Tui vor neuen Herausforderungen: Was Joussen nach dem Rekordjahr anpacken muss

Tui vor neuen Herausforderungen: Was Joussen nach dem Rekordjahr anpacken muss

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Ein Tui-Hotel in Mallorca: Weil viele Urlauber nach den Terroranschlägen in Ägypten und Tunesien verunsichert sind, setzt Tui in diesem Jahr auf Spanien und Griechenland.

von Jacqueline Goebel

Tui hat im vergangenen Jahr viel geschafft: Der Reisekonzern hat erstmals mehr als eine Milliarde Euro verdient. Doch die Terror-Angst und ein Richtungsschwenk in Deutschland stellen Tui vor Herausforderungen.

Fritz Joussen ist stolz, dass er seine Versprechen halten konnte. Vor drei Jahren hat der ehemalige Vodafone-Chef die Leitung des Reisekonzerns von seinem Vorgänger Michael Frenzel übernommen. Seit dem arbeitete Joussen an einem harten Sanierungsplan, damit der Tourismusriese endlich auch bei seinen Aktionären Urlaubsstimmung auslösen kann.

Im vergangenen Geschäftsjahr, das für den Reisekonzern im Oktober endete, zeigten sich die Ergebnisse: Endlich ist die lang geplante Vereinigung mit der britischen Tochter Tui Travel abgeschlossen. Und zum ersten Mal hat der Reisekonzern mehr als eine Milliarde Euro verdient.

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Trotz aller Turbulenzen war das vergangene Jahr damit das erfolgreichste in der Unternehmensgeschichte. 20 Milliarden Euro hat Tui mit seinen Pauschalreisen, Ressortanlagen, Kreuzfahrten und Flugzeugen umgesetzt, das sind acht Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders gut liefen die Geschäfte mit den eigenen Hotels und Kreuzfahrtschiffen. Der operative Gewinn (Ebitda) stieg sogar um beinahe 23 Prozent auf insgesamt 1,07 Milliarden Euro an.

Diese Nationen verreisen am meisten

  • Platz 6

    Die Kanadier landen auf Platz 6 der Nationen, die am meisten Reisen außerhalb ihres Landes machen. Auch bei den Ausgaben für ihre Urlaube landen die Kanadier auf Platz 6.

  • Platz 5

    Platz 5 geht an die reisefreudigen Franzosen. Allerdings reisen Franzosen günstiger als andere Nationen: Betrachtet man die Ausgaben der Urlauber aus den unterschiedlichen Ländern, landet Japan auf Rang 5.

  • Platz 4

    Rund 1,37 Milliarden Chinesen gibt es auf der Welt, immer mehr von ihnen reisen in andere asiatische Länder, aber auch nach Europa oder Amerika. Damit erreichen die Chinesen Platz 4 der Nationen mit den meisten Reisen. Was die Urlaubsausgaben angibt, erreichen die Chinesen sogar den zweiten Rang.

  • Platz 3

    Die Briten lieben ihren All-Inclusive-Urlaub. Das bringt ihnen Rang 3 der reisefreudigsten Nationen. Bei den Ausgaben allerdings landet Großbritannien nur auf dem vierten Rang.

  • Platz 2

    Kaum eine Nation ist häufiger im Ausland anzutreffen als die Amerikaner: Die USA erreicht mit ihren rund 320 Millionen Einwohnern Rang zwei der Nationen mit den meisten Urlaubsreisen. Bei den Ausgaben rücken die Amerikaner sogar auf den ersten Platz.

  • Platz 1

    Urlaubsweltmeister aber bleiben die Deutschen: 80 Millionen Einwohner machen rund 70 Millionen Urlaubsreisen im Jahr - allerdings vor allem günstige. Beim Umsatz mit Auslandsreisen erreicht Deutschland nur Rang 3.

Unter dem Strich schrieb das Unternehmen 340 Millionen Euro Überschuss. Der Reisekonzern feiert den Rekordgewinn, in dem er seinen Aktionären eine um 70 Prozent höhere Dividende von 56 Cent pro Aktie spendieren will. Der Aktienkurs des Pauschalspezialisten stieg daraufhin um sieben Prozent.

Tuis Probleme

Dabei war das Jahr für den Konzern durchaus turbulent: Im Juni erschütterte die Nachricht von einem Terror-Anschlag in Tunesien auf ein Hotel der Riu-Kette, an dem auch Tui beteiligt ist, die Zentrale in Hannover. Die Urlauber bleiben seit dem fern. Im November enttäuschte der stolpernde Börsengang der Reederei Hapag-Lloyd die Aktionäre, Tui musste deshalb fast 150 Millionen Euro abschreiben. Und in Deutschland, noch immer einer der wichtigsten Märkte für Tui, verkündete der neue Geschäftsführer Sebastian Ebel einen völligen Richtungsschwenk.

Vorstandschef Friedrich Joussen steht deshalb vor der nächsten Herausforderung: Er muss beweisen, dass seine Erfolge nachhaltig sein können. Im kommenden Geschäftsjahr will er den Gewinn noch einmal um zehn Prozent steigern, der Umsatz soll um drei Prozent zulegen. In Zeiten, in denen Terroristen immer öfter auf Urlaubsorte zielen, sind das ambitionierte Ziele.

Die Angst der Urlauber Wie Terroristen den Tourismus verändern

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Hotelbetreiber in Ägypten, Tunesien oder der Türkei fürchten dunkle Zeiten: Aus Verunsicherung und aus Angst vor Terroristen suchen sich Reisende lieber neue Ziele. Quelle: dpa Picture-Alliance

Bisher immerhin liegen die Buchungszahlen für das neue Jahr im Plan. Die einzige Ausnahme bildet Ägypten mit dem Urlaubsort Sharm El Sheikh. 45 Hotels hat Tui in dem zuletzt von Anschlägen betroffenen Urlaubsland. Aus Tunesien hingegen hat sich der Reisekonzern schon weitgehend zurückgezogen. Der Anschlag auf den Hotelstrand hat Tui auch finanziell getroffen: Mit Stornierungen, Vertragskündigungen und Rückstellungen summiert sich der Schaden auf 52 Millionen Euro. Der Großteil der Verträge mit den Hotelpartnern vor Ort hat Tui aufgelöst, nur 14 gepachtete Hotels bleiben in der Gruppe.

Tui will Urlauber nun nach Spanien, Griechenland oder in die Karibik locken. Für den Reisekonzern hat das auch Vorteile: Im Vergleich zu wie Tunesien oder Ägypten sind die spanischen Ressorts deutlich teurer. „Die Durchschnittspreise steigen im Moment an", sagt Joussen. Für Tui ist das eine Chance, die Marge zu steigern.

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