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Trenkwalder hat nicht den besten Ruf: So geht Amazons Leiharbeitsdienst vor

von Harald Schumacher

Der verschwiegene Berater Walter Droege steht mit seinem Arbeitskräfteverleiher Trenkwalder, der für Amazon tätig ist, am Pranger. Doch er weist sämtliche Vorwürfe zurück: "Wir sind keine Preisbrecher".

Händeringend Saisonarbeiter gesucht: Amazon-Logistikzentrum in Bad Hersfeld Quelle: dpa
Händeringend Saisonarbeiter gesucht: Amazon-Logistikzentrum in Bad Hersfeld Quelle: dpa

Bei uns "steht der Mensch im Mittelpunkt", behauptet die Homepage des Zeitarbeitsunternehmens Trenkwalder. Mit insgesamt 70 000 Leiharbeitskräften in Europa ist es in Österreich und Ungarn die Nummer eins und im deutschen Ranking 13. mit Expansionsdrang. Der "steigenden Verantwortung" stelle sich Trenkwalder "ganz bewusst", tönt das Unternehmen mit Hauptsitz nahe Wien, das seit 2011 zu 87,5 Prozent der Düsseldorfer Beratung Droege Group gehört und von ihr gesteuert wird.

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Nun wird Trenkwalder an den eigenen hehren Maßstäben gemessen. Denn seit vergangenem Montag stehen der Arbeitskräfteverleiher und der Internet-Shopping-Gigant Amazon gemeinsam am Pranger. Der ARD-Film "Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon" warf dem Handelsriesen vor, im Weihnachtsgeschäft Leiharbeiter unter anderem schlechter als vereinbart bezahlt und miserabel behandelt zu haben. Dass nun die Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg bei Trenkwalder "Verstöße gegen das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz" feststellte, ist auch ein Schlag für Investor Walter Droege.

"Preisbrecher und Billigheimer"

Trenkwalder hat nicht den besten Ruf in der Branche. Das Unternehmen "drängte im Massengeschäft mit niedrigen Preisen robust in den Markt", erinnert sich der Funktionär eines Zeitarbeitsverbands. Ein anderer sagt: "Trenkwalder ist Preisbrecher und Billigheimer." Daran habe sich auch seit der Übernahme durch Droege "nichts geändert". Trenkwalder widerspricht: "Wir sind keine Preisbrecher."

Leiharbeiter-Beschäftigung Amazon will Vorwürfe der ARD prüfen

Es ist nicht die erste Kritik an den Arbeitsbedingungen bei Amazon. Doch eine ARD-Doku zeichnet ein ziemlich düsteres Bild vom Umgang mit Leiharbeitern. Der Online-Händler will den Vorwürfen nachgehen.

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Dass Versandhandelsaufträge nur über einen "ruinösen Preiskampf" zu gewinnen seien, bezeichnet Marcus Schulz, Geschäftsführer des achtgrößten Personaldienstleisters USG People Germany mit Hauptsitz in München, allerdings als offenes Geheimnis: "Der Versandhandel sucht zu Saisonzeiten händeringend nach Mitarbeitern und lässt diese durch ‚Leiharbeitsbuden‘ überall in Deutschland und Europa rekrutieren. Die beschriebenen Arbeitsbedingungen für Zeitarbeitnehmer im Fall Amazon sind eine Schande." USG People lehne "eine Zusammenarbeit mit solchen Auftraggebern" ab.

Droege war nicht so wählerisch. Der Unternehmensberater – im "Manager-Magazin"-Ranking der reichsten Deutschen mit 1,3 Milliarden Euro zuletzt auf Platz 85 – übernahm die nach der Konjunkturkrise 2009 angeschlagene Trenkwalder-Gruppe im August 2011. Seit Jahren fährt er das schwieriger gewordene Beratungsgeschäft zurück – von einst 300 Beratern auf derzeit 100 – und investiert stattdessen in angeschlagene Unternehmen. Sechs Mittelständler vom Düsseldorfer Pharmahersteller HAL Allergy bis zum hessischen Tresorbauer Format hat Droege im Portfolio.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 25.02.2013, 11:45 UhrSchneider

    Die Zeitarbeiter aus Spanien haben bei Amazon 8,53€ bekommen zudem kostenlose erpflegung und Übernachtung. Das ist mehr als der DGB mit seiner eigenen Zeitarbeitsfirma Weitblick seinen Mitarbeitern zahlt. Was die Gewerkschaften nicht daran hindert über Zeitarbeit zu wettern.

  • 24.02.2013, 09:22 UhrMatthes

    Warum echauffieren?
    Die Leiharbeit wurde von der Politik im Auftrag der Wirtschaft eingeführt. Damit Deutschland vergleichsmäßig billige Arbeitskräfte bekommt. Und der Steuerzahler die Gehälter der Wirtschaft zahlt. Und die Politik schöne Zahlen vorweisen kann.

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