Überfällige Reform: Bundesregierung will die Filmförderung kürzen

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KommentarÜberfällige Reform: Bundesregierung will die Filmförderung kürzen

von Hermann J. Olbermann

In Deutschlands Kinos geht es zu wie in Deutschlands Schweineställen: Ohne Subventionen läuft nichts. Jetzt will die Bundesregierung die Filmförderung kürzen. Eine Reform ist überfällig.

Til Schweiger bekommt es, Matthias Schweighöfer und sogar Steven Spielberg – Geld deutscher Steuerzahler, um Filme zu drehen. 60 Millionen Euro vergibt allein der der Deutsche Filmförderfonds (DFFF), den die Kulturstaatsministerin Monika Grütters verfügt.

Im vergangenen Jahr durfte der DFFF sogar 70 Millionen Euro verteilen, doch 2015 soll er sich mit 50 Millionen Euro begnügen. Und schon das ist mehr als zunächst geplant.

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Denn die Bundesregierung wollte Deutschlands Filmschaffenden ursprünglich nur 30 Millionen Euro bereitstellen. Zugegeben, ohne Förderung gäbe es kaum noch große deutsche Filme. Die Kosten lassen sich über Kino, Video und TV nicht einspielen. Zu klein ist der deutschsprachige Markt. Und in den USA, dem weltgrößten Filmmarkt, können sich synchronisierte Filme nicht durchsetzen.

Das trifft nicht nur deutsche Filmemacher. Auch der französische Erfolgstreifen "Ziemlich beste Freunde" wurde in synchronisierter Form nie ein Hit in den USA. Schon planten Produzenten den Stoff noch einmal zu drehen – auf Englisch.

Deutschland ist auch nicht das einzige Land, das seine Filmbranche subventioniert. Viele europäische Länder halten es genauso und buttern mitunter noch mehr Geld in die Filmbranche. Selbst einige US-Bundesstaaten überweisen den Stars Steuergeld.

Da sind 50 Millionen Euro nicht viel. Aber damit müssen sich die Filmproduzenten in Deutschland auch nicht begnügen. Insgesamt gibt es hierzulande 21 Institute, die die Branche subventionieren. Fast jedes Bundesland unterhält eine eigene Filmfördergesellschaft, mache Länder sogar mehrere.

Hinzu kommt die Filmförderungsanstalt (FFA) in Berlin, die bundesweit Geld verteilt – allerdings kein Steuergeld. Im Unterschied zum DFFF wird sie von den Kinobesuchern finanziert, von jeder verkauften Kinokarte erhält sie einen Anteil. Außerdem zahlen Videoverleiher und TV-Sender ein.

Um möglichst viele Subventionen abgreifen zu können, drehen die Filmproduzenten einen Streifen in möglichst vielen Bundesländern. Für den Dreh im Potsdamer Studio Babelsberg gibt es Geld von Medienboard Berlin-Brandenburg, für den Außenaufnahmen in Köln zahlt die Medienstiftung NRW und für den Schnitt in einem Münchner Studio zahlt der FilmFernsehFonds Bayern – zusätzlich zu den Zuschüssen vom bundeseigenen DFFF und der FFA.

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Den Filmtourismus haben längst auch ausländische Regisseure entdeckt. So kassiert der US-Produzent Steven Spielberg für sein neues Werk, einen Agententhriller, Geld vom DFFF der Bundesregierung, vom Medienboard Berlin-Brandenburg und von der Filmförderung Baden-Württemberg. Mit der Stärkung des deutschsprachigen Films hat das nichts zu tun.

Ohne Hilfe wäre der deutsche Film kaum wettbewerbsfähig, aber warum es dafür mehr als 20 Fördergesellschaften geben muss, ist ein Rätsel. Notwendig wäre eine Straffung – dem sonst so gelobten Föderalismus zum Trotz. Das würde Geld sparen, und Til Schweiger könnte trotzdem Filme produzieren.

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