UEFA vor Entscheidung: Champagne kandidiert für Blatter-Nachfolge

UEFA vor Entscheidung: Champagne kandidiert für Blatter-Nachfolge

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Der Franzose Jerome Champagne.

Anfang kommender Woche endet die Bewerbungsfrist für die FIFA-Präsidentschaft. Als vierter Kandidat will auch der zuletzt gescheiterte Jérôme Champagne Ende Februar Joseph Blatter beerben.

Kurz vor Ende der Bewerbungsfrist steigt Jérôme Champagne als vierter Anwärter in das Kandidatenrennen um das Amt des Präsidenten beim Fußball-Weltverband FIFA ein. „Ich habe Montagabend mein Bewerbungsschreiben mit Unterstützerschreiben von acht Mitgliedsverbänden eingereicht“, sagte der ehemalige stellvertretende Generalsekretär.

Der Ex-Diplomat und einflussreiche Strippenzieher schickte einen siebenseitigen Brief mit seiner Agenda an die 209 Verbände der FIFA und veröffentlichte diesen auch auf der Internetseite seiner Kampagne. 2010 hatte der frühere Vertraute die FIFA verlassen und wollte bereits im Mai dieses Jahres zur Wahl antreten. Damals bekam er nur drei von den nötigen fünf Unterstützerstimmen zusammen.

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WM in Brasilien: Die Geldquelle der Fifa sprudelt

  • Prämien, Einnahmen und Kosten

    Die Weltmeisterschaft in Brasilien ist ein Milliardengeschäft für den Weltfußballverband Fifa. Wie sich Einnahmen, Ausgaben und Prämien verteilen.
    Quelle: dpa

  • Milliardengeschäft

    Die WM-Gesamteinnahmen der Fifa belaufen sich auf 4,5 Milliarden Dollar. Nach Abzug der Kosten rechnet der Weltverband mit 2,2 Milliarden Dollar.

  • Nutznießer

    Von der Nettoeinnahme werden 1,624 Milliarden Dollar in die Fußball-Entwicklungshilfe (800) oder andere FIFA-Turniere (524) investiert. 200 Millionen Dollar gehen an die nationalen Verbände und 100 Millionen als WM-Hinterlassenschaft an den Gastgeber Brasilien, der seinerseits rund 11 Milliarden Dollar an Infrastrukturkosten für das Turnier gestemmt hat.


  • Team-Prämien

    Insgesamt schüttet die FIFA mit rund 422 Millionen Euro (576 Millionen Dollar) die höchste Summe der WM-Geschichte aus - in Südafrika waren es 2010 rund 420 Millionen Dollar.

  • Vereine

    Die Vereine, die Spieler zur WM abstellen, bekommen insgesamt rund 70 Millionen Dollar Entschädigung.

  • Vorrunde

    Die 16 Teams, die nach der Vorrunde nach Hause reisen müssen, bekommen eine Garantiesumme von 5,8 Millionen Euro.

  • Achtel- und Viertelfinale

    Das Achtelfinale ist knapp 6,6 Millionen Euro wert, der Einzug ins Viertelfinale bringt 10,2 Millionen Euro.

  • Vize-Weltmeister

    Der unterlegene Finalist streicht immerhin noch 18,3 Millionen Euro ein (25 Millionen Dollar).

  • Weltmeister

    Der neue Fußball-Weltmeister kassiert von der FIFA eine Rekordprämie. Der Sieger des Endspiels am 13. Juli bekommt aus dem Topf des Weltverbandes 25,7 Millionen Euro (35 Millionen Dollar).

„Es gibt das Verlangen nach mehr Transparenz“, berichtete der frühere Vertraute des aktuell gesperrten Amtsinhabers Joseph Blatter nun. „Wir brauchen für den Fußball eine starke FIFA, die korrigiert, was falsch ist und die fortsetzt, was gut ist.“

Am Montag endet die Bewerbungsfrist, die Wahl findet vier Monate später am 26. Februar in Zürich statt. Bislang haben auch der gesperrte UEFA-Präsident Michel Platini, der zuletzt Blatter unterlegene Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien und der frühere Fußballprofi David Nakhid aus Trinidad und Tobago nach eigenen Angaben ihre Bewerbung mit ausreichenden Stimmen der Mitgliedsverbände eingereicht.

Auch in den letzten Tagen vor Nominierungsschluss bleibt es spannend: Eine Bewerbung wird vom Präsidenten der asiatischen Konföderation (AFC), Scheich Salman bin Ebrahim al-Khalifa, erwartet. Die mögliche Kandidatur wird aber von Menschenrechtsorganisationen deutlich kritisiert. Diese werfen der al-Khalifa-Familie vor, bei der Niederschlagung der Anti-Regierungsproteste im Bahrain beteiligt gewesen zu sein. Es ist möglich, dass die FIFA-Ethikkommission ermittelt.

FIFA-Skandale unter Sepp Blatter

  • Präsidentschaftswahl 1998

    Der damalige FIFA-Generalsekretär Joseph Blatter gewinnt die Präsidentschaftswahl gegen UEFA-Präsident Lennart Johansson kurz vor WM-Beginn in Frankreich. Bis heute stehen Vorwürfe über angebliche Zahlungen von je 50.000 Dollar an afrikanische Delegierte in einem Pariser Hotel im Raum, die Blatter beharrlich zurückweist.

  • ISL-Skandal (1)

    Blatters Präsidentschafts-Vorgänger Joao Havelange und dessen ehemaliger Schwiegersohn Ricardo Teixera kassierten Millionen Schmiergeld für WM-Marketing-Deals mit dem später Pleite gegangenen Vermarkter ISL.

  • ISL-Skandal (2)

    Blatter wurde von allen Verdächtigungen freigesprochen, obwohl er 1997 als Generalsekretär eine Zahlung an Havelange von 1,5 Millionen Schweizer Franken persönlich zurücküberwiesen und somit offenbar zumindest Kenntnis vom System hatte.

  • WM-Vergabe 2018 und 2022 (1)

    Schon vor der Doppel-Vergabe an Russland und Katar wurden zwei FIFA-Exekutivmitglieder wegen nachgewiesener Bestechlichkeit suspendiert. Die Vorwürfe gegen die beiden künftigen Gastgeber wurden schließlich aufwändig von der FIFA untersucht, aber von den Ethikhütern ohne maßgebliche Ergebnisse eingestellt.

  • WM-Vergabe (2)

    Der Generalverdacht wurde aber nie entkräftet. Vom damaligen Exekutivkomitee sind künftig wohl nur noch acht von damals 22 Mitgliedern in dem mächtigen Gremium.

  • Präsidentschaftswahl 2011 (1)

    Lange schien es, als könne der Katarer Mohamed bin Hammam Blatter bei der Wahl 2011 tatsächlich gefährlich werden. Dann stolperte der Funktionär kurz vor der Abstimmung über konkrete Bestechungsvorwürfe aus der Karibik. Die 35 Stimmen aus der CONCACAF-Zone galten als entscheidend.

  • Präsidentschaftswahl 2011 (2)

    Blatter hatte den Verbänden eine Million Dollar als offizielle FIFA-Zuwendung versprochen. Bin Hammam versuchte es inoffiziell mit 40.000 Dollar pro Verband – und flog auf, weil ihn andere mittlerweile der Korruption überführte Funktionäre anschwärzten.

  • WM-Tickets (1)

    Der Umgang mit von Millionen Fans begehrten WM-Tickets im Exekutivkomitee war schon häufig lax. Jack Warner trieb es 2006 auf die Spitze, als er die Vermarktung in seinem für das Turnier in Deutschland qualifizierten Heimatland Trinidad und Tobago übernahm. Sein Familienunternehmen strich angeblich 900 000 Dollar Provisionen ein.

  • WM-Tickets (2)

    Die FIFA-Untersuchungen konnte keine Verdachtsmomente gegen Warner, sondern nur gegen dessen Sohn ergeben. Warner senior kam mit einer Verwarnung davon. Warners Exko-Kollege Ismail Bhamjee aus Botswana wurde 2006 überführt, zwölf WM-Karten auf dem Schwarzmarkt verkauft zu haben.

  • WM-Tickets (3)

    2014 in Brasilien gab es Berichte über vermutlich illegal veräußerte WM-Karten aus dem Besitz des mittlerweile verstorbenen argentinischen Topfunktionärs Julio Grondona.

Auch die europäischen Verbände müssen sich auf der Zielgerade entscheiden: Halten sie ihre Unterstützung des für 90 Tage suspendierten Platini aufrecht, dessen Zulassung zur Wahl vom weiteren Verlauf des Ethikverfahrens abhängt? Wechseln sie in das Lager eines anderen Kandidaten? Oder stellen sie selbst noch einen Ersatzbewerber auf, möglicherweise den Niederländer Michael van Praag auf?

Da sich Champagne neben dem Einsatz von Technologien im Fußball, der Förderung von Frauenfußball auch für die Reduzierung der europäischen Plätze bei Weltmeisterschaften oder in FIFA-Gremien ausspricht, erscheint eine Unterstützung aus der UEFA derzeit unwahrscheinlich.

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