Uber-Gründer Travis Kalanick auf der DLD: Vom Saulus zum Paulus – oder doch nicht?

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Uber-Gründer Travis Kalanick auf der DLD: Vom Saulus zum Paulus – oder doch nicht?

von Michael Kroker

Am Eröffnungstag der Digitalkonferenz DLD in München versuchte sich der Chef des skandalumwitterten Taxi-Gegners Uber als selbstloser Samariter und Umweltfreund zu stilisieren.

Eigentlich passte seine zurückhaltende Rede so gar nicht zu dem aggressiven Stil, mit dem sein Unternehmen gerade die Taxi-Märkte rund um den Erdball aufrollt: Dennoch war der Auftritt von Uber-Gründer Travis Kalanick einer der Höhepunkte des ersten Tages der Digitalkonferenz DLD.

Die hat der Burda-Verlag unter Schirmherrschaft von Verleger Hubert Burda gestern zum nunmehr elften Mal in München eröffnet. Seit dem Start im Jahre 2005 – damals noch im Hotel Nymphenburg – hat sich die DLD enorm gemausert: Die Tagung gilt als wichtigster Treffpunkt rund um Digitalisierung, Startups und Internet in Deutschland.

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Umso passender, dass mit Kalanick der Chef eines der aktuell am stärksten gehypten – aber auch skandalumwitterten Unternehmens der Welt sein Stelldichein auf der DLD gab. Die Rede ist vom Taxi-Gegner Uber. Auf der einen Seite ist Uber mit einer Bewertung von rund 40 Milliarden Dollar als eines der wertvollsten nicht-börsennotierten Unternehmen der Welt, das die Phantasie von Investoren regelrecht beflügelt.

Warum Uber so umstritten ist

  • Was ist Uber überhaupt?

    Uber startete vor rund vier Jahren in San Francisco als Alternative zu Taxis, die in der kalifornischen Metropole notorisch schwer zu kriegen sind. Anfangs ging es nur darum, für etwas mehr Geld einen Chauffeur-Service mit Oberklasse-Wagen anzubieten. Inzwischen nutzt Uber seine Vermittlungsplattform auch für Dienste, bei denen Privatleute Fahrgäste mit ihren eigenen Autos mitnehmen können. Vor allem um solche Angebote entzünden sich die Streitigkeiten mit Taxi-Gewerbe und Behörden in verschiedenen Ländern.

  • Wie funktioniert Uber?

    Es ist eine Smartphone-App, wie man sie auch von den Taxi-Anwendungen kennt. Der Abholort wird automatisch ermittelt, der Kunde sieht die Uber-Fahzeuge in der Nähe. Der Fahrweg wird mit Hilfe von GPS berechnet, die Wagen kommen daher ohne Taxameter aus. Der Bezahlvorgang entfällt: Es wird einfach die bei Uber hinterlegte Kreditkarte belastet.

  • Was stört die Taxifahrer?

    Das Taxi-Geschäft überall ist vielen Regeln unterworfen. Es gibt Vorschriften für die technische Kontrolle der Fahrzeuge, die Überprüfung des Gesundheitszustands der Fahrer, spezielle Versicherungen und die Beförderungspflicht. Außerdem wird die Größe des Marktes über die Vergabe von Konzessionen eingeschränkt. So kann eine Taxi-Lizenz in New York mehr als eine Million Dollar kosten. Uber platzt mit seinen Dienstes in dieses über Jahrzehnte gewachsene Geflecht von Regeln und wirtschaftlichen Interessen.

  • Wie will Uber den Taxis Kunden abjagen?

    Beim ursprünglichen Chaufferdienst UberBLACK waren die Argumente vor allem der Komfort einer Smartphone-App, ein schickes Auto und die automatische Abrechnung. Bei den Mitfahrdiensten in Privatautos ist Uber aber auch günstiger als herkömmliche Taxis. So kostet der Service UberPOP in Hamburg einen Euro pro Kilometer bzw. 25 Cent pro Minute. Laut Hamburger Taxentarif zahlt man dagegen jeweils 2,20 Euro für die ersten vier Kilometer, je 1,90 für die nächsten fünf Kilometer und 1,40 ab dem 10. Kilometer.

  • Wie stehen deutsche Behörden zu Uber?

    Behörden und auch Landesregierungen sehen den Dienst skeptisch. In Berlin und Hamburg erließen die Behörden Unterlassungsverfügung gegen Uber. Gerichte erlaubtem dem Fahrdienst aber vorläufig die Weiterfahrt. In NRW erklärte ein Sprecher des Verkehrsministeriums zu Uber: "Nach den vorliegenden Informationen handelt es sich bei den Fahrten um genehmigungspflichtige Personenbeförderungen." Über eine solche Genehmigung verfügen die Uber-Fahrer aber offenbar nicht. Das Verkehrsministerium warnt deshalb vor hohen Bußgeldern.

Auf der anderen Seite macht Uber immer wieder auch mit Negativ-Schlagzeilen von sich reden: Etwa im Herbst des vergangenen Jahres, als der Fahrtdienst UberPOP in Deutschland einstweilig verboten wurde – und Uber-Deutschland-Chef Fabien Nestmann trotzig verkündete, dennoch weiterfahren lassen zu wollen: „Fortschritt lässt sich nicht ausbremsen.“ Oder zuletzt Anfang Januar, als bekannt wurde, dass Uber die Daten seiner Kunden nach nächtlichen amorösen Abenteuern durchforstet und analysiert hat.

Wenig verwunderlich also, dass Kalanick mit seinem Auftritt auf der DLD alles versuchte, um das Bild von dem vermeintlich bösen hyper-aggressiven US-Startup ein Stück weit wieder gerade zu rücken. Die Idee zu Uber sei einem Kumpel und ihm in Paris gekommen. „Das war am Beginn nur ein Nebenprojekt von uns, weil meine Freunde und ich dadurch eine einfache Möglichkeit zur Hand hatten, uns fortzubewegen“, so Kalanick im lockeren Plauderton.

Um dann mit Zahlen zu untermauern, wie wertvoll sein Unternehmen inzwischen doch für die Gesellschaft, ja den ganzen Planeten sei: So gebe es weltweit rund eine Milliarde Autos, die zu 96 Prozent ungenutzt herumstehen. „Wir nutzen Autos extrem ineffizient, wenn jeder ein eigenes Auto besitzt“, so Kalanick geradezu beschwörend.

Taxi-Branche Uber will bis zu zwei Milliarden Dollar von Investoren

Der Fahrdienst Uber wird in seiner weltweiten Konfrontation mit der Taxi-Branche bald wohl mindestens eine Milliarde Dollar mehr zur Verfügung haben. Bisher ist unklar, wie genau die Firma so viel Geld ausgeben will.

Der Fahrdienst Uber wird in seiner weltweiten Konfrontation mit der Taxi-Branche bald wohl mindestens eine Milliarde Dollar mehr zur Verfügung haben. Bisher ist unklar, wie genau die Firma so viel Geld ausgeben will. Quelle: dpa

Um dann das Hohelied auf die Share Economy anzustimmen: Das Ziel von Uber sei es, die Fahrtkosten so weit zu drücken, dass sich der Besitz eines Autos schlicht nicht mehr lohne. Das sei gut für Städte und Gemeinden: „Wir wollen 2015 allein in Europa 50.000 Jobs schaffen und 200.000 Autos von den Straßen verbannen“, verspricht Kalanick. Damit nicht genug: Zugleich würde Uber dadurch auch noch den „Carbon Footprint“ der weltweiten Autoflotte verbessern, also den Ausstoß von Kohlendioxid verringern.

Kalanick, der Weltverbesserer und Idealist? Das freilich war vielen Beobachtern dann doch zu viel des Guten. „Der Rede nach ist er 2015 ein Kandidat für mehrere Nobelpreise“, spottete Twitter-Nutzer Marius Müller während dessen Rede.

Das sah Alina Fichter offenbar ganz ähnlich: Die Journalistin des Bayerischen Rundfunks interviewte den Uber-Chef nach dessen Rede auf dem Podium der DLD. Ob er sich so wie damals Saulus denn demnächst in Paulus umbenennen wolle, so Fichters Eröffnungsfrage. Der freilich ahnte das verminte Terrain – und gab sich, wenig glaubwürdig, als nicht bibelfest: „Vielleicht im Mittelnamen, aber ich kenne die Geschichte nicht.“

 

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