TV-Rechte im Sport: Eurosport schnappt ARD und ZDF Olympia weg

KommentarTV-Rechte im Sport: Eurosport schnappt ARD und ZDF Olympia weg

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2020 und 2024 wird Olympia nicht durch ARD und ZDF übertragen.

von Peter Steinkirchner

Es kommt einer Zäsur gleich: Die Olympischen Spiele zwischen 2018 und 2024 werden nicht bei den Öffentlich-Rechtlichen übertragen. Die Rechte hat sich die Eurosport-Mutter Discovery gesichert – für 1,3 Milliarden Euro.

Die Meldung ist ein ziemlicher Hammer: Das US-Unternehmen Discovery hat sich die TV-Rechte der Olympischen Spiele für den europäischen Markt gesichert. Was auf den ersten Blick so lapidar daherkommt, hat es in sich. Denn seit Menschengedenken und gefühlt seit der Steinzeit sind des ARD und ZDF gewesen, die beiden öffentlich-rechtlichen Sender, die den Deutschen alles rund um Olympia servierten.

Stattdessen gilt nun: die Spiele im kommenden Jahr in Rio sind vorerst die letzten, die die Gebührensender zeigen werden. Denn Discovery meldet nun, dass der von 2018 bis 2024 geltende Vertrag auch für den deutschen Markt gelte. Discovery hat für das exklusive Rechtepaket 1,3 Milliarden Euro an das Internationale Olympische Komitee bezahlt. Die Übertragungen selbst dürften dann ab den Winterspielen 2018 über Eurosport laufen.

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Luftbild des Entwurfs für Hamburgs Olympia-Bewerbung: Ein Stadion am Wasser. Quelle: dpa-Picture-Alliance - gmp, Büro-Gärtner-und-Christ

„Zwischen Discovery und dem IOC wurde ein wichtiger Vertrag geschlossen“, jubilierte IOC-Chef Thomas Bach in einer Mitteilung: „Wir freuen uns, dass Eurosport der neue Partner des olympischen Sports ist. Diese Vereinbarung sorgt für eine umfassende Berichterstattung über die Olympischen Spiele in ganz Europa, und dazu gehört die Garantie einer umfangreichen Free-TV-Berichterstattung in allen Märkten.“

Diskussion um öffentliche Sender

ARD und ZDF dagegen wurden von dem neuen Vertrag des IOC mit Discovery offensichtlich kalt überrascht. Eine aktuelle Stellungnahme gab es am Mittwochnachmittag zunächst nicht. An einer solchen dürften die Sender gerade fieberhaft basteln. Denn damit geschieht genau das, wovor sich beide fürchten: Sie werden ausgerechnet bei einem Thema, das sie jahrelang als ihre eigene Domäne betrachtet haben, ausgebootet von einem Privatsender.

Das Problem, das ARD und ZDF damit bekommen werden, liegt auf der Hand: Der Deal wird einmal mehr eine Diskussion in allen möglichen Schattierungen darüber auslösen, ob die Bundesrepublik ARD und ZDF braucht, ob es sie beide braucht, ob es sie beide in der bisherigen Größe benötigt und darüber, ob es nicht reicht, wenn nur ein deutlich abgespeckter öffentlich-rechtlicher TV-Konzern besteht.

Die wichtigsten Fragen zur neuen Rundfunkabgabe

  • Wen betrifft die neue Rundfunkgebühr?

    Sie wird zunächst für jeden Haushalt und Betrieb fällig. Hartz-IV-Empfänger können einen Antrag auf Befreiung stellen. Menschen mit Behinderungen werden mit einem reduzierten Beitrag eingestuft. Bislang richtet sich der zu zahlende Betrag nach den vorhandenen Geräten.

  • Wie hoch wird die neue Rundfunkgebühr sein?

    Ab 1.1.2013 kostet die Haushaltsabgabe 17,98 Euro pro Monat. Somit wird es nicht teurer fernzusehen, Radio zu hören oder im Internet zu surfen - zumindest für diejenigen, die schon zahlen.

  • Müssen also auch diejenigen Rundfunkgebühren zahlen, die kein Gerät besitzen?

    Ja. Die Gebühr betrifft alle. Verfassungsrechtler haben die Rechtmäßigkeit bereits mehrfach geprüft.

  • Wann ist eine Befreiung möglich?

    Wer Sozialhilfe, Arbeitslosengeld II oder eine Ausbildungsförderung wie Bafög oder Ausbildungsgeld erhält, wird davon befreit - allerdings nur auf Antrag. Blinde oder stark Sehbehinderte, Gehörlose und schwer behinderte Menschen sind künftig nicht mehr grundsätzlich befreit. Sie sollen nunmehr einen ermäßigten Beitrag von einem Drittel der regulären Gebühr zahlen.

  • Was muss ich jetzt tun?

    Der neue Rundfunkgebühren-Staatsvertrag soll am 1. Januar 2013 in Kraft treten. Es ändert sich für bereits zahlende Kunden nichts.

  • Was passiert, wenn ich nicht zahle?

    Wer seiner Anzeigepflicht nicht nachkommt oder den fälligen Rundfunkbeitrag länger als sechs Monate nicht oder nur teilweise zahlt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße geahndet werden kann.

  • Wird es weiterhin diese aufdringlichen GEZ-Beauftragten geben?

    Nein. Die Schnüffelei der GEZ ist nicht mehr nötig. Da jeder zahlen muss, ist es egal, ob jemand Geräte hat oder nicht.

  • Welche Regelungen gelten für Betriebe?

    Die Beiträge für Firmen werden künftig pro Betriebsstätte erhoben und nach der Zahl der Mitarbeiter gestaffelt.

Was wird sich für die Zuschauer ändern? Die Sportübertragungen wird er aller Voraussicht nach zu sehen bekommen wie bisher, nur eben auf einem anderen Kanal, mit anderen Moderatoren und vermutlich auch unterbrochen von wesentlich mehr Werbeinseln. Davon ist auszugehen, denn die 1,3 Milliarden Euro wollen auch erst einmal verdient sein.

ARD und ZDF könnten indirekt profitieren

Nicht ausgeschlossen, dass auch ARD und ZDF nicht völlig weg sind vom Fenster. IOC-Grande Samaranch, im Präsidium zuständig für die Rechte-Verkäufe, hat bereits angedeutet, dass eine Sublizensierung einzelner Rechte möglich sei. Womöglich greifen ARD und ZDF dann doch noch zu.

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Ob das klug wäre, steht auf einem anderen Blatt. Denn wenn sie es clever anstellen, könnten ARD und ZDF sogar noch Honig saugen aus der Schlappe um die Rechte. Sie könnten auf die stundenlangen Sportübertragungen rund um Olympia komplett verzichten, die ihnen ohnehin stets Ärger eingetragen haben angesichts des Aufwands, den die Öffentlich-Rechtlichen rund um die Sportsause stets betrieben.

Und stattdessen könnten sie ihre Investigativ-Teams und Reporter endlich einmal rund um die Spiele losschicken, und sie ernsthaft hinter die Kulissen leuchten lassen. Journalistisch könnten ARD und ZDF um einiges unabhängiger erfüllen, wenn sie nicht zugleich Vertragspartner des Ausrichters sind.

Interessant dürfte es indes noch werden, falls die Spiele 2024 tatsächlich in Hamburg stattfinden sollten. Die Hansestadt ist unter den Bewerber-Metropolen dabei, so wie Paris, Boston, Budapest und auch Rom. Sollte Hamburg 2017 den Zuschlag bekommen, dürfte das manchem ARD-Intendanten noch schlaflose Nächte bereiten. Denn Heim-Spiele ohne die öffentlich-rechtlichen Sender? Das dürfte den Gesprächsbedarf über den Zuschnitt der Anstalten noch ein weiteres Mal erhöhen.

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