
In diesem Jahr erwarten die Berater vor allem bei Finanzinstituten und Energieversorgern steigenden Beratungsbedarf: „Durch Finanzkrise und Atomausstieg müssen hier neue Geschäftsmodelle gefunden werden“, sagt Antonio Schnieder, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU). Nach einem Plus von knapp zehn Prozent im vergangenen Jahr erwartet der BDU für dieses Jahr ein Umsatzwachstum von sieben Prozent.
Wie aus der aktuellen BDU-Studie hervorgeht, haben die Umsätze der Consulting-Branche in Deutschland 2011 erstmals die 20-Milliarden-Grenze überschritten: „Gute Exportzahlen und eine anziehende Binnenkonjunktur haben für ein günstiges Investitionsklima in deutschen Firmen und hierdurch für eine positive Geschäftsentwicklung in der Beraterbranche gesorgt“, freut sich BDU-Chef Schnieder. Sein Verband vertritt rund 530 Unternehmen aus der Management-, der Personal- und der IT-Beratungsbranche. Die umfasst nach aktuellen Schätzungen derzeit mehr als 91.000 Berater in gut 14.000 Consultingunternehmen.
Bild: Fotolia.comTop-Beratungsmarken 2011
Seit 2003 fragt Frank Höselbarth, Chef der Frankfurter People + Brand Agency alle zwei Jahre Vorstände und Geschäftsführer aus Mittelstand und Dax-Konzernen:
Wer ist die bekannteste Unternehmensberatung im Land?
Welche Beratung genießt den besten Ruf?
Welche Beratung überzeugt, wenn es galt, das Betriebsergebnis zu verbessern?
Die stärkste Beratungsmarken 2011 sind …
Quelle: Höselbarth-Lay-Index 2011

Platz 15: Cap Gemini - der Pionier in der Kombination von IT und Change Management
Die „Cappen“, wie die Berater von Cap Gemini etwas despektierlich vom Wettbewerb genannt werden, kratzen seit Jahren hart an der Grenze, in die Top10-Liste der besten Beratungsmarken aufzusteigen. Hinter der vergleichbaren IT-Beratung Accenture hat die größte IT- und Unternehmensberatung europäischen Ursprungs das Image des ewigen zweiten Siegers. In der Bekanntheit lässt das globale Netzwerk sich mit führenden Beratungen messen.Die Firma ist das Ergebnis von gelungenen und wieder aufgehobenen Zusammenschlüssen aus der ursprünglichen Strategieberatung Gemini, die nach der Fusion mit einer Pariser IT-Beratung in Cap Gemini zusammenschmolz. Das Konglomerat aus dem Mega-Merger mit dem Beratungsarm der Wirtschaftsprüfung Ernst & Young zu der Marke „Cap Gemini Ernst & Young“ wurde später wieder in Cap Gemini zurückbenannt.
Auf den ursprünglichen Markenkern von Gemini stößt man immer wieder dann, wenn es um das Thema Change-Management geht. Wie kann es gelingen, dass die Menschen in den Unternehmen mit den technischen Veränderungen auch Schritt halten und Veränderungen mittragen? Bei der Beantwortung dieser Frage war Gemini Vordenker.
Bekanntheitsgrad: 86 Prozent
Ruf: zu 4 Prozent positiv
Betriebsergebnis-Steigerung: Note: 2,2 (Skala 1 = gering bis 5 = stark)
Bild: PRPlatz 14: Oliver Wyman - aus Mercer wurde 2007 Oliver Wyman – das hat nicht jeder Manager mitbekommen
Umetikettierungen sind bei Unternehmensberatungen ein heikles Unterfangen. Das zeigt das Beispiel Oliver Wyman.Unter dem Markennamen Mercer hatte die hundertprozentige Management-Consulting-Tochter des börsennotierten Finanzdienstleistungskonzerns Marsh & McLennan sich einen hohen Bekanntheitsgrad erworben. Zum Markenaufbau hatte wesentlich die Mercer-Lebensqualitätsstudie der Weltstädte beigetragen.
Neben der Marke Mercer gab es im Konzernverbund die Marke Oliver Wyman , die als Beratungsspezialist für Risikomanagement scharf positioniert war und für ein Qualitätsniveau stand, mit dem sich lediglich KPMG und McKinsey messen konnten. Die Generalisten für Management- und Strategieberatung von Mercer sollten diesen Effekt als Wettbewerbsvorteil für sich nutzen, indem sie ebenfalls unter das Markendach Oliver Wyman schlüpften. Dadurch sollte die klare Markenaussage von Oliver Wyman auf die Breite des gesamten Beratungsspektrums ausgedehnt werden.
Das Re-Branding war möglicherweise ein Denkfehler. „Zum zweiten Mal in Folge ergibt sich aus dem Marken-Index, dass die ehemals hohe Bekanntheit von Mercer nach ihrer Umfirmierung in Oliver Wyman immer noch nicht annähernd erreicht ist“, stellt Markenexperte Höselbarth fest.
Bekanntheitsgrad: 57 Prozent
Ruf: zu 11 Prozent positiv
Betriebsergebnis-Steigerung: Note: 2,6 (Skala 1 = gering bis 5 = stark)
Bild: ReutersPlatz 13: A.D. Little - Wieder im Aufwind
Die Marke A.D. Little ist einfach nicht tot zu kriegen. In diesem Jahr feierte die Strategieberatung ihr 125-jähriges Firmenjubiläum, hat aber eine langjährige Durststrecke hinter sich. 2007 schaffte es die Traditionsmarke noch unter die Top-Ten im Beraterranking, 2009 rutschte sie brutal auf Platz 14 ab.1886 von dem MIT-Professor Arthur D. Little gegründet, manövrierte sich die auf Innovation und Technologie spezialisierte Beratung durch ihren Börsengang und das Platzen der Internetblase 2001 schon einmal an den Rand des Ruins. 2002 kaufte der französische Technologiekonzern Altran A.D.Little. Doch die Idee, dass Altran und A.D. Little sich gegenseitig befruchten könnten, ging nicht auf.
Weil lange Zeit nicht klar war, wofür die Beratung eigentlich stehen sollte, schrumpfte der weltweite Umsatz von 113 Millionen Euro zuletzt auf das Niveau einer Mittelstandsberatung. Immerhin: Durch die Refokussierung auf die alten Kernwerte Innovation und Technologie liegt die Marke ADL seit kurzem wieder im Aufwind. Jetzt spricht Altran exklusiv mit einem Team von ADL-Partnern über ein Management Buy Out.
Bekanntheitsgrad: 89 Prozent
Ruf: zu 8 Prozent positiv
Betriebsergebnis-Steigerung: Note: 2,37 (Skala 1 = gering bis 5 = stark)
Foto: Altran -CEO Yves de Chaisemartin
Bild: dapdPlatz 12: Deloitte - Beratungssparte eines globalen Wirtschaftsprüfungsgiganten
Von den vier Fats Cats der Wirtschaftsprüferbranche – PwC, KPMG, Deloitte und Ernst & Young trennte sich nur eine einzige nach dem Enron-Bilanzskandal nicht von ihrer Beratungssparte: Deloitte.Doch auch wenn die weltweite Nummer eins der Wirtschaftsprüferszene keinen wirklichen Neustart im Beratungsgeschäft hinlegen musste, wurde sie doch im aktuellen Berater-Ranking aus dem Stand heraus von den Wettbewerbern PwC und KPMG glatt überholt. Möglicher Grund: PwC und KPMG sind in Deutschland traditionell die unumstrittenen Marktführer im Prüfgeschäft mit den börsennotierten Unternehmen. Die Strahlkraft der Prüfer-Marke wirkt auch auf die Beratungssparte durch.
Deloitte musste sich über Jahre hinweg in Deutschland vor allem im Prüfgeschäft mit Mittelstandskunden begnügen. Das Duopol von PwC und KPMG bei börsennotierten Unternehmen war eben selbst für Schwergewichte wie Deloitte nur schwer zu knacken. Das könnte sich demnächst ändern, sollte EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier sein Vorhaben durchsetzen, dass die Big Four in Zukunft ihr Prüfungs- und ihr Beratungsgeschäft nicht mehr unter einem Markendach anbieten dürfen. Eine gesetzlich verordnete Trennung würde aber auch Deloitte als Beratungsmarke treffen.
Bekanntheitsgrad: 86 Prozent
Ruf: zu 11 Prozent positiv
Betriebsergebnis-Steigerung: Note: 2,54 (Skala 1 = gering bis 5 = stark)
Foto: CEO Barry Salzberg
Bild: APPlatz 11: KPMG - als Beratungsmarke aus dem Stand heraus auf Platz 11
Nach dem Enron-Bilanzskandal hatte sich die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG 2002 eigentlich von ihrer Unternehmensberatungssparte verabschiedet. Zu heikel erschien es den Wirtschaftsprüfern damals, angesichts der Drohungen der US-Börsenaufsicht SEC beides Prüfung und Beratung unter einem Markendach weiterhin anzubieten. Unter dem neuen Markennamen Bearing Point lebt der von KPMG damals abgestossene IT-nahe Beratungszweig bis heute als eigenständige Firma weiter – mit eher bescheidenem Erfolg.KPMGs 2005 neu gestarteten Beratungsaktivitäten hingegen scheinen bei den Managern in Deutschland Anklang zu finden. Im Berater-Ranking 2009 stand der Name KPMG noch nicht auf der Liste der 20 gestützten Beratungsmarke, die Frank Höselbarth den 126 befragten Managern zur Beurteilung vorlegte. Daneben aber können die Topmanager immer auch fünf eigene, ungestützte Beratungsmarken nennen, die aus ihrer Sicht im Ranking der stärksten Beratungsmarken nicht fehlen dürfen. „2009 wurde KPMG wie PwC verstärkt genannt. Beide waren deshalb als gestützte Beratungsmarken für die Umfrage in 2011 gesetzt“, so Höselbarth. Die Überraschung: Aus dem Stand heraus landeten beide Wirtschaftsprüfermarken unter den Top 12.
Bekanntheitsgrad: 94 Prozent
Ruf: zu 10 Prozent positiv
Betriebsergebnis-Steigerung: Note: 2,51 (Skala 1 = gering bis 5 = stark)
Bild: ScreenshotPlatz 10: Accenture - führende Beratungsmarke für IT in Deutschland
„Seit 2003 messen wir die Markenstärke von Unternehmensberatungen. Seither präsentiert sich Accenture immer wieder als führende Beratung für Informationstechnologie “, sagt Markenspezialist Frank Höselbarth.
Ganz hinauf auf das Siegertreppchen der stärksten Beratungsmarken schaffte es Accenture jedoch nie. IT-basierte Consultingfirmen sind offenbar markenfähiger als reine Strategieberatungen. Accenture macht es seit Jahren aber vor, dass es dennoch geht, das schnelle Geschäft der Bits und Bytes zur Marke zu entwickeln.
Die IT-Beratungsmarke bietet die komplette Wertschöpfungskette in der Beratung von der Strategie, den Prozessen, der IT und des Change Managements an. Zudem steht Accenture für IT-Outsourcing. Bislang nicht gelungen ist es der wahrgenommenen Technikberatung, den Anteil ihres Geschäfts mit der renditeträchtigeren Strategieberatung nennenswert auszubauen. Internen Gerüchten zufolge hat sich auch der langjährige Vorsitzende der Geschäftsführung, Stephan Scholtissek, an dieser Aufgabe die Zähne ausgebissen. Die Klienten trauen den klassischen Strategen offenbar mehr „Köpfchen“ zu.
Bekanntheitsgrad: 92 Prozent
Ruf: zu 13 Prozent positiv
Betriebsergebnis-Steigerung: Note: 2,5 (Skala 1 = gering bis 5 = stark)
Bild: PRPlatz 9: Horváth & Partners - sammelt mit seinen Controllingpäpsten Punkte
Zu den Aufsteigern des Berater-Rankings 2011 gehören die Controllingspezialisten von Horváth & Partners aus Stuttgart.Mit rund 400 Mitarbeitern und einem Umsatz von etwa 80 Millionen Euro ist der Mittelständler gegenüber den Marktführern McKinsey, BCG und Roland Berger ein kleiner Fisch. Seine Expertise, Kennzahlen und Systeme zur Unternehmenssteuerung zu entwickeln und dann auch noch zum Laufen zu bringen, hat sich jedoch herumgesprochen.
„Spätestens seit der Finanzkrise wissen Unternehmen Lösungen, die ihnen helfen, mit extremen Kosten- und Ertragsschwankungen fertig zu werden, absolut zu schätzen“, sagt Horváth-Vorstand Michael Kieninger (rechts).
Die wachsende Bekanntheit der Marke Horváth und die Zufriedenheit der Kunden spiegelt sich im Berater-Index wieder: Horváth schaffte den Sprung von Platz 10 auf Platz 9.
Bekanntheitsgrad: 75 ProzentRuf: zu 17 Prozent positiv
Betriebsergebnis-Steigerung: Note: 2,74 (Skala 1 = gering bis 5 = stark)
Bild: Andreas Chudowski für WirtschaftsWochePlatz 8: Booz & Company - hatte einen Marken-Relaunch zu verdauen
1914 von dem Diplom-Psychologen Edwin G. Booz in Chicago gegründet, trennte sich die Beratung Booz Allen & Hamilton 2008 von ihrer tragenden Säule, dem Geschäft mit den Regierungsbehörden in den USA.Die US-Government-Sparte firmierte weiter unter der Traditionsmarke „Booz Allen & Hamilton“. Doch auch die rund 200 Partner und 3300 Mitarbeiter des Strategieberaterzweigs wollten nicht ganz auf den Traditionsnamen ihrer Firma verzichten und tauften sich in „Booz & Company“ um. Dass es sich seit der Trennung um zwei verschiedene Häuser handelt, ist bis heute allerdings noch nicht vollends im Markt durchgedrungen.
Warum es den Markenspezialisten der US-amerikanischen Managementberatung überdies nicht aufgefallen ist, das “boozy“ (zu Deutsch: „versoffen“) eher negativ konnotiert ist, bleibt deren eigenes Geheimnis.
Booz & Company ist ein Vollsortimenter – also als eine international aufgestellte Beratung, die Unternehmen aus allen Branchen sowie die öffentliche Hand in puncto Strategie berät.
„Ruf und Bekanntheit der Marke sind hoch, etwas durchschnittlicher fallen die erzielten Ergebnisse zur Erhöhung des Betriebsergebnisses beim Kunden aus“, sagt Höselbarth. Die Booz-Berater gelten als besonders teamorientiert. Der Zusammenschluss mit A.T. Kearney soll unter anderem an unterschiedlichen Vorstellungen darüber gescheitert sein, in welcher Art und Weise Projekte durchgeführt werden. Beeindruckend an Booz & Company ist die sehr hohe Internationalität der Berater und Beraterinnen.
Bekanntheitsgrad: 81 Prozent
Ruf: zu 19 Prozent positiv
Betriebsergebnis-Steigerung: Note: 2,52 (Skala 1 = gering bis 5 = stark)
Foto: Steffen Leistner, Geschäftsführer und Vizepräsident bei Booz & Company
Bild: Uli Reinker für WirtschaftsWochePlatz 7: Simon Kucher & Partners - kein Hidden Champion mehr, sondern der Champion für Pricing
In ihrem Spezialgebiet erntet die Unternehmensberatung aus Bonn weltweit Geschäftserfolge und ist als der führende Champion anerkannt.Das einzige kleine Manko: Dem Beratungshaus fehlt es ein wenig am Mittelbau. Weil Simon Kucher & Partners bei der Entwicklung seiner Pricing-Strategien seine ganz eigene mathematisch-naturwissenschaftliche Methodik verfolgt und stets auf dem neuesten Stand der Forschung sein will, rekrutiert das Haus vor allem Hochschulabsolventen – Quereinsteiger aus der Industrie oder aus anderen Beratungshäusern haben bei Simon Kucher & Partners kaum eine Chance. Die Folge: Bei der Strategieumsetzung suchen Vertreter des mittleren Managements aus Kundenunternehmen mitunter vergeblich nach ebenbürtigen Gesprächspartnern.
Bekanntheitsgrad: 60 Prozent
Ruf: zu 22 Prozent positiv
Betriebsergebnis-Steigerung: Note: 2,87 (Skala 1 = gering bis 5 = stark)
Foto: Dr. Hermann Simon, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partners
Top-Beratungsmarken 2011
Seit 2003 fragt Frank Höselbarth, Chef der Frankfurter People + Brand Agency alle zwei Jahre Vorstände und Geschäftsführer aus Mittelstand und Dax-Konzernen:
Wer ist die bekannteste Unternehmensberatung im Land?
Welche Beratung genießt den besten Ruf?
Welche Beratung überzeugt, wenn es galt, das Betriebsergebnis zu verbessern?
Die stärkste Beratungsmarken 2011 sind …
Quelle: Höselbarth-Lay-Index 2011
Die Krise belebt das Geschäft
Gefragt waren im abgelaufenen Jahr vor allem Methoden der Szenariotechnik, mit denen die Kunden sich besser auf die durch die jüngsten Krisen zum Teil sprunghaft veränderten Rahmenbedingungen einstellen können. Besonders großen Beratungsbedarf hatten die boomende Automobilbranche, wo der Consulting-Umsatz um 19 Prozent stieg, und die von der Binnenkonjunktur geförderte Konsumgüterindustrie mit einem Plus von gut 14 Prozent. Bei den Finanzdienstleistern ging es vor allem um höhere Eigenkapitalquoten und ein verbessertes Risikomanagement, was für einen Umsatzzuwachs bei den Beratungen um fast 13 Prozent sorgte.
Bei den Wachstumsprojekten ging es vorrangig um eine Internationalisierung des Geschäfts, um neue Vertriebs- und Marketingstrategien. Um gut elf Prozent gewachsen ist außerdem die Nachfrage nach neuen Konzepten zum Nachhaltigkeitsmanagement. Ein gestiegenes Umweltschutzbewusstsein spielt dabei nur teilweise eine Rolle: „Die Verteuerung der Resourcen macht dieses Thema inzwischen quasi zum Selbstgänger“, sagt BDU-Präsident Schnieder.

























