Überraschende Wende: Rhön-Klinikum-Aktionäre kippen Übernahmehürde

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Überraschende Wende: Rhön-Klinikum-Aktionäre kippen Übernahmehürde

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Überraschender Sieg für Rhön-Klinikum-Aufsichtsratschef Eugen Münch: Auf der Hauptversammlung stimmten die Aktionäre für eine entscheidende Änderung der Unternehmenssatzung.

von Jürgen Salz

Die Übernahme der Rhön-Kliniken durch Fresenius rückt wieder in greifbarere Nähe: Überraschend kippten die Aktionäre am Mittwochabend die Übernahmehürde. Damit sind nun alle Optionen wieder offen.

Überraschender Sieg für Rhön-Klinikum-Aufsichtsratschef Eugen Münch: Auf der Hauptversammlung stimmten die Aktionäre am Mittwochabend für eine entscheidende Änderung der Unternehmenssatzung: Wichtige Entscheidungen zur Zukunft des Unternehmens müssen künftig nicht mehr mit einer Mehrheit von über 90 Prozent getroffen werden, sondern nur noch die gesetzlich vorgeschriebene Grenze von 75 Prozent erreichen. Die Nachricht löste am Abend einen Kurssprung bei der Rhön-Aktie aus: Im nachbörslichen Handel schossen die Papiere zeitweise um mehr als 13 Prozent in die Höhe.

An dieser 90-Prozent-Schwelle war im vergangenen Jahr die Übernahme der Rhön-Kliniken durch den Dax-Konzern Fresenius gescheitert, da zwei Großaktionäre den Plan blockierten. Durch die Übernahme von Rhön durch die Fresenius Klinik-Tochter Helios wäre Deutschlands größter Klinikkonzern entstanden. 

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Nach der Absenkung der 90-Prozent-Schwelle rückt der Plan wieder näher. Eugen Münch, der auch Gründer der Rhön-Kliniken ist, wollte durch den Zusammenschluss mit Helios auch die Zukunft seines Unternehmens sichern. Münch schwebt schon seit langem ein starker, bundesweiter Klinikverbund vor, der zum Wohle der Patienten Synergien nutzt und vernetzt arbeitet. Deswegen hatte Münch in den vergangenen Jahren den Markt schon nach potenziellen Partnern sondiert. Mit Helios würde es am besten passen, befand Münch schließlich.

Die Rhön-Klinikum AG

  • Mitarbeiter

    Die Rhön-Klinikum AG beschäftigt mehr als 39.000 Ärzte, Schwester und Pflegepersonal.

  • Patienten

    Im ergangenen Jahr behandelten die Kliniken des Rhön-Verbunds rund 2,2 Millionen Patienten.

  • Entwicklung

    Das Unternehmen startete 1973 mit 66 Mitarbeitern. Rhön-Gründer Eugen Münch brachte das Unternehmen 1989 an die Börse. Seit 1996 ist das Unternehmen im MDax.

Nachdem der erste Versuch gescheitert war, warb Münch nun auf der Hauptversammlung dafür, die Annahmeschwelle abzusenken. Zahlreiche Aktionärsvertreter unterstützten ihn dabei. "Wir wollen keine Blockade der Firma und keine Machtspiele", sagte etwa Andreas Schmidt von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre. 

Die 90-Prozent-Schwelle war vor gut zehn Jahren eingeführt worden, um die Rhön-Kliniken vor feindlichen Übernahmen zu schützen. Nun behindere die Satzungsregel die Entwicklung des Unternehmens. Oder wie es Aktionärsvertreter Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung der Privatanleger ausdrückt: "Das Messer, das wir einst geschliffen haben, wendet sich nun gegen uns selbst." Münch hatte die Kritiker auf dem Aktionärstreffen aufgefordert, ihre Haltung zu überdenken. "Ich glaube, es geht nicht um Gesichtsverlust", sagte er.

Der schwedische Pensionsfonds Alecta, der knapp zehn Prozent der Rhön-Anteile besitzt, hatte die Änderung der Satzung auf die Tagesordnung setzen lassen. "Wir sind der Auffassung, dass sich diese Klausel inzwischen zum Hemmschuh für die Weiterentwicklung des Unternehmens entwickelt hat", argumentierte Alecta-Vertreter Marcus Lüttgen.

Die Entscheidung für die Satzungsänderung kam völlig überraschend zustande; in der Branche hatte damit kaum jemand gerechnet. Der Beschluss war denkbar knapp: 9,46 Prozent der Aktionäre stimmten dagegen. Erforderlich war ein letztes Mal eine Mehrheit von 90 Prozent. Die Rhön-Führung will am Donnerstag das Abstimmungsergebnis erläutern. Insgesamt waren auf dem Treffen rund 64 Prozent des stimmberechtigten Kapitals anwesend.

Mit Material von Reuters

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