Tiefwasserhafen: Jade-Weser-Port droht zum Flopp zu werden

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Tiefwasserhafen: Jade-Weser-Port droht zum Flopp zu werden

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Die Sanierung der Kaimauer am Jade-Weser-Port verzögert den Start des Tiefseehafens

von Christian Schlesiger

Nach dem Flughafen Berlin droht nun auch der Tiefwasserhafen Wilhelmshaven – eines der großen deutschen Infrastrukturvorhaben – zur Blamage zu werden.

Auf den Tag genau, nach zwei Monaten Fahrtzeit, erreichte die Zhen Hua 24 aus China Wilhelmshaven. Alles sprach dafür, dass der Spezialfrachter die vier je 1750 Tonnen schweren Containerbrücken an Deck so schnell wie möglich abladen würde. Und je eher die 80 Meter hohen Stahlkolosse stünden, desto früher würden sie ihren Dienst aufnehmen und Containerschiffe entladen können.

Doch der Eindruck täuschte. Kurz vor der Hafeneinfahrt verweigerte die Versicherung des Hafens die Haftung für das Unterfangen – wegen zahlreicher Baumängel und brüchigen Fundaments der Kaimauer. Nur ein Machtwort von Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode verhinderte, dass Zhen Hua 24 wieder abdrehte. Die landeseigene Hafengesellschaft, verfügte der Freidemokrat, werde für mögliche Schäden des riskanten Manövers aufkommen. Seitdem werden die gigantischen Kräne, die größten der Welt, behutsam aufgebaut.

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Eröffnung Ende September

Die eintägige Verzögerung Mitte Mai wäre kaum der Rede wert, wäre sie nicht symptomatisch für den Jade-Weser-Port (JWP) in Wilhelmshaven, mit einem Investitionsvolumen von einer Milliarde Euro eines der großen deutschen Infrastrukturvorhaben nach dem Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 und dem Flughafen Berlin-Brandenburg.

Mehr als 220 Risse haben sich inzwischen in die 1000 Meter lange neue Kaimauer gefressen, die einmal die größten Schiffe der Welt aufnehmen und der einzige Tiefwasserhafen Deutschlands werden soll. Statt demnächst riesige Containerschiffe zu empfangen und tonnenschwere Güter überall hin zu verfrachten, droht der deutschen Waterkant ein ähnlicher Flopp wie in der Bundeshauptstadt.

Umschlag und Kapazität der wichtigsten Nordseehäfen Quelle: Hafen Hamburg

Umschlag und Kapazität der wichtigsten Nordseehäfen (Klicken Sie für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik)

Bild: Hafen Hamburg

Der Starttermin Anfang August ist bereits Makulatur. Vergangene Woche kündigte Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) nach einem Krisentreffen mit allen Beteiligten an, der Hafen eröffne erst Ende September. Vorausgesetzt, die Unternehmensgruppe Bunte aus Papenburg, die für den Bau verantwortlich ist, übergibt bis August eine einwandfreie Kaimauer. Denn nur so sind die Planungen des Terminalbetreibers Eurogate zu halten, der mit einer Anlieferung der Containerbrücken schon im März gerechnet hatte und diese von Mitte Mai an testen wollte. „Für den Probebetrieb brauchen wir drei Monate“, heißt es bei Eurogate. Selbst der September-Termin wackelt daher gehörig.

Reedereien meiden den Hafen

Ob der Hafen danach durchstarten kann, ist aber weiterhin fraglich: „Reedereien schlagen aktuell noch einen Bogen um den Jade-Weser-Port“, sagt Jan Ninnemann, Professor für maritime Logistik an der HSBA Hamburg School of Business Administration. Ein Blick auf die Fahrpläne lasse keinen Rückschluss auf einen möglichen Anlauf von Wilhelmshaven zu. Die Reedereien hätten längst Speditionen als Kunden anwerben müssen: „Doch an der Vertriebsfront herrscht Stille.“

So gibt es bei den zwei großen deutschen Containerlinien Hapag-Lloyd und Hamburg Süd derzeit „keine Pläne“ für einen Anlauf in Wilhelmshaven, heißt es offiziell aus den Unternehmenszentralen in Hamburg. Und auch die Schweizerische Reederei MSC, die weltweite Nummer zwei, hat laut Insidern keine Pläne, Wilhelmshaven in ihr Streckennetz aufzunehmen.

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