United, Delta, American: Wie aus amerikanischen Pleite-Airlines Vorbilder wurden

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United, Delta, American: Wie aus amerikanischen Pleite-Airlines Vorbilder wurden

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Delta Air Lines, United Airlines und American Airlines: Die mächtigen Airlines von Amerika.

von Rüdiger Kiani-Kreß und Stephan Happel

Die amerikanischen Airlines Delta, American und United haben es von den Witzfiguren der Branche zu Vorbildern für europäische Fluglinien gebracht. Was die Linien so stark macht - und welche Fehler sie noch immer haben.

Zu Beginn des Jahres eröffnete Bradley D. Tilden eine neue Form des Wettstreits unter den Fluglinien der USA. "Wir wollen die beste Rendite der Branche", erklärte der Chef von Alaska Air, einer besonders im Nordosten der Vereinigten Staaten aktiven Airline.

Die Mission wird schwerer als gedacht. Im Geschäftsjahr 2014 erreichte seine Linie bei der Umsatzrendite immerhin Rang zwei der Fluggesellschaften – nach dem Ultrabilligflieger Allegiant (siehe Grafik). Aber die Konkurrenz schläft nicht und zurzeit geht es der amerikanischen Flugbranche insgesamt sehr gut. Analysten erwarten Rekordwerte für fast alle US-Linien, die in diesen Tagen die Zahlen für das erste Quartal vorlegen.

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Die Grafik zeigt die Umsatzrendite der großen US-Fluglinien für das Jahr 2014 vor Steuern in Prozent

Daten: Alaska Air



Delta Airlines gab in der vergangenen Woche bekannt, in den ersten drei Monaten des Jahres einen Gewinn von 594 Millionen Dollar gemacht zu haben. Das übertrifft schon zum traditionell reise- und damit renditeschwachen Jahressanfang die Werte fast aller Fluglinien der Welt. Lufthansa-Partner United Airlines präsentierte am Donnerstag ein Rekordergebnis von 600 Millionen Dollar. Und für Freitag erwarten Analysten ebenso gute Zahlen beim letzten der drei US-Marktführer: American Airlines.

US-Linien als Rendite-Champions, der Gedanke wäre noch vor gut zehn Jahren keinem in der Flugbranche gekommen. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 verulkten Airline-Manager weltweit die damals "Big Six" genannten Marktführer als "Sick Six".

Top 10 Fluglinien nach der Anzahl der Passagiere weltweit

  • Platz 10

    Air China
    Anzahl der Passagiere im Jahr 2014: 54,58 Millionen

    Quelle: IATA / STATISTA

  • Platz 9

    Lufthansa
    Anzahl der Passagiere im Jahr 2014: 59,85 Millionen

  • Platz 8

    Easyjet
    Anzahl der Passagiere im Jahr 2014: 62,31 Millionen

  • Platz 7

    China Eastern Airlines
    Anzahl der Passagiere im Jahr 2014: 66,17 Millionen

  • Platz 6

    Ryanair

    Anzahl der Passagiere im Jahr 2013: 86,37 Millionen

  • Platz 5

    American Airlines
    Anzahl der Passagiere im Jahr 2014: 87,83 Millionen

  • Platz 4

    United Airlines
    Anzahl der Passagiere im Jahr 2014: 90,44 Millionen

  • Platz 3

    China Southern Airlines
    Anzahl der Passagiere im Jahr 2014: 100,68 Millionen

  • Platz 2

    Southwest Airlines
    Anzahl der Passagiere im Jahr 2014: 129,09 Millionen

  • Platz 1

    Delta Air Lines
    Anzahl der Passagiere im Jahr 2014: 129,43 Millionen

Die kranken Sechs hatten mehrere Jahre mit Milliardenverlusten hinter sich und standen am Rande der Pleite. "Die waren nicht wie heute ein Vorbild sondern Witzfiguren", erinnert sich ein führender Manager der Lufthansa. "Über die redeten wir nur, wenn wir uns angesichts unserer Probleme ein wenig aufrichten wollten. Denn denen ging es noch schlechter." Das hat sich grundlegend geändert. "Heute sind die US-Linien die effizientesten der Flugbranche", urteilten die Analysten des auf die Flugbranche spezialisierten Marktforschers CAPA.

Die Rückkehr der US-Airlines

Die Konkurrenten der US-Airlines führen den Erfolg auf drei Glücksfälle zurück: Zum einen den Verfall des Ölpreises. Vorteile birgt zum anderen birgt der große Heimatmarkt USA. Darunter der Wegfall der anderswo üblichen teuren Unterschiede bei Gesetzen und die "Fly American" genannte Vorschrift, dass Angehörige des öffentlichen Dienstes nur in Ausnahmefällen ausländische Linien buchen dürfen.


Als größter Glücksfall gilt jedoch die Gnade des US-Konkursrechts. Wo angeschlagene Fluglinien im Rest Welt nur die Wahl haben, mühsam Kosten abzubauen oder dicht zu machen, kennen die Vereinigten Staaten noch den Gläubigerschutz nach Chapter 11 des Konkursrechtes.

Dabei muss ein Unternehmen nur die alte Führung rauswerfen, quasi die Aktionäre enteignen und sich dem Urteil eines Richters unterordnen. Im Gegenzug kann sie alle lästigen Verträge mit Arbeitnehmern, Leasinggebern oder den Vermietern an Flughäfen kündigen und anschließend mit Hilfe anderer Finanzierer schlanker und effizienter neu erstehen. Diesen Jungbrunnen haben alle großen US-Linien durchlaufen, einige sogar mehrfach.

Doch wer den Erfolg nur auf Ölpreis, Heimatmarkt und Chapter 11 zurückführt, greift zu kurz. "Tatsächlich haben die Airlines nicht nur das Management, sondern auch den Managementstil geändert", urteilt eine Studie der US-Investmentbank J.P.Morgan. Mit Erfolg: CAPA-Analysten rechnen vor, dass die Marktführer American, Delta und United bei den Kosten den Billigfliegern extrem nahe kommen. Während in Europa Ryanair oder Easyjet im Schnitt gut ein Drittel günstiger fliegen als zum Beispiel die Lufthansa, haben die US-Discounter im Schnitt nur einen Kostenvorteil von gut zehn Prozent.

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