Uber-Chef Kalanick: "Wir geben Geschäft in Deutschland nicht auf"

Uber-Chef Kalanick: "Wir geben Geschäft in Deutschland nicht auf"

Erst lockte der Chef des Fahrdienstes Uber europäische Städte mit dem Versprechen zehntausender neuer Jobs. Jetzt zeigt sich Travis Kalanick auch kompromissbereit gegenüber deutschen Behörden.

Der Gründer und Chef des umstrittenen amerikanischen Fahrdienst-Vermittlers Uber, Travis Kalanick, will trotz des massiven Gegenwinds in Deutschland weitermachen. Zwar müsse Uber wegen vielerorts noch laufender Gerichtsverfahren erst abwarten, welche Anforderungen der deutsche Gesetzgeber stelle, sagte Kalanick der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwoch). „Aber wir werden unser Geschäft hier nicht aufgeben. Das wäre auch nicht im Sinne unserer Kunden.“

Kalanick hatte am Sonntag auf der Internet-Konferenz DLD in München versucht, die Skeptiker in Europa mit dem Versprechen zehntausender neuer Jobs zu überzeugen. Uber wolle verstärkt Partnerschaften mit EU-Städten schließen, sagte er. Dadurch könnten schon in diesem Jahr rund 50.000 neue Arbeitsplätze entstehen.

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Warum Uber so umstritten ist

  • Was ist Uber überhaupt?

    Uber startete vor rund vier Jahren in San Francisco als Alternative zu Taxis, die in der kalifornischen Metropole notorisch schwer zu kriegen sind. Anfangs ging es nur darum, für etwas mehr Geld einen Chauffeur-Service mit Oberklasse-Wagen anzubieten. Inzwischen nutzt Uber seine Vermittlungsplattform auch für Dienste, bei denen Privatleute Fahrgäste mit ihren eigenen Autos mitnehmen können. Vor allem um solche Angebote entzünden sich die Streitigkeiten mit Taxi-Gewerbe und Behörden in verschiedenen Ländern.

  • Wie funktioniert Uber?

    Es ist eine Smartphone-App, wie man sie auch von den Taxi-Anwendungen kennt. Der Abholort wird automatisch ermittelt, der Kunde sieht die Uber-Fahzeuge in der Nähe. Der Fahrweg wird mit Hilfe von GPS berechnet, die Wagen kommen daher ohne Taxameter aus. Der Bezahlvorgang entfällt: Es wird einfach die bei Uber hinterlegte Kreditkarte belastet.

  • Was stört die Taxifahrer?

    Das Taxi-Geschäft überall ist vielen Regeln unterworfen. Es gibt Vorschriften für die technische Kontrolle der Fahrzeuge, die Überprüfung des Gesundheitszustands der Fahrer, spezielle Versicherungen und die Beförderungspflicht. Außerdem wird die Größe des Marktes über die Vergabe von Konzessionen eingeschränkt. So kann eine Taxi-Lizenz in New York mehr als eine Million Dollar kosten. Uber platzt mit seinen Dienstes in dieses über Jahrzehnte gewachsene Geflecht von Regeln und wirtschaftlichen Interessen.

  • Wie will Uber den Taxis Kunden abjagen?

    Beim ursprünglichen Chaufferdienst UberBLACK waren die Argumente vor allem der Komfort einer Smartphone-App, ein schickes Auto und die automatische Abrechnung. Bei den Mitfahrdiensten in Privatautos ist Uber aber auch günstiger als herkömmliche Taxis. So kostet der Service UberPOP in Hamburg einen Euro pro Kilometer bzw. 25 Cent pro Minute. Laut Hamburger Taxentarif zahlt man dagegen jeweils 2,20 Euro für die ersten vier Kilometer, je 1,90 für die nächsten fünf Kilometer und 1,40 ab dem 10. Kilometer.

  • Wie stehen deutsche Behörden zu Uber?

    Behörden und auch Landesregierungen sehen den Dienst skeptisch. In Berlin und Hamburg erließen die Behörden Unterlassungsverfügung gegen Uber. Gerichte erlaubtem dem Fahrdienst aber vorläufig die Weiterfahrt. In NRW erklärte ein Sprecher des Verkehrsministeriums zu Uber: "Nach den vorliegenden Informationen handelt es sich bei den Fahrten um genehmigungspflichtige Personenbeförderungen." Über eine solche Genehmigung verfügen die Uber-Fahrer aber offenbar nicht. Das Verkehrsministerium warnt deshalb vor hohen Bußgeldern.

Kalanick bekräftigte, auf die deutschen Behörden zugehen zu wollen. „Wir sind in vielen Punkten sicher kompromissbereit“, sagte er. „Wir wollen Partnerschaften mit deutschen Städten schließen, um eine gemeinsame Vision zu entwickeln, wie Mobilität in Zukunft aussehen kann.“ Uber wolle „im neuen Jahr neu beginnen“, erklärte der Uber-Chef. „Ein Teil davon ist, besser zu verstehen, wie Deutschland tickt.“

Das Taxi-Gewerbe und Behörden werfen Uber unfairen Wettbewerb vor, weil das Startup aus San Francisco auch Dienste privater Fahrer vermittelt, die nicht die Auflagen des Personenbeförderungsgesetzes erfüllen. Das Uber-Angebot wurde in mehreren Gerichtsverfahren deutlich eingeschränkt. Kalanick kontert, viele Regelungen seien veraltet und überhaupt erst geschaffen worden, um das Taxi-Gewerbe zu schützen. „Wir wollen uns an die Gesetze halten, die hier gelten. Und längerfristig hoffen, dass die Gesetze so modernisiert werden, dass wir weiter wachsen können“, sagte er im „FAZ“-Interview. Unter anderem müsse es einfacher werden, als professioneller Fahrer zu arbeiten.

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Die Taxibranche macht unterdessen weiter Front gegen Uber und kritisierte auch die indirekte Kooperation ihres Flotten-Lieferanten Daimler mit dem Fahrdienst-Vermittler. „Als Autobauer sollte sich Daimler klar für die Fahrer ihrer Limousinen engagieren, statt eine unheilige Allianz gegen die Taxibranche zu knüpfen“, sagte Hermann Waldner, Geschäftsführer der Plattform Taxi.eu.

Wie vergangene Woche bekannt wurde, will der Münchner Mitfahr-Spezialist Carpooling, zu dessen Investoren Daimler gehört, auch in Deutschland mit Uber zusammenarbeiten. Ziel ist dabei, das Portal Mitfahrgelegenheit.de um weitere Angebote für die erste und letzte Meile zu ergänzen. Damit sinke aber „Daimlers glanzvoller Stern“ bei den Taxifahrern, hieß es aus dem Gewerbe. „Wer sich gemeinsam mit Uber engagiert, arbeitet gegen unsere Branche“, sagte Ertan Ucar, Vorsitzender des Verbands Taxi Deutschland.

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