Tourismus: Kreuzfahrtboom auf der Ostsee

Tourismus: Kreuzfahrtboom auf der Ostsee

Bild vergrößern

125 Anläufe von Kreuzfahrtschiffen erwartet Kiel in diesem Jahr. In 2010 sollen sie 150-mal an den Kais der Landeshauptstadt festmachen

Der Kreuzfahrttourismus auf der Ostsee boomt. Davon profitiert auch die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt Kiel.

Ein kurzer Blick aus dem Fenster reicht Ulf Jahnke, um zu sehen, wie die Geschäfte laufen. Vom Schreibtisch seines Büros im siebten Geschoss hoch über der Kieler Innenförde überblickt der Kommunikations- und Strategiechef des Seehafens Kiel die ein- und auslaufenden Schiffe. Deren Zahl ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Vor allem das Geschäft mit Kreuzfahrten und Fährverbindungen über die Ostsee boomt. „Da drüben ist einer unserer wichtigsten Wachstumsträger“, sagt Jahnke und deutet aus seinem Fenster auf die andere Seite der Kieler Förde. Dort am Norwegenkai bereitet sich gerade die „Color Magic“ der norwegischen Reederei Color Line auf das Auslaufen nach Oslo vor. Zusammen mit ihrem Schwesterschiff, der „Color Fantasy“ ist sie das größte Kreuzfahrtschiff im Liniendienst weltweit und verbindet Kiel täglich mit der norwegischen Hauptstadt.

Mehr als 850.000 Passagiere hat die norwegische Reederei mit ihren beiden Schiffen im vergangenen Jahr über die Ostsee befördert, dieses Jahr peilt sie die Marke von einer Million an. Seit der Inbetriebnahme des Luxus-Fährschiffs 2004 hat sich die Zahl der Passagiere verdoppelt. „Color Line hat mit seinen Luxus-Kurzkreuzfahrten zwischen Kiel und Oslo einen neuen Trend kreiert, der voll eingeschlagen“ hat, sagt Jahnke.

Anzeige

Denn die „Fantasy“ und die „Magic“ bieten ihren Gästen weit mehr als nur eine schnöde Schiffspassage. Während der 20-stündigen Reise über die Ostsee steht Luxus pur auf dem Programm. Acht verschiedene Restaurants, eine 160 Meter lange Shopping-Mall, die sich über drei Decks erstreckt, ein Spaßbad, ein Spa und Fitness-Center, ein Kasino, Musical-Shows und mehrere Discos buhlen um die Gunst der Passagiere. „Mit der Fantasy und Magic reist man nicht, um anzukommen, sondern um zu reisen“, erklärt Jan-Hendrik Köhler-Arp, Marketing-Direktor der Color Line, das Erfolgsrezept seiner Reederei. Die Norweger haben es geschafft, die drei Boom-Trends Kurzreise, Luxus und Kreuzfahrt miteinander zu kombinieren.

Ohne viel Schnickschnack

Davon profitiert der Seehafen Kiel. Im vergangenen Jahr liefen 114 Kreuzfahrtschiffe die Förde-Stadt an, mehr als doppelt so viel wie im Jahr 2000. Ein Ende des Booms ist nicht absehbar. Für dieses Jahr haben sich bereits 125 Kreuzfahrtschiffe angemeldet. Die Zahl der Passagiere, die in Kiel einen Stopover einlegen oder von dort aus in See stechen, dürfte sich auf 190.000 erhöhen nach 173.000 im Vorjahr. Das lässt nicht nur die Kassen bei den Reedereien klingeln. Auch der Einzelhandel und das Hotelgewerbe in Kiel profitieren von den zahlungskräftigen Gästen.

Dabei ist es noch gar nicht lange her, dass sich die Fährlinien darauf beschränkten, Urlauber und Geschäftsreisende ohne viel Schnickschnack zwischen Skandinavien und Deutschland zu befördern. Der Hafen, den die Landeshauptstadt damals noch selbst bewirtschaftete, brachte der Stadtkasse nichts als rote Zahlen. Erst als die Stadtväter das Management des Hafens Mitte der Neunzigerjahre an das neu gegründete Tochterunternehmen Seehafen Kiel ausgliederten, wendete sich das Blatt.

Das Hafenmanagement investierte in die Modernisierung und den Ausbau der Kaianlagen und schuf so die Voraussetzung für die Expansion des Kreuzfahrtgeschäfts. Mittlerweile besitzt Kiel mit dem Norwegen- und dem Ostseekai zwei hochmoderne und leistungsfähige Passagierterminals. Demnächst erhält auch der dritte große Anleger, der Schwedenkai, ein neues Terminalgebäude.

Queen Mary 2 - Kiel hat es Quelle: dpa

Queen Mary 2 - Kiel hat es geschafft, binnen weniger Jahre zum beliebtesten Kreuzfahrthafen in Deutschland zu werden

Bild: dpa

Angesichts des marktnahen Managements des Seehafens fiel es der Color Line nicht schwer, Kiel von der Idee zu begeistern, den Fährverkehr zwischen der Förde-Stadt und Oslo zu Luxus-Kurzkreuzfahrten aufzuwerten. Ohnehin hatte die Stadt gerade damit begonnen, unter dem Slogan „Kiel.sailing city“ ihre natürlichen Standortvorteile aktiv zu vermarkten: die Kombination aus Meer und Großstadt, Urlaub und Business, Wassersport und Kultur.

Es ist diese Mischung, die viele Gäste anlockt. In keiner anderen Stadt liegen Schiffsanleger und Innenstadt so nahe beieinander wie in Kiel. Vom Schwedenkai sind es gerade einmal drei Minuten bis in die Einkaufszone. Selbst vom Norwegenkai auf dem gegenüberliegenden Ufer der Förde ist man dank einer Fußgängerbrücke binnen zehn Minuten mitten in der Kieler Shopping-Mall. Auch für die norwegischen Fährgäste der Color Line, die nur drei bis vier Stunden Aufenthalt in Kiel haben, lohnt sich deshalb der Einkaufstrip.

Die skandinavischen Gäste wissen vor allem das im Vergleich zu ihrer Heimat günstige Preisniveau in Kiel zu schätzen. Um den Gästen die nervige und zeitraubende Suche nach den passenden Geschäften und Lokalen zu ersparen, setzt die Landeshauptstadt Service-Guides ein, die den ankommenden Passagieren mit Tipps und Hinweisen zur Seite stehen. „Vor allem die älteren Passagiere nehmen das Angebot gern an“, sagt Uwe Wanger, Marketing-Chef der Stadt Kiel.

Noch einen Schritt weiter geht die schwedische Reederei Stena Line, die täglich Göteborg mit Kiel verbindet. Die Schweden arbeiten mit einem Einkaufspark in Kiel zusammen, der seine Waren in schwedischen Tageszeitungen inseriert und die Fährgäste bei ihrer Ankunft in Kiel mit dem Bus abholt und nach dem Shoppingausflug wieder zum Schiff zurückbringt.

Das zahlt sich aus. Insgesamt gaben die Passagiere der Fährschiffe im vergangenen Jahr 5,7 Millionen Euro bei ihren Landgängen in Kiel aus. Dazu addieren sich noch die 1,2 Millionen Euro der Kreuzfahrtpassagiere, die in Kiel einen Stopover einlegten. „Rechnet man das Geld hinzu, das die Besatzungsmitglieder der Schiffe in Kiel ausgaben, kommt man auf eine Gesamtsumme von über 8,1 Millionen Euro“, sagt Marketing-Chef Wanger.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%