung ÖSPV

    Das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz war über Jahrzehnte das wichtigste Fördermittel für den öffentlichen Straßenverkehr. Doch es wurde 2006 abgeschafft und durch das Entflechtungsgesetz abgelöst, das seinerseits 2019 ausläuft. Bereits 2014 läuft eine Zweckbindung für den Verkehr in Gemeinden aus.

  • Betrieb SPNV

    Seit der Bahnreform haben die Länder die Verkehrsverbünde oder andere Aufgabenträgerorganisationen über Verkehrsverträge mit dem Betrieb des Schienenverkehrs beauftragt. Dafür erhalten die Länder vom Bund über das Regionalisierungsgesetz einen Teil der Mineralölsteuereinnahmen. Dazu kommen noch die Trassenpreise, die die Unternehmen für die Nutzung der Schienen verlangen.

  • Betrieb ÖSPV

    Der ÖPNV auf der Straße, also Busse, Straßen- und U-Bahnen, ist Aufgabe der Kommune. Je nach Finanzsituation der Kommune schwankt auch die Unterstützung und das Angebot.

In den vergangenen Monaten hatten die großen Verbünde für den Jahreswechsel Zuschläge von über drei Prozent angekündigt. In Düsseldorf und dem Ruhrgebiet werden ab Neujahr 3,8 Prozent mehr fällig, im Rhein-Gebiet kostet die Fahrkarte durchschnittlich 3,45 Prozent mehr. Fahrgäste im Großraum München zahlen ab Mitte Dezember 3,6 Prozent mehr. Eine Einzelfahrt in der bayerischen Landeshauptstadt kostet dann wie in Berlin 2,70 Euro statt 2,60 Euro.

Vergleichsweise glimpflich kommen die Hamburger davon. Sie müssen zum Jahreswechsel voraussichtlich 2,6 Prozent mehr berappen. In Köln und Umland kommt eine Erhöung von 2,8 Prozent. Doch auch das liegt deutlich über der Inflation. Die vom Statistischen Bundesamt ermittelte allgemeine Preissteigerung liegt momentan bei 0,8 Prozent. Schon im vergangenen Jahr waren die Nahverkehrspreise bundesweit durchschnittlich um 3,3 Prozent gestiegen.

Preise für den Nahverkehr Warum Bus und Bahn so teuer sind

Teuer ist er, der ÖPNV in Deutschland. Das liegt nicht nur daran, dass die Kosten steigen und viele Strecken marode sind. Durch ein komplexes Finanzierungssystem bleibt auch viel Geld ungenutzt.

Quelle: dpa

Die kommunalen Verkehrsunternehmen sind für Städte und Gemeinden in der Regel Zuschussgeschäfte. Sie machen gestiegene Personal- und Energiekosten für die Aufschläge verantwortlich. „Neben den Mitteln der Öffentlichen Hand zur Finanzierung des Öffentlichen Nahverkehrs sind wir auf steigende Einnahmen aus den Ticketverkäufen angewiesen“, sagte VBB-Chefin Susanne Henckel.

Mit den Preisrunden in den Regionen verteuern sich auch Fahrten in den S-Bahnen und Regionalzügen der Deutschen Bahn - denn die meisten finden innerhalb von Verkehrsverbünden statt. Nur für den kleineren Teil, der darüber hinaus geht, macht die Bahn die Preise selbst und hatte dort Erhöhungen von 1,9 Prozent angekündigt. In der zweiten Klasse der Fernzüge verzichtet der Konzern dagegen in diesem Jahr auf Preiserhöhungen, weil ihn dort die Fernbusse unter Druck setzen.

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