
Urlaubsstimmung wird bei TUI-Chef Michael Frenzel zwar nicht unbedingt aufkommen, wenn er auf die Zahlen seiner wichtigsten Tochtergesellschaft TUI Travel blickt. Der Konzern in Hannover hält 56 Prozent an dem britischen Reiseveranstalter. Und die Ergebnisse, die sein Gegenpart aus der Londoner Zentrale, Peter Long, heute verkündet hat, sind alles andere als gut. Der Umsatz stieg im ersten Quartal des Geschäftsjahres zwar um fünf Prozent auf 3,42 Milliarden Euro. Doch der Verlust erhöhte sich auf 124 Millionen Euro – ein Plus von 27 Prozent.
Dennoch kann sich TUI-Chef Frenzel aus zwei Gründen glücklich schätzen. Zum einen hat TUI Travel deutlich besser abgeschnitten als der größte Konkurrent Thomas Cook. Während TUI Travel beim Verkauf der Sommerkapazitäten gut voran kommt und bereits ein Drittel an den Urlauber gebracht hat, soll es beim britischen Wettbewerber weitaus schlechter aussehen.
Bild: dapdTunesischer Frühling
Die Revolution in den nordafrikanischen Staaten haben Freiheit und Demokratie in die arabischen Länder gebracht, aber den Tourismus bitter getroffen. Inzwischen keimt wieder Hoffnung auf. Vor allem Tunesien, wo einst der Arabische Frühling seinen Anfang nahm, entwickelt sich gut. Das ergab eine Umfrage unter den führenden deutschen Reiseveranstaltern. Ägypten wird aber wohl noch so lange leiden, bis die ersten freien Wahlen im Sommer über die Bühne gegangen sind. Vorausgesetzt, es bleibt friedlich. Ansonsten droht der Rückfall in Krisenzeiten.
Was die einzelnen Reiseveranstalter sagen und mit welchen Preisen sie rechnen…
Bild: dpaTUI
Der deutsche Marktführer hat die Destinationen Algerien und Libyen nicht im Programm, dafür aber Ägypten. Und mit der Entwicklung schien man in Hannover durchaus zufrieden. „In Ägypten geht die Erholung insgesamt schneller voran als in Tunesien“, heißt es bei TUI Deutschland. „Die immer wieder aufflammenden Demonstrationen haben die Entwicklung allerdings gebremst.“
Bild: gmsGebremste Euphorie in Ägypten
Unterm Strich liegen die Buchungen für den laufenden Winter als auch für die Sommersaison noch „spürbar unter den Vorjahreszahlen“. Zu berücksichtigen sei allerdings, dass Ägypten gegen ein Boomjahr anlaufe. Bis Mitte Januar war der Winter 2010/2011 die beste Ägyptensaison, die es je bei TUI gab. Hurghada, das mit Abstand bedeutendste Ziel für TUI, verzeichnet die schnellste Erholung, insbesondere der Winter läuft „zufriedenstellend“. Die differenzierten Hotelkonzepte wie Robinson, Club Magic Life und Sensimar würden besonders gut nachgefragt. Generell gilt: „Sollte Ruhe einkehren, hat vor allem Ägypten gute Chancen, sich schneller zu erholen.“
Preisentwicklung:
Im Sommer 2012 sinken die Preise in Ägypten und Tunesien um rund ein Prozent.
In Marokko liegen die Preise für den Sommer 2012 auf Vorjahresniveau.
Bild: dapdThomas Cook
Der Reiseveranstalter mit den Marken Neckermann, Thomas Cook und Bucher konzentriert sich in Arabien auf die Länder Tunesien und Ägypten. „Beide Länder haben sich im Winter noch nicht wieder erholt“, heißt es aus Oberursel. Im Sommer 2012 liege Tunesien „leicht über dem Vorjahr, Ägypten noch darunter“.„Tunesien hat gute Chancen, sich im kommenden Sommer wieder zu erholen“, so die Botschaft bei Thomas Cook. Für Ägypten ...
Bild: dapdWarten auf die ersten Wahlen
.... müsse man die Entwicklung nach der Parlaments- und der Präsidentschaftswahl abwarten. „Es gibt aber erste Anzeichen, dass alle Parteien die Wichtigkeit des Tourismus für das Land erkannt haben“, so Thomas Cook. „Vorausgesetzt die Lage stabilisiert sich weiter, könnte Ägypten ab dem kommenden Winter zur alten Stärke zurückfinden.“ Interessant: Insbesondere in Ägypten entstünden viele neue hochwertige Hotelprodukte. „Dies hat sich durch die Krise kaum verlangsamt.“
Preisentwicklung:
Winter 2011/12: Ägypten -3%, Tunesien: -1%
Sommer 2012: Ägypten: -1%, Tunesien: -3%
Bild: dpaRewe Touristik: Tunesien überrascht
Mit den Marken ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg zählt Rewe Touristik zu den Marktführern in Tunesien. Sören Hartmann, Sprecher der Geschäftsführung, ist „positiv überrascht, wie schnell sich die Gästezahlen dort erholen“. Natürlich lägen die Zahlen noch nicht wieder auf Vorkrisenniveau, aber der Trend weist vor allem in Tunesien eine eindeutige Richtung: „Rückkehr zu alter Stärke“, so Hartmann. Das Land mache von den krisengeschüttelten Ländern den stabilsten Eindruck, biete außerdem das beste Preis-Leistungs-Verhältnis am Mittelmeer. Auch Ägypten konnte aufholen....
Bild: dpaÄgypten holt auf
Das Land sei für Rewe Touristik neben den Kanarischen Inseln eines der wichtigsten Winterziele. „Die Nachfrage in der Vorweihnachts- und Weihnachtszeit und über den Jahreswechsel war 2011 sehr hoch“, sagt Hartmann. Mit den Buchungen für die kommende Sommersaison ist er „zufrieden“. Mit unseren Veranstalter bietet die Veranstaltermarken hauptsächlich die Badeorte am Roten Meer an, Schwerpunkte sind Hurghada, Marsa Alam und Sharm El-Sheikh. „Die Unruhen in Kairo kommen dort nicht an.“
Preisentwicklung:
Zur Wintersaison 2011/12 sind Reisen nach Ägypten und Tunesien bei ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg preisgleich geblieben, Marokko verzeichnete einen leichten Preisanstieg.
Zur Sommersaison 2012 liegen Ägyptenreisen im Schnitt 3 Prozent unter den Vorjahrespreisen, Tunesien und Marokko liegen auf Vorjahresniveau.
Bild: dpaAlltours
Der Duisburger Reiseveranstalter Alltours hat Tunesien und Ägypten im Programm. „Tunesien wächst zweistellig“, heißt es bei Alltours. Djerba laufe „überproportional gut“. In Tunesien sei Alltours insgesamt auf einem guten Weg. „Im Sommer werden wir wieder auf Niveau 2009 oder besser sein“, heißt es Duisburg. Auch Ägypten werde „von Woche zu Woche besser“. Enttäuscht sei man in Duisburg allerdings über Luxor…
Bild: dpaPreisoffensive für Arabien
Das Reiseziel laufe innerhalb Ägyptens „am schwächsten“. In Ägypten hänge nun alles von der weiteren politischen Entwicklung ab. „Wenn es keine Rückschläge gibt, dann solle in einigen Monaten wieder die Buchungsnormalität für dieses attraktive Ziel einsetzen.“
Preisentwicklung:
Sommer: Tunesien - 6,5% , Ägypten - 2,5%
Winter: Tunesien - 7%, Ägypten - 4,5%
Bild: dpaFTI
Die Buchungszahlen für Ägypten für den Winter 2011/12 sind „recht gut“, heißt es bei Deutschlands Nummer fünf im Pauschalreisemarkt. Marokko habe die Erwartungen absolut erfüllt. Tunesien treffen die Ereignisse des Arabischen Frühlings womöglich am stärksten, „aber die Buchungen sind angesichts der Umstände gut“, so das Fazit bei FTI. Für den Sommer zeichnet sich eine ähnliche Tendenz ab. Reisen nach Algerien und Libyen bietet FTI nicht an.
Tunesischer Frühling
Die Revolution in den nordafrikanischen Staaten haben Freiheit und Demokratie in die arabischen Länder gebracht, aber den Tourismus bitter getroffen. Inzwischen keimt wieder Hoffnung auf. Vor allem Tunesien, wo einst der Arabische Frühling seinen Anfang nahm, entwickelt sich gut. Das ergab eine Umfrage unter den führenden deutschen Reiseveranstaltern. Ägypten wird aber wohl noch so lange leiden, bis die ersten freien Wahlen im Sommer über die Bühne gegangen sind. Vorausgesetzt, es bleibt friedlich. Ansonsten droht der Rückfall in Krisenzeiten.
Was die einzelnen Reiseveranstalter sagen und mit welchen Preisen sie rechnen…
Vor wenigen Wochen vermeldete ein Branchendienst, die Sommerbuchungen lägen ein Drittel unter den Vorjahreswerten. Zwar könnte das auch an den Kapazitätskürzungen liegen, die Thomas Cook vorgenommen hat. Doch auch TUI Travel ist davon überzeugt, Marktanteile gewonnen zu haben. Thomas Cook veröffentlicht die Ergebnisse morgen.
Verhandlungen über Hapag-Lloyd-Verkauf
Der zweite Grund: Über eine allzu gute Performance von TUI Travel kann TUI-Chef Frenzel derzeit gar nicht erfreut sein. Derzeit verhandelt der Manager über den Verkauf der Hapag-Lloyd-Anteile. TUI hält 38,4 Prozent an der Reederei aus Hamburg.
Ein Drittel davon will Frenzel noch im Februar verkaufen und die Verhandlungen mit Interessenten wie der Stadt Hamburg und dem Logistikmilliardär Klaus-Michael Kühne scheinen auf gutem Weg. Frenzel dürfte sich über Milliardeneinnahmen freuen, die er woanders investieren will. Der Kauf der restlichen TUI-Travel-Anteile gilt als wahrscheinlichstes Szenario, auch wenn er dies öffentlich nie äußert.
Doch je besser TUI Travel läuft, je höher Umsätze und Gewinne, desto teurer wäre der Rückkauf der Aktien. Ohnehin hat die TUI-Travel-Aktie seit November vergangenes Jahres um die Hälfte zugelegt. Alles, was den Kurs nun kurzfristig drückt, dürfte Frenzel begrüßen. Heute ging es schon mehr als drei Prozent abwärts.
























