Vereinigung Cockpit: Lufthansa-Piloten setzen Streik unerwartet fort

Vereinigung Cockpit: Lufthansa-Piloten setzen Streik unerwartet fort

, aktualisiert 03. Dezember 2014, 06:11 Uhr

Der eine Streik ist noch nicht zu Ende, da steht schon der nächste an: Am Donnerstag lassen die Lufthansa-Piloten erneut Langstrecken- und Frachtflüge ausfallen.

Kurz vor Ende der mittlerweile neunten Streikwelle bei der Lufthansa hat die Pilotenvereinigung Cockpit zu einem neuen Ausstand am Donnerstag aufgerufen. Betroffen seien Langstrecken- und Frachtflüge, teilte Cockpit am späten Dienstagabend mit. Kurz- und Mittelstreckenflüge sowie Flüge der Lufthansa-Tochter Germanwings würden nicht bestreikt. Die jüngsten Verhandlungsrunden zur Übergangsversorgung hätten gezeigt, dass es nach wie vor „erhebliche Differenzen“ gebe. „Deshalb wurde beschlossen, die für diese Woche geplanten Arbeitskampfmaßnahmen in ihrem Umfang auszudehnen“, hieß es weiter.

Vereinigung Cockpit Lufthansa hält trotz Streik an Umbauplänen fest

Die Lufthansa lässt sich von ihren streikenden Piloten nicht vom Kurs abbringen. Obwohl erneut hunderte Flüge ausfielen, berät am Mittwoch der Aufsichtsrat das neue Billigkonzept.

Flugzeuge der Lufthansa stehen in München. Quelle: REUTERS

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hatte am Dienstag ihren Kurzstrecken-Streik vom Vortag auf alle Lufthansa-Verbindungen inklusive der Fernflüge ausgeweitet. Der auf 36 Stunden angesetzte Ausstand sollte bis Mitternacht dauern. Lufthansa hatte deshalb nach eigenen Angaben von Montag bis Mittwoch knapp 1400 Flüge gestrichen. Betroffen seien rund 150.000 Passagiere. Der Streik am Donnerstag soll den Angaben zufolge von 03.00 Uhr früh bis Mitternacht dauern.

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In der seit Monaten andauernden Tarifauseinandersetzung geht es unter anderem um die Übergangsrenten der 5400 Piloten von Lufthansa, Germanwings und Lufthansa Cargo. Hinter den Kulissen schwelt zusätzlich ein erbitterter Streit um den künftigen Kurs des Konzerns. Die Piloten der neuen „Wings“-Familie sollen nicht nach den bislang gültigen Konzerntarifen bezahlt werden.

Welche Rechte Fluggäste bei Streik haben

  • Hinweise der Verbraucherschützer

    Die Verbraucherzentrale NRW erklärt, welche Rechte betroffene Fluggäste haben.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (1)

    Die Airline muss laut EU-Verordnung einen Ersatzflug zum nächstmöglichen Zeitpunkt anbieten. Alternativ können Fluggäste bei Annullierung des Flugs vom Luftbeförderungsvertrag zurücktreten und sich den Flugpreis erstatten lassen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (2)

    Bei Ausgleichszahlungen ist die Lage strittig. Nach bislang überwiegender Ansicht gelten Streiks als "außergewöhnliche Umstände", und dann braucht die Fluggesellschaft nicht zu zahlen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (3)

    Findet der Flug verspätet statt, sichert die europäische Fluggastrechte-Verordnung folgende Rechte zu: Anspruch auf kostenlose Betreuung besteht ab zwei Stunden Verzögerung bei Kurzstrecken (bis 1500 km), ab drei Stunden bei Mittelstrecken (bis 3500 km) und ab vier Stunden bei Langstrecken. Die Airline muss dann für Mahlzeiten, Erfrischungen, zwei Telefongespräche, Telexe, Faxe oder E-Mails sowie eventuell notwendige Hotelübernachtungen (falls sich der Flug um einen Tag verschiebt) samt Transfer sorgen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (4)

    Wollen die Fluggäste die Reise bei einer mehr als fünfstündigen Verspätung nicht mehr antreten, können sie ihr Geld zurückverlangen.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (1)

    Der Reiseveranstalter ist der erste Ansprechpartner, wenn der ausfallende Flug Teil einer Pauschalreise ist. Auch der Veranstalter hat die Pflicht, schnellstmöglich für eine Ersatzbeförderung zu sorgen.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (2)

    Erst, wenn der Flieger mehr als vier Stunden verspätet ist, kann je nach Flugstrecke ein Reisemangel vorliegen. Dann können für jede weitere Verspätungsstunde fünf Prozent des Tagesreisepreises vom Veranstalter zurückverlangt werden.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (3)

    Wenn durch den Streik Reiseleistungen ausgefallen sind, haben Urlauber die Möglichkeit, nach ihrer Rückkehr den Preis der Reise zu mindern.

Die Lufthansa hält bislang an ihren Umbauplänen fest. Obwohl am Dienstag erneut Hunderte Flüge vor allem an den Drehkreuzen Frankfurt und München streikbedingt ausfielen, wird der Aufsichtsrat des Dax-Konzerns an diesem Mittwoch über das Konzept einer starken Billigflugsparte beraten, wie das Unternehmen noch einmal bestätigte. Nach den bislang bekannten Plänen will Lufthansa-Chef Carsten Spohr eine neue Gesellschaft für billige Langstreckenflüge sowie eine Stärkung der bisherigen Marken Germanwings und Eurowings durchsetzen.

Unverständnis bei der Lufthansa

Auf die neue Streik-Ankündigung reagierte Lufthansa nach eigenen Angaben „mit vollkommenem Unverständnis“. Damit werde dem Unternehmen und insbesondere seinen Kunden „zum zweiten Mal in dieser Woche großer Schaden (...) zugefügt“, teilte ein Konzernsprecher mit.

Die Frachtsparte Lufthansa Cargo hatte auf die neunte Streikwelle insbesondere mit Flugverlegungen reagiert, komplett absagen musste sie nach Firmenangaben keinen Frachtflug. Auch der erste Flug der neuen Passagier-Verbindung von München nach Miami startete planmäßig aus der bayerischen Landeshauptstadt.

Ein Unternehmenssprecher sagte am Dienstag, der Ersatzflugplan werde planmäßig abgeflogen, in den Terminals sei es entsprechend ruhig zugegangen. Ziel sei ein schneller Neustart des gesamten Netzes nach Streikende um Mitternacht. Flüge der Lufthansa-Tochter Germanwings sowie der Konzerngesellschaften Swiss, AUA und Brussels Airlines waren nicht betroffen. Den Schaden nach acht Streikrunden hatte Lufthansa auf 170 Millionen Euro beziffert.

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Kleinteiligen Streit gab es am Frankfurter Flughafen um eine Personalversammlung der Piloten, die Lufthansa nicht auf ihrem Gelände dulden wollte. Die VC kritisierte das als „massive Behinderung der Personalvertretung“ und hielt dem Management vor, sich vor den kritischen Fragen der Piloten zu drücken. „Unser Chefpilot hätte gerne an der Versammlung teilgenommen“, sagte ein Unternehmenssprecher. Das sei ihm als Chef des Krisenstabs während eines Vollstreiks aber aus nachvollziehbaren Gründen nicht möglich gewesen.

Die Verhandlungen zwischen der Vereinigung Cockpit und der Fluggesellschaft waren in der Nacht zum Samstag erneut gescheitert. Derzeit gehen die Piloten im Durchschnitt mit knapp 59 Jahren in den allein von der Firma bezahlten Vorruhestand. Lufthansa will diesen Schnitt für Bestandspiloten schrittweise auf 61 Jahre erhöhen. Die VC verlangt auch für neu eingestellte Piloten finanzielle Unterstützung zum Vorruhestand.

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