Verdacht auf Steuerbetrug: Schweigen bei verhafteten Unister-Chefs

Verdacht auf Steuerbetrug: Schweigen bei verhafteten Unister-Chefs

Die Leipziger Firma Unister hat ein kleines Online-Imperium mit Portalen wie fluege.de aufgebaut. Jetzt vermutet die Staatsanwaltschaft illegale Versicherungsgeschäfte und Steuerhinterziehung. Zwei Manager sitzen nach einer Razzia in U-Haft.

Die beiden verhafteten Manager der Leipziger Internetfirma Unister schweigen bislang zu den Vorwürfen der illegalen Geschäftemacherei und Steuerhinterziehung. Beim Ermittlungsrichter hätten die Männer keine Angaben gemacht, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft in Dresden, Wolfgang Klein, am Mittwoch. Zu Unister gehören Internetseiten wie fluege.de, ab-in-den-urlaub.de und auto.de.

Es bestehe dringender Tatverdacht, außerdem Flucht- und Verdunklungsgefahr, also die Gefahr der Vernichtung von Beweismitteln, sagte der Sprecher. Laut "Leipziger Volkszeitung" ist Firmenchef Thomas Wagner einer der Inhaftierten in der Justizvollzugsanstalt Dresden. Die Staatsanwaltschaft wollte das weder dementieren noch bestätigen.

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Die Unister-Chefs waren am Dienstag bei einer großangelegten Razzia festgenommen worden. Rund 130 Polizisten und Steuerfahnder hatten bundesweit 20 Unister-Büros und Wohnungen durchsucht. Sie beschlagnahmten Computer und Akten. Insgesamt wird gegen acht Mitarbeiter aus der Unister-Führung wegen des Verdachts ermittelt, unerlaubt Versicherungen vertrieben zu haben. Die Durchsuchungen dauerten den ganzen Tag. Die Angestellten durften während dieser Zeit nicht an ihre Arbeitsplätze und Computer.

Die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt gegen insgesamt acht Führungskräfte. Auf seinen Reiseportalen wie fluege.de und ab-in-den-urlaub.de soll Unister einen Stornoschutz angeboten haben, der einer Versicherung gleichkommt. Eine Genehmigung hatte Unister dafür nicht. Versicherungssteuer wurde den Ermittlern zufolge auch nicht gezahlt.

Internetfirma nennt Behördenvorgehen unverhältnismäßig

Unister teilte mit, den Vorwurf sehr ernst zu nehmen. Allerdings werde das Vorgehen der Untersuchungsbehörden als unverhältnismäßig empfunden, "da der zugrunde liegende Sachverhalt schon 2011 durch uns offen gegenüber den Behörden kommuniziert wurde und die Rechtsfrage nach wie vor ungeklärt ist".

"Der uns gemachte Vorwurf könnte - die Staatsanwaltschaft hat dies nicht klar geäußert - in einer unterschiedlichen rechtlichen Bewertung eines unserer angebotenen Produkte liegen", schrieb Unister in einer Mitteilung. Je nachdem, ob die Versicherungsprodukte als Nebenleistung zur Reisevermittlung oder als Versicherung gewertet würden, resultierten daraus unterschiedliche steuerliche Folgen.

Da die zwei Manager laut Staatsanwaltschaft bislang keine Aussagen machten, will die Behörde will nun die Beweise der einzelnen Durchsuchungen zusammentragen und Zeugen vernehmen. Es werde weiter gegen acht Führungskräfte des Unternehmens ermittelt, inklusive der zwei Inhaftierten. "Wir wollen zügig vorankommen und streben eine Anklage in den nächsten sechs Monaten an", sagte Staatsanwalt Klein. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, drohen den Managern Geldstrafen und bis zu fünf Jahre Haft.

Unister Die dubiosen Methoden des Reiseriesen

Der Betreiber von Reiseportalen im Internet wie Fluege.de oder Ab-in-den-Urlaub geht mit fragwürdigen Methoden auf Kundenfang. Verbraucherschützer klagen und der Bundesgerichtshof hat Unister bereits ausgebremst.

Besucher auf Reiseseite (in Tausend) Quelle: Nielsen

Ein Unternehmenssprecher hatte am Dienstagabend der Staatsanwaltschaft ein unverhältnismäßiges Vorgehen vorgeworfen und und auf die Möglichkeit unterschiedlicher rechtlicher Bewertungen verwiesen: „Je nachdem, ob man unser Produkt als Nebenleistung zur Reisevermittlung oder als Versicherung wertet, resultieren daraus unterschiedliche steuerliche Folgen.“ Unister stehe in dieser Frage seit geraumer Zeit in Kontakt mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Die Bafin habe erst am Dienstag zur Durchsuchung mitgeteilt, dass sie das Angebot als Versicherung betrachte und untersagen wolle. Unister finde das Vorgehen der Untersuchungsbehörden unverhältnismäßig, da der Sachverhalt bereits 2011 offen kommuniziert worden sei und Rechtsfragen nach wie vor ungeklärt seien.

Im Sommer waren Vorwürfe gegen Unister erhoben worden. Die Verbraucherzentrale Sachsen warnte öffentlich vor dem Portal fluege.de, wo bei der Buchung versteckte Gebühren aufgeschlagen würden. Unister-Chef Wagner wies die Vorwürfe zurück.

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Die sächsische Antikorruptionseinheit „INES“ ermittele seit dem 1. Oktober gegen die acht Unister-Mitarbeiter, sagte Klein. Ausgangspunkt sei eine anonyme Anzeige gewesen. Der Anfangsverdacht habe sich erhärtet. Es sei „Gegenstand der weiteren Ermittlungen“, ob das Geschäft mit den Versicherungen auch auf anderen Portalen betrieben worden sei. „INES“ hatte auch schon die Ermittlungen gegen das illegale Filmportal Kino.to geführt.

Unister hat seinen Hauptsitz in Leipzig und gehört zu den größten Internetanbietern Deutschlands. Es betreibt eine ganze Reihe von Portalen und macht das Hauptgeschäft mit dem Verkauf von Reisen im Internet. Die Firma wurde 2002 von dem Studenten Thomas Wagner (34) gegründet. Er lenkte seither die Geschicke des Unternehmens, das unter dem Dach einer Holding auch Portale wie geld.de, preisvergleich.de oder hotelreservierung.de vereint. Nach eigenen Angaben beschäftigt Unister mehr als 1500 Mitarbeiter.

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