Unesco: Wie das Welterbe den Tourismus durcheinander rüttelt

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Unesco: Wie das Welterbe den Tourismus durcheinander rüttelt

von Konrad Fischer

Einmal im Jahr benennt die Unesco neue Welterbestätten, um deren Schutz sicherzustellen. Doch der Titel ist zur begehrten Eintrittskarte in die erste Liga des Tourismus geworden. Erkundungen im Kampfgebiet.

Mitten im Gespräch schaut Silvia Fischer aus dem Fenster und unterbricht ihren Satz. „Da sind schon wieder die Ersten!“, ruft sie, es klingt als würde ein Jäger in der Savanne eine Horde Gnus entdecken. Es ist Mittwochnachmittag, Mittwoch ist Wasserspiele-Tag in Kassel.

Was Fischer sieht, sind Reisebusse, Dutzende von ihnen winden sich die engen Straßen den Hang hinauf. Sie betreibt ein Hotel am Rande des Bergparks am Rande der Stadt, ein ruhiges Geschäft, eigentlich. Stammgäste, Kurgäste, ein paar Geschäftsreisende. Und alle fünf Jahre Documenta. Und sonst? „Seit die Wasserspiele im Bergpark vor zwei Jahren zum Weltkulturerbe ernannt worden sind, ist die Ruhe vorbei“, sagt sie.

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Der Bergpark Wilhelmshöhe ist eine beeindruckende, aber auch ziemlich anspruchsvolle Sehenswürdigkeit. Er beginnt an der Endstation einer Straßenbahn. Aber das Highlight, die riesenhafte Herkules-Statue und ihre mechanischen Wasserspiele, befinden sich knapp 250 Höhenmeter weiter oben am Hang. Und dort gibt es nur einen kleinen Parkplatz. „Bis 2013 war das kein Problem“, erinnert sich Fischer. „Der Park wurde vor allem von den Kasselern zur Naherholung genutzt.“

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Ruinen Palmyra Quelle: dpa

Für ein Weltkulturerbe gelten andere Regeln. Das Reisemagazin des Eurotunnels etwa empfiehlt in einem Best-of Europas zwei deutsche Sehenswürdigkeiten: den Kölner Dom und den Bergpark. Chaotisch geht es auf Zufahrtsstraßen und Parkplätzen seither zu. Es sind die Wachstumsschmerzen einer Tourismusdestination.

Von solchen Schmerzen träumt Götz Ulrich. „Das ist doch wirklich ein toller Blick hier, oder?“, sagt Ulrich, Landrat in Naumburg, Sachsen-Anhalt. Eine Burganlage im Blick liegen hinter ihm Weinberge, unten im Tal die Saale. Postkartenidyll, unverstellt. Denn außer dem Landrat ist sonst keiner da. „Wenn wir Weltkulturerbe werden, bekommen wir endlich einen Platz auf der touristischen Landkarte, den wir verdienen“, spricht er sein lokalpatriotisches Stoßgebet. „Wir werden alles tun, dass es so kommt.“

Seit Freitag tritt wieder das Welterbekomitee zusammen, um weitere der ruhmreichen Titel zu vergeben. Vor 43 Jahren hat die Unesco das Prinzip Weltkulturerbe erfunden. Es ging darum, eine Liste der Weltwunder der Neuzeit zu schaffen. Und so ernannte sie die Buddha-Statuen von Bamiyan, das historische Zentrum Roms oder den Aachener Dom. Ausgewählt werden sollte nach möglichst objektiven Kriterien, unabhängig von nationalen Interessen.

Wenn das Komitee jetzt jährlich nachnominiert, geht es um anderes: Eintrittskarten in die erste Liga des internationalen Tourismus. „Gerade asiatische und amerikanische Reiseveranstalter orientieren sich sehr stark an dieser Liste, wenn sie ihre Routen planen“, sagt Roberto Patuelli, der an der Universität Bologna die Ökonomie des Welterbes erforscht. Dauerhaft steige die Besucherzahl nach der Nominierung um fünf Prozent, so seine Rechnung. Je stärker jedoch der touristische Wert der Welterbestätten zunimmt, desto mehr werden sie zu einem Spielfeld von ökonomischen Interessen und politischen Intrigen.

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