Unwetter: Auf den Gewittersturm folgt das Info-Chaos

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Unwetter: Auf den Gewittersturm folgt das Info-Chaos

von Peter Steinkirchner und Roland Tichy

Niemand macht ARD, ZDF oder der Deutschen Bahn einen Vorwurf, wenn ein Gewittersturm tobt - aber das anschließende Informationschaos hat das Trio selbst verschuldet.

Am Tag danach drängte es sie alle auf die Bildschirme. Sondersendungen auf dem Ersten und im Zweiten, die übliche TV-Maschinerie nach Katastrophen lief routinemäßig an. Reporter mit hochgerempelten Hemdsärmeln interviewten Feuerwehrleute im Einsatz und die üblichen Betroffenheits-Laien. Das Drehbuch für den Abend danach ­ man kann es bald auswendig mitsingen. Business as usual eben.

Dabei geht diesmal eben nicht um das übliche Geschäft danach: Die mentalen Aufräumarbeiten nach dem Sturm bringen auch den öffentlich-rechtlichen Sendern und anderen, für das Funktionieren der täglich nötigen Infrastruktur verantwortlichen Unternehmen und Einrichtungen wie der Deutschen Bahn eine volle Breitseite Kritik. Sie entlarvt, in welchem Ausmaß etwa teuer bezahlte öffentlich-rechtliche Anstalten im Augenblick der Katastrophe versagten.

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Manche Kritik ist massiv überzogen – Wetter-Experte Jörg Kachelmann etwa schoss öffentlichkeitswirksam und grell weit übers Ziel hinaus. Kachelmann griff den WDR-Intendanten Tom Buhrow persönlich scharf an und machte ihn direkt für den Tod von Menschen durch das Unwetter verantwortlich. Der frühere ARD-Wettermann hat nach dem Ende seiner öffentlich-rechtlichen TV-Karriere noch einige Rechnungen mit dem Senderverbund offen. Das klang in seinem schrillen Kommentar auch durch.

Unwetter-Ersatztransport Taxifahrer dürfen Bahn-Gutscheine ablehnen

Wegen des heftigen Unwetters fallen in Nordrhein-Westfalen viele Züge aus, die Deutsche Bahn verteilt Taxi-Gutscheine an ihre Fahrgäste. Diese aber haben ihre Tücken.

Der Verkehr auf Straßen, Schienen und in der Luft wurde zeitweise unterbrochen. Quelle: dpa

Allerdings hat seine Attacke einen wahren Kern – tatsächlich fühlten sich am Montagabend in Nordrhein-Westfalen mutmaßlich tausende Gebührenzahler von ihrem mit zig Landesstudios übers ganze Bundesland weit verstreuten öffentlich-rechtlichen Heimatsender schlicht im Stich gelassen.

Wer etwa am Pfingstmontag im Auto unterwegs war und den WDR-Radioprogrammen zuhörte, erfuhr eine ganze Menge über das gerade in Köln laufende Birlikte-Festival in Köln, das zum zehnten Jahrestag des Nagelbomben-Anschlags in der Kölner Keupstraße veranstaltet wurde. Der WDR berichtete live und ausführlich. Doch selbst, als dass Unwetter Köln längst erreicht hatte, brachte der Landessender in seinem laufenden Programm nichts anderes zustande als darauf hinzuweisen, dass das Fest wegen eines schweren Gewitters abgebrochen worden sei.

Von der Gewalt der Wetter-Walze, die da bereits viele Gemeinden im Westen des Bundeslandes überrollt hatte und von der Gefahr für weitere Regionen war im Gebührenfunk keine Rede: Keine Warnungen an Autofahrer vor umstürzenden Bäumen und umherfliegenden meterdicken Ästen, kein Hinweis darauf, dass vielerorts bereits Straßen überflutet waren und selbst Autobahnen stellenweise eher Flüssen glichen, keine Stellungnahme von Einsatzkräften oder Polizei über das Ausmaß dessen, was da noch kommen würde, keine Live-Ticker im laufenden TV-Programm über das, was sich jenseits der Studiowände auf den Straßen des bevölkerungsreichsten Bundeslandes gerade abspielte  - und schon gar keine Live-Berichte eines eigenen Radio-Reporters im prasselnden Regen, der womöglich verhindert hätte, dass sich weitere Menschen aus Unwissenheit in Gefahr brachten.

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