Unister-Insolvenz: Rockaway Capital übernimmt Ab-in-den-Urlaub.de und fluege.de

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Ein Passant geht 2012 in Leipzig an einem Reisebüro "www.ab-in-den-urlaub.de" vorbei.

von Henryk Hielscher

Unister-Insolvenzverwalter Lucas Flöther hat einen Käufer für das Kerngeschäft des Leipziger Internet-Konzerns gefunden. Eine Beteiligungsgesellschaft übernimmt die Reiseportale Ab-in-den-Urlaub.de und fluege.de.

Raus-aus-der-Pleite.de: kurz vor Jahresende landet Unister-Insolvenzverwalter Lucas Flöther von der Kanzlei Flöther & Wissing einen Coup. Er hat einen Käufer für das Kerngeschäft des im Sommer havarierten Leipziger Internet-Konzerns gefunden. Zum 31. Januar übernimmt die tschechische Investment-Gruppe Rockaway Capital SE den Reisebereich von Unister mit den Reiseportalen Ab-in-den-Urlaub.de, fluege.de, urlaubstours.de, reisen.de, billigfluege.de, reisegeier.de, hotelreservierung.de und TravelViva.

Damit sei „die Grundlage geschaffen, die Reiseportale wieder zu alter Stärke zurück zu führen“, sagte Flöther der WirtschaftsWoche. Rockaway wolle den Standort Leipzig auszubauen, so Flöther. Die Beteiligungsgesellschaft ist spezialisiert auf den Kauf und die Entwicklung von Online-Geschäftsmodellen.

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Neben dem Verkauf des Reisebereichs wurde auch die Unister-Tochter shopping.de verkauft. „Für die verbleibenden Unister-Gesellschaften läuft der Investorenprozess weiter“, sagte Flöther. Im Unister-Insolvenzverfahren würden nun vor allem die Prüfung von Anfechtungsansprüchen und die Aufarbeitung der Buchhaltung in den Vordergrund rücken. Die Investorenlösung wird zur Zeit (ab 9.30 Uhr) den Unister-Beschäftigten im großen Sitzungssaal im Rathaus Leipzig vorgestellt.

Die Unister-Insolvenz - Ein Wirtschaftskrimi?

  • Das Unglück

    Der Fall ist mysteriös - und klingt nach einem Wirtschaftskrimi: Selfmade-Millionär und Gründer des Leipziger Internetunternehmens Unister, Thomas Wagner, stürzt am 14. Juli 2016 mit einer Privatmaschine in Slowenien ab. An Bord Bargeld. Kurz darauf meldet die Holding Insolvenz an, ebenso ein Tochterunternehmen. Schon seit Jahren wird über wirtschaftliche Schwierigkeiten spekuliert. Viele Fragen sind offen.

    Quelle: dpa

  • Was ist bislang über den Flugzeugabsturz bekannt?

    Zum Absturz könnte Vereisung an der einmotorigen Maschine beigetragen haben. Entsprechende Probleme hatte der 73-jährige Pilot der slowenischen Flugkontrolle gemeldet. Slowenische Medien spekulierten, dass die gecharterte Privatmaschine deutlich oberhalb der für diesen Typ üblichen Flughöhe von 5000 Metern unterwegs gewesen sein dürfte. Die Untersuchungen des Wracks laufen noch, auch unter Beteiligung deutscher Behörden.

  • Wer befand sich an Bord?

    Neben Firmengründer und Unister-Hauptanteilseigner Wagner (38) auch der Mitgesellschafter Oliver Schilling (39), ein 65-jähriger Mann und der Pilot.

  • Was war der Grund der Reise?

    Wagner und sein Kompagnon wollten sich in Venedig mit potenziellen Investoren treffen, wie Unister mitgeteilt hat. Dabei sollen sie betrogen worden sein. Die slowenische Polizei berichtete von Dokumenten an Bord der Unglücksmaschine, die darauf hinwiesen, dass Wagner „um eine größere Summe geschädigt wurde“. In Medienberichten wird über die Investoren und untergeschobenes Falschgeld spekuliert, offiziell bestätigt ist nichts. Auch die Herkunft der an der Unglücksstelle gefundenen 10.000 Schweizer Franken in bar ist unbekannt.

  • Warum geriet der Konzern durch dem Tod Wagners in Schieflage?

    Wagner galt zeitweise als ostdeutscher Vorzeige-Unternehmer, später gerieten Geschäftspraktiken von Unister immer wieder in die Kritik. Die letzte veröffentlichte Bilanz der Unister Holding stammt von 2011. Ihr alleiniger Geschäftsführer war Wagner, der alle Fäden in den Händen hielt. 2002 hatte er Unister als 23-Jähriger in Leipzig ursprünglich als Studententauschbörse gegründet und das Start-up auf einen rasanten Wachstumskurs geführt. 2015 war dann von Stellenstreichungen die Rede, 30 Millionen Euro pro Jahr sollten eingespart werden.

  • Wie war der Konzern strukturiert?

    Unter dem Dach der Unister Holding GmbH fand sich eine Vielzahl von Firmen, die mehr als 40 Internetportale unter anderem zu den Themen Reisen, Nachrichten, Immobilien oder Partnervermittlung betreiben - darunter beliebte Seiten wie fluege.de, ab-in-den-urlaub.de, news.de oder partnervermittlung.de. Insgesamt arbeiteten mehr als 1000 Beschäftigte für die Unternehmensgruppe.

  • Wem gehört was?

    Bis zu seinem Tod hielt Wagner rund 40 Prozent der Anteile und war damit Hauptgesellschafter Unister Holding. Der Rest verteilt sich nach Firmenangaben auf die vier Mitgründer - darunter Schilling, der ebenfalls beim Absturz ums Leben kam - sowie eine Firma namens Opus30 Vermögensverwaltungsgesellschaft.

  • Immer wieder gab es Ermittlungen. Worum ging es da?

    2012 geriet Unister ins Visier der Justiz. Wagner und drei weitere Manager wurden unter anderem wegen unerlaubter Versicherungsgeschäfte und Steuerhinterziehung angeklagt. Unister wies die Vorwürfe stets zurück. Zum Prozess kam es bisher nicht, weil das Landgericht Leipzig derzeit eine weitere Klage prüft.

Vorangegangen waren wochenlange Verhandlungen und eine nächtliche Sitzung der Beteiligten, um die Verträge rechtzeitig unter Dach und Fach zu bekommen. Der Gläubigerausschuss hatte dem Deal bereits Anfang der Woche zugestimmt.

Nach dem Tod der beiden Unister-Gesellschafter Thomas Wagner und Oliver Schilling bei einem Flugzeugabsturz im Juli hatten die Unister Holding sowie mehrere Tochtergesellschaften Insolvenz angemeldet. Zum Konzern gehörten insgesamt mehr als 40 Internetportale, darunter neben den Kernmarken fluege.de und ab-in-den-urlaub.de auch verschiedene andere Angebote unter anderem im Auto- und Immobilienbereich.

Tschechen kaufen Unister-Reiseportale Wer steckt hinter Rockaway Capital?

Der Käufer von fluege.de und Ab-in-den-Urlaub.de steht fest: Es ist der tschechische Internetkonzern Rockaway Capital. Doch im Hintergrund zieht ein chinesischer Investor die Fäden.

Quelle: Presse

Ursprünglich wollte Flöther die Portale möglichst schnell verkaufen. "Unister braucht rasch einen Investor, aber wir werden auch keinen Notverkauf durchführen", hatte Flöther direkt nach der Insolvenz im Interview mit der WirtschaftsWoche angekündigt. Wenig später war ein Team der Investmentbank Macquarie um Max Mayer-Eming mit der Investorensuche beauftragt worden. Als Rechtsberater waren zudem die Juristen Jan Hückel und Uwe Goetker von McDermott Will & Emery involviert.

Doch die Interessenten boten zunächst offenbar nur Schnäppchenpreise für die Unister-Teile. Flöther pokerte weiter – und baute parallel den Konzern um. Er konzentrierte die Unternehmensgruppe auf die aussichtsreichsten Geschäftsfelder Flug und Touristik und reduzierte die Marketingausgaben. Im November verkaufte er mit kurz-mal-weg.de das erste kleinere Onlineportal. Fit Reisen, ein Veranstalter für Gesundheitsreisen aus Frankfurt, bekam den Zuschlag.


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