Verhandlungen gescheitert: Lufthansa-Piloten drohen erneut mit Streiks

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Verhandlungen gescheitert: Lufthansa-Piloten drohen erneut mit Streiks

von Stephan Happel

Passagiere der Lufthansa müssen mit Streiks rechnen. Und das ab sofort. Im Arbeitskampf mit der Fluglinie lässt die Pilotengewerkschaft Cockpit ihre Muskeln spielen und nimmt dafür auch den Zorn der Fluggäste in Kauf.

Die Verhandlungen zwischen der Lufthansa und der Pilotenvereinigung Cockpit (VC) sind gescheitert. Jetzt drohen bei Deutschlands größter Fluggesellschaft neue Streiks und Flugausfälle. Wie die Gewerkschaft am Freitag mitteilte, sind weitere Arbeitskampfmaßnahmen beschlossen worden, "mit denen ab sofort gerechnet werden muss". Der Streit tobt bereits seit Monaten. Cockpit verlangt von der Fluglinie
die Beibehaltung einer betriebsinternen Frührente und Übergangsversorgung. “Auch zukünftig soll es Piloten, die über Jahrzehnte den Belastungen des Berufes ausgesetzt sind, möglich sein, vorzeitig aus dem Berufsleben auszusteigen”, heißt es in einer Mitteilung.

Welche Rechte Fluggäste bei Streik haben

  • Hinweise der Verbraucherschützer

    Die Verbraucherzentrale NRW erklärt, welche Rechte betroffene Fluggäste haben.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (1)

    Die Airline muss laut EU-Verordnung einen Ersatzflug zum nächstmöglichen Zeitpunkt anbieten. Alternativ können Fluggäste bei Annullierung des Flugs vom Luftbeförderungsvertrag zurücktreten und sich den Flugpreis erstatten lassen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (2)

    Bei Ausgleichszahlungen ist die Lage strittig. Nach bislang überwiegender Ansicht gelten Streiks als "außergewöhnliche Umstände", und dann braucht die Fluggesellschaft nicht zu zahlen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (3)

    Findet der Flug verspätet statt, sichert die europäische Fluggastrechte-Verordnung folgende Rechte zu: Anspruch auf kostenlose Betreuung besteht ab zwei Stunden Verzögerung bei Kurzstrecken (bis 1500 km), ab drei Stunden bei Mittelstrecken (bis 3500 km) und ab vier Stunden bei Langstrecken. Die Airline muss dann für Mahlzeiten, Erfrischungen, zwei Telefongespräche, Telexe, Faxe oder E-Mails sowie eventuell notwendige Hotelübernachtungen (falls sich der Flug um einen Tag verschiebt) samt Transfer sorgen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (4)

    Wollen die Fluggäste die Reise bei einer mehr als fünfstündigen Verspätung nicht mehr antreten, können sie ihr Geld zurückverlangen.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (1)

    Der Reiseveranstalter ist der erste Ansprechpartner, wenn der ausfallende Flug Teil einer Pauschalreise ist. Auch der Veranstalter hat die Pflicht, schnellstmöglich für eine Ersatzbeförderung zu sorgen.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (2)

    Erst, wenn der Flieger mehr als vier Stunden verspätet ist, kann je nach Flugstrecke ein Reisemangel vorliegen. Dann können für jede weitere Verspätungsstunde fünf Prozent des Tagesreisepreises vom Veranstalter zurückverlangt werden.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (3)

    Wenn durch den Streik Reiseleistungen ausgefallen sind, haben Urlauber die Möglichkeit, nach ihrer Rückkehr den Preis der Reise zu mindern.

Das sei viel zu teuer, argumentiert der schwächelnde Lufthansa-Konzern und lehnt die Forderungen strikt ab. Auf Dauer könne sich das Unternehmen diese Leistung schlicht nicht mehr erlauben. Künftig sollen
die Flugzeugführer bis 63 arbeiten und nicht schon mit 55 ausscheiden können. In einer Urabstimmung im März hatten die Piloten bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings mit 99,1 Prozent dafür gestimmt, ihre Forderungen auch mittels Arbeitskampf durchzusetzen. “Wir werden uns nun weiter gegen den Kahlschlag wehren, den das Unternehmen plant“, betonte VC-Präsident Ilja Schulz erneut.

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Knatsch gibt es zwischen der Fluglinie und ihren Piloten nicht nur wegen der Frührente. Seit die Airline angekündigt hat, einen neuen Billigableger unter der Marke "Wings" zu starten, befürchte die
Gewerkschaft Einsparungen bei den Gehältern. Das Vorhaben sei "ohne zahlreiche Tarifvertragsbrüche" nicht zu realisieren, heißt es in einem VC-Rundschreiben an tausende Angestellte.
Zwar erklärt VC, die Lufthansa könne die Streiks „mit den entsprechenden Signalen jederzeit noch abwenden“. Doch die Fronten sind verhärtet. Eine schnelle Lösung vorerst nicht in Sicht.

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Schon im Frühjahr hatten die Kranich-Piloten ihre Arbeit für drei Tage nieder. Während des bislang größten Streiks der Lufthansa-Geschichte blieben fast 4000 Flieger am Boden. Rund 425.000 Passagiere waren betroffen. Die Ausfälle kosteten die Lufthansa einen hohen zweistelligen Millionen-Betrag. Bei den Fluggästen stießen die Forderungen der Flugzeugführer auf wenig Verständnis. Lufthansa-Piloten gelten als Top-Verdiener der Branche, verdienen in der Spitze bis zu 255.000 Euro im Jahr. Dass sie darüber hinaus noch Zusatzleistungen verlangen, halten viele für Gier. Auch mit einer neuen Streikrunde - zumal zur Ferienzeit in mehreren Bundesländern - werden sich die Piloten kaum viele Freunde machen. Aufmerksamkeit ist ihnen jedoch gewiss. Ebenso sicher ist der öffentliche und finanzielle Druck, der nun auf ihrem Arbeitgeber lastet. Der wollte zur Streikdrohung bislang keine Stellung beziehen.

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