Uber-Prozess: Kalanick soll von gestohlenen Dokumenten gewusst haben

Uber-Prozess: Kalanick soll von gestohlenen Dokumenten gewusst haben

, aktualisiert 23. Juni 2017, 04:01 Uhr
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Im Fokus einer Klage um Patentverletzung und Dokumentendiebstahl: Der ehemalige Uber-CEO Travis Kalanick (l.) und der Mitbegründer von Otto, Anthony Levandowski (Archivfoto von 2016).

von Axel PostinettQuelle:Handelsblatt Online

Ex-Uber-Chef Kalanick wusste offenbar von gestohlenen Dokumenten. Erst nachdem sie angeblich zerstört waren, kaufte er die Firma des mutmaßlichen Diebes für 680 Millionen Dollar. Wie glaubwürdig ist das?

San FranciscoDie Anschuldigungen sind schwerwiegend: Laut Gerichtsdokumenten, die Waymo, Googles Tochtergesellschaft für autonome Autos, am Mittwoch vor Gericht eingebracht hat, wusste der zurückgetretene Uber-Chef Travis Kalanick von angeblich gestohlenen Dokumenten, bevor er Anthony Levandowski zum Chef von Ubers autonomer Sparte machte. Das berichtet das „Wall Street Journal“.

Laut der Zeitung habe Kalanick im März 2016 zu Levandowski gesagt, er solle die Dokumente nicht zu Uber mitbringen. Levandowski wiederum erklärte gegenüber Uber, er habe die Dokumente vernichtet. Daraufhin kaufte Uber sein Unternehmen „Otto“ für 680 Millionen Dollar. Jenes hatte dank der gestohlenen Informationen bereits ein extrem genaues Radar („Lidar“) für Autos entwickelt. Das jedenfalls behauptet Waymo und klagt deshalb auf Schadenersatz und Patentverletzung gegen Otto und Uber.

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Die Informationen sickern nur einen Tag nach dem Rauswurf von Kalanick bei Uber durch. Eigentlich sollte der umstrittene CEO nach diversen Skandalen nur eine vorerst unbefristete Auszeit nehmen. Doch nach einer Rebellion wichtiger Investoren zog sich Kalanick zurück.

Levandowski war von Kalanick bereits Ende Mai gefeuert worden, weil er angeblich nicht mit den Ermittlungsbehörden kooperiert habe. Ubers leitender Anwalt, Arturo Gonzalez, erklärte in einem Interview, damit falle die von Waymo konstruierte Geschichte in sich zusammen, Uber habe Levandowski aufgefordert, Daten zu stehlen. Das Gegenteil sei richtig.

Die Situation ist brisant für Uber. Das Unternehmen muss sich und Kalanick aus der Klage herausziehen, weil nach Ansicht von Analysten die weitere externe Finanzierung schwieriger werden könnte, wenn massive Schadenersatzkosten und Patentstrafen drohen. Für 2016 wies Uber einen Fehlbetrag von 2,6 Milliarden Dollar aus.

Wie ernst die Lage ist, lässt sich auch an Kalanicks fristloser Kündigung ablesen. Uber wird derzeit praktisch ohne Vorstandsetage, nur vom Mittelmanagement geführt. Die Top-Ebene wurde entweder gefeuert oder hat es vorgezogen, von sich aus zu gehen.

Ein neuer Vorstandschef, sofern einer gefunden wird, steht vor gewaltigen Aufgaben. Er muss das Verhältnis zwischen Uber und Fahrern und Kunden reparieren. Außerdem wird er dem Board einen Plan vorlegen müssen, wie mittelfristig Gewinn erwirtschaftet werden kann. Zuletzt ist da auch noch die nach Skandalen um geduldeten sexuellen Missbrauch ramponierte Unternehmenskultur, die es zu erneuern gilt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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