Verdacht auf Steuerbetrug: Unister-Manager bei Razzia verhaftet

Verdacht auf Steuerbetrug: Unister-Manager bei Razzia verhaftet

Im Sommer wurden Abzock-Vorwürfe gegen Unister laut, jetzt ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft. Diesmal geht es um illegale Versicherungsgeschäfte und Steuerhinterziehung. Zwei Manager sitzen in U-Haft.

Bei einer großangelegten Razzia gegen das Leipziger Internet-Unternehmen Unister sind zwei führende Manager festgenommen worden. Gegen die beiden Männer sei am Dienstag Haftbefehl erlassen worden, sagte Wolfgang Klein, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft in Dresden. Ihnen werden illegale Versicherungsgeschäfte und Steuerhinterziehung in Millionenhöhe vorgeworfen.

Fahnder des Landeskriminalamtes durchsuchten von Dienstagmorgen an den Unister-Hauptsitz in Leipzig sowie rund 20 Wohnungen und Büros im Bundesgebiet. Sie beschlagnahmten Computer und Akten. Insgesamt wird gegen acht Mitarbeiter aus der Unister-Führung wegen des Verdachts ermittelt, unerlaubt Versicherungen vertrieben zu haben. Zudem seien für diese Geschäfte keine Versicherungssteuern abgeführt worden, hieß es.

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Unister-Sprecher Konstantin Korosides wollte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern. „Unsere Anwälte prüfen das“, sagte er. Unister betreibt eine ganze Reihe von Portalen und macht das Hauptgeschäft mit dem Verkauf von Reisen im Internet.

Reiseportale Unister hat das Vertrauen verspielt

Mit Portalen wie Ab-in-den-Urlaub oder Fluege.de ist Unister enorm erfolgreich – doch die Methoden dahinter sind dubios, Kunden müssen höllisch aufpassen.

Screenshot der Internetseite ab-in-den-urlaub.de Quelle: screenshot

Oberstaatsanwalt Klein sagte, den Kunden sei eine Absicherung gegen Stornierungen angeboten worden. Dahinter habe aber nicht, wie bei Reiserücktrittskosten-Policen üblich, eine Versicherung gestanden, sondern Unister selbst. Dafür hätte der Portal-Betreiber eine Genehmigung vom Bundesaufsichtsamt für Versicherungswesen benötigt. „Diese Genehmigung hat die Firma nicht“, sagte Klein. „Obendrein hat man die dafür abzuführende Versicherungssteuer nicht abgeführt“, sagte Klein. Damit sei ein Steuerschaden von rund einer Million Euro entstanden. Die Durchsuchungen bei Unister dauerten den ganzen Tag. Die Angestellten durften während dieser Zeit nicht an ihre Arbeitsplätze und Computer.

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Die sächsische Antikorruptionseinheit „INES“ ermittle seit dem 1. Oktober gegen die acht Unister-Mitarbeiter, sagte Klein. Ausgangspunkt sei eine anonyme Anzeige gewesen. Der Anfangsverdacht habe sich erhärtet. Es sei „Gegenstand der weiteren Ermittlungen“, ob das Geschäft mit den Versicherungen auch auf anderen Portalen betrieben worden sei. „INES“ hatte auch schon die Ermittlungen gegen das Filmportal Kino.to geführt.

Unister wurde 2002 von dem Studenten Thomas Wagner (34) gegründet. Er lenkte seither die Geschicke des Unternehmens, das unter dem Dach einer Holding Portale wie geld.de, preisvergleich.de oder fluege.de vereint. Nach eigenen Angaben beschäftigt Unister mehr als 1500 Mitarbeiter.

Im Sommer waren Abzock-Vorwürfe gegen Unister erhoben worden. Die Verbraucherzentrale Sachsen warnte öffentlich vor dem Portal fluege.de, wo bei der Buchung versteckte Gebühren aufgeschlagen würden. Unister-Chef Wagner wies die Vorwürfe zurück.

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