Urlaub: Welche Rechte Flugreisende haben

Urlaub: Welche Rechte Flugreisende haben

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13. August 2006: Ein verhinderter Bombenanschlag am Londoner Flughafen Heathrow löst Chaos aus. British Airways strich 30 Prozent der Flüge. Hier gehen betroffene Passagiere leer aus: höhere Gewalt

Wenn jemand eine Reise tut, dann kann er etwas erleben - manchmal läuft jedoch nicht alles so glatt, wie man geplant und gewünscht hat. wiwo.de gibt Tipps, wie Fluggäste zu ihrem Recht kommen können.

Die Vorfreude war groß: Michael und Petra Schubert (Namen geändert) aus München hatten eine zweiwöchige Trekking-Tour durchs australische Outback geplant. Die Gepäckaufgabe am Münchner Flughafen verlief reibungslos. Obwohl das Ehepaar mit zwei verschiedenen Airlines fliegen wollte, sollte nach Auskunft der freundlichen Dame am Check-in-Schalter das gesamte Gepäck bis zum Zielort in Darwin durchgecheckt werden. Von München ging es zunächst mit der Fluggesellschaft Emirates nach Dubai. Dort stiegen beide in eine Maschine von Jetstar Airways um, einer Billig-Tochter der australischen Qantas. Angekommen in Darwin fehlte von den Rucksäcken jede Spur. Denn der Dame am Check-in war nicht bekannt, dass die beiden Airlines bei der Kofferbeförderung gar nicht zusammenarbeiten. Das Gepäck hätte also von den Münchnern in Dubai in Empfang genommen und wieder aufgegeben werden müssen.

Was also tun? Einen Tag wartete das Ehepaar ab, bevor es sich mit der notwendigsten Kleidung und Ersatzausrüstung ausstattete und mit der Tour startete. 300 australische Dollar (rund 170 Euro) kostete die unfreiwillige Shopping-Tour. Das Geld forderten die beiden Münchner später von der Fluggesellschaft zurück. Doch die weigerte sich zu zahlen.

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Eigentlich ist seit Februar 2005 alles ganz einfach. Denn seitdem gelten in der EU neue Fluggastrechte. Geht der Koffer verloren, kommt er zu spät oder beschädigt am Urlaubsort an, sind Flüge überbucht, verspätet oder werden sie gar ganz gestrichen - bei all diesen Problemen stehen Reisenden viel eher Ausgleichszahlungen, Entschädigungen und Schadensersatz zu als früher.

Was Reisende beachten müssen

Dabei gibt es jedoch einiges zu beachten, wie Birgit Zandke-Schaffhäuser von der Schlichtungsstelle Mobiltät rät: "Ist das Gepäck beschädigt, sollte der Reisende den Schaden unverzüglich, spätestens jedoch innerhalb von sieben Tagen bei der Fluggesellschaft anzeigen", empfiehlt die Juristin. Das geschieht am besten an Ort und Stelle, beim "Lost & Found"-Schalter. Kommt das Gepäck außerdem noch verspätet am Urlaubsort an, kann man sich damit 21 Tage Zeit lassen.

Bis zu ungefähr 1100 Euro kann ein Fluggast pro Gepäckstück von der Airline als Entschädigung erhalten, dessen Koffer auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Als Währung dienen dabei sogenannte Sonderziehungsrechte, deren Umrechnungskurse täglich vom Internationalen Währungsfond (IWF) in amtlichen Devisen neu festgelegt werden. "Am liebsten verlangen Fluggesellschaften natürlich Originalbelege wie Rechnungen oder Kassenzettel", sagt Zandke-Schaffhäuser. "Doch wer bewahrt schon den Kaufbeleg eines Hemdes auf, das er vor zwei Jahren gekauft hat?" Das ist laut Empfehlung der Juristin auch gar nicht notwendig: Es genügt, wenn man der Airline glaubhaft versichern kann, welche Gegenstände sich im verschwundenen Koffer befunden haben. Zandke-Schaffhäuser: "Es wird allerdings jeweils nur der Zeitwert erstattet."

Wer das Pech hat, einen oder gar mehr Urlaubstage ohne Gepäck am Reiseort ohne eigenen Koffer auskommen zu müssen, sollte sich zunächst mit dem Notwendigsten eindecken. "Wichtig ist, das sich der Reisende schadensmildernd verhält", rät die Expertin. Gleich in die nächste Edelboutique zu rennen, kann später dazu führen, dass man auf den Kosten für die tolle Abendgarderobe sitzen bleibt. Auch hier gelten als Obergrenze umgerechnet rund 1100 Euro in Sonderziehungsrechten.

Auch bei Anullierungen, Verspätungen und Überbuchung von Flügen kann der Reisende die Airline in die Pflicht nehmen. Grundlage dafür ist die EU-Verordnung 261/2004. Allerdings muss der Reisende pünktlich eingecheckt haben (siehe Kasten auf Seite 2).

Doch viele Fluggesellschaften versuchen, diese Zahlungen zu umgehen. Denn die Pflicht zur Zahlung von Ausgleichsleistungen entfällt, wenn die Airline den Flugausfall nicht zu vertreten hat. Das können beispielsweise widrige Wetterbedingungen, unerwartete Flugsicherheitsmängel an gut gewarteten Maschinen und in ganz bestimmten Fällen auch Streiks sein. Dabei darf ein Streik aber nur dann als "höhere Gewalt" ausgelegt werden, wenn nicht unternehmensangehörige Personen, zum Beispiel Fluglotsen, ihre Arbeit niederlegen oder es sich um einen Generalstreik handelt. "Betroffene sollten sich also nicht von der Fluggesellschaft nicht mit dem Argument abwimmeln lassen, dass gestreikt wird", raten Verbraucherschützer. Denn auch bei einem Streik stehen dem Fluggast durchaus Leistungen zu.

So fällt auch nach mehr als vier Jahren Erfahrung mit den von Brüssel verordneten Fluggastrechten die Bilanz von Verkehrsrechtsexperten und Verbraucherschützern eher ernüchternd aus. Außergewöhnliche Umstande (höhere Gewalt) sind immer wieder eine willkommene Ausrede für so manche Airline: Sie verweist dann etwa darauf, dass ein plötzlich erkrankter Pilot oder ein technischer Defekt für den verhinderten oder verspäteten Flug verantwortlich ist. Als Passagier steht man diesen Antworten häufig machtlos gegenüber, denn ihre Richtigkeit kann man kaum überprüfen.

Airlines müssen Ursache für Verspätung oder Anullierung beweisen

Dabei sind die Fluggesellschaften verpflichtet, die Ursache für einen verspäteten oder ausgefallenen Flug zu beweisen. Wenn dem Reisenden also am Flughafen mitgeteilt wird, dass ein Pilot erkrankt sei oder ein technischer Defekt vorliege, muss die Airline das im Zweifelsfall vor Gericht belegen können.

Doch auch der Fluggast selbst sollte sich möglichst detaillierte Notizen von dem Vorfall machen, um diese nachher als Beweise vorbringen zu können: Der Namen des Mitarbeiters, der etwa den Grund für die Flugverspätung oder -anullierung nennt, ist dabei besonders wichtig.

Wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte sich dies an Ort und Stelle schriftlich bestätigen lassen oder später zumindest Zeugen benennen können, empfehlen Rechtsexperten - wohl in der Praxis ein frommer Wunsch. Es kann mitunter auch hilfreich sein, die Anzeigtafel zu fotografieren - wenn nämlich ein Flug wegen angeblich schlechten Wetters gestrichen wird, andere Flieger trotzdem starten, wie die Anzeigetafel beweist.

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