Travis Kalanick als Betrüger verklagt

KommentarUber-Machtkampf: Ex-Vorzeige-Gründer Travis Kalanick als Betrüger verklagt

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Travis Kalanick soll laut Investor ein Betrüger und Verschwörer sein.

von Matthias Hohensee

Ex-Uber-Chef Travis Kalanick soll nicht nur ein fahrlässiger und sexistischer Manager sein, sondern auch ein Betrüger. So sieht es der wichtigste Investor. Dabei hat er mehr zu verlieren als der Gründer.

Die Box-Handschuhe zwischen dem Wagnisfinanzierer Benchmark Capital, dem einflussreichsten Investor beim Fahrdienst Uber, und Uber-Mitgründer Travis Kalanick sind schon seit dem 20. Juni aus. Da zwangen die beiden Benchmark-Partner Matt Cohler und Peter Fenton ihren einstigen Schützling Kalanick in einem stundenlangen Verhandlungsmarathon zum Rücktritt als Uber-CEO. Gleichzeitig verlor Kalanick, dem noch immer zehn Prozent der Anteile am Fahrdienst gehören, damit seinen Sitz im Verwaltungsrat, weil dieser an seinen Posten als CEO gebunden war.

Uber Großinvestor verklagt Ex-Chef Kalanick

Noch mehr Trubel um Travis Kalanick: Der ehemalige Uber-Chef wird vom Investor Benchmark Capital wegen Täuschung verklagt.

Der ehemalige Uber-Chef Travis Kalanick Quelle: AP

Seitdem wird im Schatten um die Kontrolle des auf über 70 Milliarden Dollar Wert geschätzten einstigen Vorzeige-Startups geboxt. Seit Donnerstag wird nun auch richtig kräftig und vor allem öffentlich zugeschlagen. Benchmark hat Kalanick wegen Betruges verklagt. Dieser, so der Vorwurf, habe den Wagnisfinanzierer vorsätzlich getäuscht, als er ihn im Juni vergangenen Jahres dazu überredete, den Uber-Verwaltungsrat um drei weitere Mitglieder zu erweitern, die von Kalanick bestimmt werden können.

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Der Uber-Mitgründer hatte damals damit argumentiert, so noch mehr Expertise in das Gremium zu bringen und ihm gleichzeitig nach dem Vorbild von Facebook-Chef Mark Zuckerberg öffentlich den Rücken zu stärken. Tatsächlich, so wirft ihm Benchmark nun vor, sei es Kalanick nur darum gegangen, den Verwaltungsrat rechtzeitig unter seine Kontrolle zu bringen, bevor seine massiven Management-Fehler wie sexuelle Diskriminierung von Mitarbeitern, eine vergiftete Unternehmenskultur und das Wissen über von Google gestohlene Geschäftsgeheimnisse bekannt wurden.

Ziel der Klage ist es, Kalanick aus dem Verwaltungsrat zu werfen und seine Rückkehr zu Uber zu verhindern. Denn der Uber-Mitgründer ist dank der Vereinbarung vom Juni 2016 inzwischen wieder in den Verwaltungsrat zurückgekehrt, besetzt einen der drei Sitze. Obwohl er, so klagt Benchmark, sich bei seinem Rücktritt verpflichtet hatte, dies nicht zu tun. Seitdem stiftet Kalanick bei Uber Unruhe und wiegelt, so sehen es seine Gegner, das ganze Unternehmen auf. Er hat dort immer noch viele Anhänger, die ihn als Opfer einer Diffamierungskampagne sehen. Schließlich galt seine aggressive und unkonventionelle Art noch vor kurzem als der Grund, warum Uber bislang in den USA seine Wettbewerber auf Distanz halten konnte.

Angeblich will Kalanick Softbank-Multimilliardär Masayoshi Son mittels einer Investition dazu bringen, ihn wieder an der Spitze von Uber zu installieren. Das war der Grund, warum Uber bis heute keinen neuen Vorstandschef gefunden hat. Zuletzt erteilte HP Enterprise-CEO Meg Whitman öffentlich einen Korb. Die ehemalige Ebay-Chefin war unter anderem die Wunschkandidatin von Benchmark.

Rauswurf von Gründern ist schlechtes Omen

Kalanick hat inzwischen alle Vorwürfe zurückgewiesen. Und wer die 38-seitige Klage liest, dem wird klar, wie dünn sie ist. Besonders Benchmark-Partner Cohler, ehemals Produktchef von Facebook und einer der am besten vernetzten Wagniskapitalgeber im Silicon Valley, kommt dabei nicht gut weg. Denn die dort akribisch aufgelisteten Verfehlungen von Kalanick passierten alle unter der Nase von Benchmark, als dessen Partner Bill Gurley Verwaltungsrat war.

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Ist der geschasste Uber-Chef Travis Kalanick die Ausnahme oder die Regel? Und was können Gründer von seinem Fall lernen?

Christian Leybold Quelle: Bernhard Haselbeck für WirtschaftsWoche

Schon jetzt ist Uber gelähmt. Die Klage wird das nur verschärfen. Denn so lange der Machtkampf tobt, wird sich erst recht kein erfahrenerer Manager finden, um den Fahrdienst zu übernehmen. Unternehmen, die ihren prominentesten Gründer verlieren, stehen ohnehin unter keinem guten Stern im Silicon Valley. Man muss dazu nicht unbedingt Apple bemühen, dass Mitte der achtziger Jahre Steve Jobs vor die Tür setzte. Auch wenn der Rückzug freiwillig geschah, wie etwa bei Jerry Yang bei Yahoo, wirkt sich das negativ aus. Auch bei Ebay kann man darüber spekulieren, ob das Unternehmen heute nicht wesentlich größer sein könnte und ein ebenbürtiger Amazon-Wettbewerber, wenn Gründer Pierre Omidyar sich nicht zurückgezogen hätte.

Mariano Silverya Cabify will das bessere Uber werden

Cabify will sich als unabhängiger Taxidienstleister in Spanien durchsetzen. Das Umsatzwachstum gibt den Ideen von Cabify-Chef Mariano Silverya Recht.

Mariano Silverya, seit einem Jahr führt er die Geschäfte von Cabfiy in Madrid. Der gelernte Raumfahrt-Ingenieur hat vorher beim Software-Entwickler Globant gearbeitet. Silverya ist gebürtiger Argentinier.

Bei Uber kommt dazu, dass nun das Unternehmen weiter gespalten wird. Damit wird es endgültig zu einem Spielball in einem sich ausbreitenden Kulturkampf im Silicon Valley über die Gründe der mangelnden Vielfalt bei Geschlechtern und Herkunft in den Tech-Unternehmen des Hightech-Tals und ob und wie sich diese beheben lassen.

Und ob das bisherige Erfolgsrezept, sich über Regeln hinwegzusetzen, um festgefahrene Märkte aufzumischen – wie bei Uber in der Taxibranche oder bei Airbnb im Hotelgewerbe – tatsächlich überholt ist. Uber könnte dabei auf der Strecke bleiben. Und als Paradebeispiel herhalten, wie Wagnisfinanzierer und Gründer den Wert von ihren Unternehmen gigantisch aufblähten. An letzterem können weder Kalanick noch Benchmark Interesse haben. Obwohl der Wagnisfinanzierer, wenn das Uber-Debakel Börsengänge von Startups negativ beeinflusst, wesentlich mehr zu verlieren hat.

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