Tourismus: Erste Lichtblicke für die Reisebranche

Tourismus: Erste Lichtblicke für die Reisebranche

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Für die Reisebranche geht ein schwieriges Jahr zu Ende.

Die Türkei-Krise hinterlässt tiefe Kratzer in der Tourismus-Bilanz. Erstmals seit Jahren schrumpft der deutsche Reisemarkt. Bringt das neue Jahr die Wende?

Urlaub bei Verwandten oder in Spanien statt in der Türkei: Anschläge in beliebten Tourismusregionen und die Krise am Bosporus haben das Reiseverhalten der Bundesbürger verändert. Erstmals seit Jahren schrumpft der deutsche Reisemarkt. Für die Fluggesellschaften lief es dennoch gut. Weltweit hatte es einen massiven Rückgang zuletzt in der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 gegeben. Die Buchungen für die schönsten Wochen des kommenden Jahres lassen die Branche aber Hoffnung schöpfen.

Die Konsumforscher von der Nürnberger GfK sehen in den aktuellen Zahlen für das wichtige Sommergeschäft eine „vielversprechende Tendenz“. Für verlässliche Prognosen sei es zwar noch zu früh, die Vorzeichen seien aber recht gut. Einschließlich November verzeichnen die Reisebüros ein Plus von 9 Prozent. Vor einem Jahr lagen die Buchungen für die Sommersaison noch 5 Prozent im Minus, wie aus der monatlichen Auswertung der GfK für die Fachzeitschrift „fvw“ hervorgeht.

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„Die Menschen werden immer noch in den Urlaub fahren, sie ändern nur die Urlaubsart und die Destinationen. Sie fahren an Orte, die sie als sicher wahrnehmen“, sagt Paco Buerbaum, Chef des Forschungsinstituts IPK International, voraus.

So digital sind die Reiseveranstalter

  • Die Studienkriterien

    In ihrer Studie untersuchte die Unternehmensberatung Lufthansa Consulting den Online-Auftritt, die Apps und auch die Nutzung von sozialen Netzwerken der wichtigsten Reiseveranstalter und Kreuzfahrt-Anbieter. Dabei achteten die Autoren vor allem auf die verschiedenen Angebote, auf Hilfestellungen für die Nutzer und wie einfach ein Kunde zwischen den verschiedenen Kanälen wechseln kann. Insgesamt hätten die Angebote so eine maximal 35 Punkte je Kanal sammeln können. Aus den erreichten Punkten errechneten die Studienautoren einen in Prozent angegebenen Reifegrad des Angebots.

  • TUI

    KanalOnlineAppSocial MediaØ in Prozent
    Ergebnis
    (Maximum 35 Pkt.)
    22211353%

    Der Reiseveranstalter Tui ist der größte in Deutschland und auch Europa, zu dem Imperium zählen Marken wie 1-2-Fly, Wolters Reisen und die Fluglinien Tui Fly, Corsair oder Thomson. Außerdem gehören Tui mehr als 300 Hotels.

    In der Studie erreichte Tui die höchste Punktzahl unter den untersuchten Reiseanbietern. Die App "Meine Tui" informiert Urlauber auch am Reiseziel über das Wetter und Ausflüge. Ein SMS-Service informiert die Kunden, wenn sich der Reiseablauf ändert.

  • Thomas Cook

    KanalOnlineAppSocial MediaØ in Prozent
    Ergebnis
    (Maximum 35 Pkt.)
    17141241%

    Thomas Cook ist in Deutschland der zweitgrößte Anbieter. Zu dem Imperium gehören neben Neckermann Reisen auch die Ferienfluglinie Condor. Mit seiner "Travel Insight" App holt Thomas Cook den klassischen Reisekatalog auf das Smartphone - eine schöne Inspiration.

  • FTI Group

    KanalOnlineAppSocial MediaØ
    Gesamtergebnis
    (Maximum 35 Pkt.)
    1571434%

    Zum Reiseveranstalter FTI gehören auch der Last-Minute-Anbieter 5vorFlug und der Sprachreisen-Organisator LAL. Im Test landete FTI im Mittelfeld. In den sozialen Netzwerken ist das Tourismusunternehmen zwar schon aktiv, doch eine App gibt es bisher nicht.

  • Alltours

    KanalOnlineAppSocial MediaØ in Prozent
    Ergebnis
    (Maximum 35 Pkt.)
    1871033%

    Alltours ist mit jährlich 1,8 Millionen Gästen und einem Umsatz von knapp 1,5 Milliarden Euro der sechtsgrößte Reiseveranstalter in Europa. Zu dem Unternehmen gehören 210 Reisebüros.

    In der Studie landete Alltours im Mittelfeld, auch weil der Reiseanbieter bisher noch über kein einziges Angebot für Smartphone-Nutzer verfügt.

  • Schauinsland-Reisen

    KanalOnlineAppSocial MediaØ in Prozent
    Ergebnis
    (Maximum 35 Pkt.)
    1571232%

    Auch Schauinsland-Reisen hat keine App. Der mittelständische Reisebetrieb ist zweitschlechtester Anbieter im Ranking.

  • DER Touristik

    KanalOnlineAppSocial MediaØ in Prozent
    Ergebnis
    (Maximum 35 Pkt.)
    1471231%

    DER Touristikschnitt, mit Marken wie ITS, Dertour und den ADAC Reisen einer der größten deutschen Reiseveranstalter, schnitt bei der Studie am schlechtesten ab. Die Tourismus-Tochter der Supermarkt-Kette Rewe sucht sich viele ihrer Kunden einfach über Werbeprospekte und seine 2100 Reisebüros. Das Online-Angebot ist dafür nicht besonders nutzerfreundlich.

Dazu zählten 2016 auch Besuche bei Verwandten und Freunden - ein Geschäft, das an den Urlaubsprofis vorbeigeht. Nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) stieg die Zahl dieser Besuche um zwei Prozent, während die Tages- und Übernachtungstrips insgesamt leicht um 0,3 Prozent sanken. Reisende in Europa hätten die Sicherheit einer privaten Unterkunft einer gewerblichen Unterkunftsart vorgezogen, vermutet Buerbaum.

Zwar boomten 2016 Spanien, Italien oder Deutschland. Doch die Bundesbürger mieden die Türkei, Ägypten und Tunesien - das hinterließ deutliche Spuren. Der Umsatz der Reiseveranstalter in Deutschland sank nach ersten Berechnungen des Branchenverbandes DRV um drei bis vier Prozent auf etwa 26,3 Milliarden Euro. Anschläge und Krisen hätten die Welt und die Touristik erschüttert, fasst DRV-Präsident Norbert Fiebig das Jahr zusammen. „Ein Jahr Wachstum hat der Reisevertrieb praktisch verloren“, erläutern die GfK-Konsumforscher.

Die Zahl der Flugreisen stieg in der jüngsten Sommersaison insgesamt dennoch. Von April bis Oktober flogen 58,9 Millionen Fluggäste von Deutschland ins Ausland, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Das waren 2,3 Prozent mehr als während des Sommerflugplans 2015.

Deutschlands größte Reiseveranstalter

  • Platz 7

    Schauinsland Reisen - 701 Millionen Euro Umsatz (Stand: 2012)

    Die Duisburger haben sich von einem Transportunternehmen zu einem der größten Reiseunternehmer gemausert. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen 220 Mitarbeiter.

  • Platz 6

    Aida Cruises - 1,1 Milliarden Euro Umsatz

    Der Kreuzfahrtkonzern ist nicht nur der größte Arbeitgeber Mecklenburg-Vorpommerns, sondern auch einer der größten deutschen Reisekonzern. Zur Flotte des Unternehmens gehören derzeit zehn Kreuzfahrtschiffe.

  • Platz 5

    Alltours - 1,4 Milliarden Euro Umsatz

    Aus einem kleinen Reisebüro in Kleve hat Willi Verhuven einen der größten deutschen Reisekonzerne geformt. Heute sitzt die Firma in Duisburg.

  • Platz 4

    FTI - 1,62 Milliarden Euro Umsatz

    Als das Unternehmen in München gegründet wurde, konzentrierte es sich auf Reisen in den Mittelmeerraum. Inzwischen stehen über 80 Länder im FTI-Katalog.

  • Platz 3

    Rewe-Touristik - 3,18 Milliarden Euro Umsatz

    Jahn Reisen, Tjaereborg und Meier's Weltreisen - so heißen die großen Marken, die zum Rewe-Konzern gehören. Gemeinsam erwirtschaften Sie einen großen Teil des Umsatzes des Handelskonzerns.

  • Platz 2

    Thomas Cook - 3,2 Milliarden Euro Umsatz

    Durch Condor gehört das Reiseunternehmen aus London auch in Deutschland zu den größten Reiseveranstaltern.

  • Platz 1

    Tui Deutschland - 4,47 Milliarden Euro Umsatz

    Kein Touristikkonzern ist breiter aufgestellt als die Tui. Allein in Europa betreiben die Hannoveraner 3500 Reisebüros.

Deutliche Kratzer in der Bilanz hinterließ die Türkei-Krise bei Europas zweitgrößtem Reiseveranstalter Thomas Cook, der in Deutschland Marktführer für Reisen in das Land am Bosporus ist. Im abgelaufenen Geschäftsjahr verdiente Thomas Cook unterm Strich neun Millionen Pfund und damit nur knapp halb so viel wie ein Jahr zuvor.

Die Aussichten für Türkei-Reisen schienen auch für 2017 gedämpft - schon vor den jüngsten Anschlägen in dem Land, bei denen es erneut Tote gab. „Die kurzfristigen Buchungen liegen teils über dem Vorjahresniveau. Unser Problem sind die längerfristigen Buchungen“, sagte die Deutschland-Chefin von Thomas Cook, Stefanie Berk, jüngst der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ mit Blick auf die Türkei.

Auch Europas Branchenprimus Tui bekam die Turbulenzen nach Anschlägen und dem gescheiterten Militärputsch in dem bei Bundesbürgern einst so beliebten Reiseland am Bosporus zu spüren. „Wir hatten insgesamt mehr Kunden als im Vorjahr, aber eine Million weniger in der Türkei“, berichtete Tui-Chef Fritz Joussen bei der Vorlage der Bilanz.

Immerhin im Ägypten-Geschäft deutet sich eine Trendwende an. Viele Veranstalter haben dem DRV zufolge ihr Angebot für das Land am Nil wieder ausgebaut. Sie hoffen, dass die Nachfrage anzieht. „Erste Tendenzen in diese Richtung sind erkennbar“, sagt Fiebig. Eine sichere Bank scheint weiterhin Spanien zu sein. Die Buchungen für die Kanaren und Balearen ziehen dem DRV zufolge weiter an - besonders für die Osterferien.

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